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Planlos, ratlos, harmlos: Alarmstufe Rot nach Peinlich-Auftritt des FC Bayern

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Von: Jonas Austermann

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„Richtig traurig und enttäuschend“: Manuel Neuer verfolgte das Geschehen beim Pokalspiel in Bochum skeptisch
„Richtig traurig und enttäuschend“: Manuel Neuer verfolgte das Geschehen beim Pokalspiel in Bochum skeptisch. © MIS

Die jüngsten „Rumpel“-Auftritte sorgen bei erfolgsverwöhnten Fans des FC Bayern für Entsetzen. Wie gelingt es den Münchnern, spielerisch zurück in die Erfolgsspur zu finden?

München - Wo soll das nur enden, FC Bayern? Nach dem Rumpel-Fußball der vergangenen Wochen mit einer Pleite gegen 1899 Hoffenheim, einem Remis gegen den FC Augsburg sowie Zittersiegen gegen Olympiakos Piräus und Union Berlin folgte am Dienstagabend beim VfL Bochum der vorläufige Höhepunkt der Münchner Unzulänglichkeiten. Zweikampfverhalten? Mangelhaft! Offensivspiel? Nicht vorhanden! Passspiel? Desaströs! Auftreten? Überheblich! Schafft Trainer Niko Kovac es nicht innerhalb kürzester Zeit, Bayern München neues Leben einzuhauchen, dürfte er die erneute Herbstkrise nicht überstehen. Jetzt geht es um alles!

Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge, ohnehin ein Kovac-Kritiker, hatte vor der Spielzeit von seinem Trainer eine Weiterentwicklung in spielerischer Hinsicht gefordert. Der Kroate hatte im Sommer (zumindest etwas) Einfluss darauf, wie sich der Kader verändert. Das Aufgebot müsste jetzt folglich besser umsetzen können, was Kovac sich vorstellt. Von Weiterentwicklung ist allerdings keine Spur, ganz im Gegenteil. Und noch schlimmer: Der Bayern-Trainer flüchtet sich immer wieder in hanebüchene Ausreden oder schiebt die Schuld am Rumpel-Fußball an seine Spieler weiter.

FC Bayern: Der Kapitän appelliert an die Moral seiner Teamkollegen

Am Dienstag nutzte Niko Kovac die Frage nach der Leistung des VfL Bochum (hier geht‘s TV-Kritik) zu einer vollen Breitseite gegen seine Stars. Er sagte: „Da sieht man, wenn alle das machen, was der Trainer sagt, dann funktioniert es.“ Außerdem erklärte der 48-Jährige: „Man muss sauber Fußball spielen, das hat nichts mit Taktik zu tun.“ Kovac sieht sich selbst nicht als Teil des Problems – und deswegen kann er wohl auch keine Lösung finden. Der Tenor: Das müssen die Spieler schon selbst machen.

Immerhin die wissen längst, was die Stunde geschlagen hat. Manuel Neuer und Leon Goretzka nahmen im Gegensatz zum Trainer und zu Sportdirektor Hasan Salihamidzic kein Blatt vor den Mund. Der Keeper knallhart: „Das war, vor allem in der ersten Halbzeit, richtig traurig und enttäuschend. Es hat so nicht so ausgesehen, als ob wir weiterkommen wollten.“ Der Kapitän stellte die Charakterfrage, nahm seine Kollegen in die Pflicht. 

„Wichtig ist, dass jeder bei sich selbst anfängt. Wir brauchen jetzt nicht über einzelne Spieler reden, über das Spielsystem, den Trainer oder irgendwen anders. Wir brauchen keine Ausreden suchen – beim Platz, beim Flutlicht, bei Sonne oder Wind.“ Es sei höchste Zeit, dass jeder Profi hinterfrage, ob er stets seine beste Leistung bringt. Neuer: „Der FC Bayern ist nicht ein Spieler, ein Trainer und ein paar Staffmitglieder, sondern eigentlich eine Mannschaft. Wir müssen uns darum kümmern, dass es besser läuft.“

Bayern München: War der Kantersieg in Tottenham nur ein „Ausrutscher“?

Sportlich – das steht außer Frage – mangelt es dem FC Bayern nicht an der Qualität, Aufgaben wie die in Bochum wesentlich souveräner zu lösen. Also liegt der Verdacht nahe, dass nicht alle Akteure mit voller Konzentration oder Überzeugung bei der Sache sind. Der Eindruck, dass die Mannschaft stets gerade genug Gas gibt, um zu gewinnen, hat in Bochum neue Nahrung erhalten. Ein klares Bekenntnis pro Kovac gab’s vom Staraufgebot auf dem Rasen aber schon lange nicht mehr zu sehen. Das 7:2 bei Tottenham Hotspur war da nicht mehr als ein Ausrutscher nach oben. Dazu kommen unglückliche Äußerungen, mit denen der Kroate Teile der Fans zusätzlich gegen sich aufbringt.

Mit Thomas Müller wechselte FC-Bayern-Trainer Niko Kovac in Bochum den Matchwinner ein
Mit Thomas Müller wechselte FC-Bayern-Trainer Niko Kovac in Bochum den Matchwinner ein. © dpa / David Inderlied

Goretzka meinte: „Wir haben in erster Linie unfassbar viele Fehler im Passspiel gemacht. Einen Pass an den Mann zu bringen, liegt eher am Spieler als am Trainer.“ Viel beunruhigender: Der Mittelfeldmann gab unumwunden zu, dass dem FCB der Spaß am Spiel fehle. „Wenn wir so spielen wie heute, haben wir alle keinen Spaß“, sagte Goretzka. „Und man sollte nicht verachten, was das ausmacht.“ Bleibt zu hoffen, dass Kovac, um den es in Bochum auch noch einen Becher-Eklat gab, den Hilferuf seines Teams verstanden hat – wenn es dafür nicht schon zu spät ist. Denn: Das Verhältnis zwischen Spielern und Trainer scheint nachhaltig belastet. Ob sich das noch retten lässt, wird der November zeigen. Da geht es u.a. gegen Frankfurt, Dortmund und Leverkusen. Warnung genug für die Rumpel-Bayern!

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