Interview vor dem Topspiel

Rummenigge vor dem Kracher gegen den BVB: „Wenn Kovac clever gewesen wäre, ...“

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Michael Rummenigge, Ex-Nationalspieler.

Er kennt beide Vereine aus seiner aktiven Karriere: Michael Rummenigge spricht im großen Interview über den Bundesliga-Kracher FC Bayern München gegen Borussia Dortmund. 

  • Der FC Bayern München trifft am Samstagabend auf Borussia Dortmund.
  • Michael Rummenigge, Bruder von Karl-Heinz, spricht im Interview über das Spiel
  • Rummenigge hat auch eine Meinung zu Niko Kovac

München - Der FC Bayern und Dortmund passen in den Fan-Herzen nicht ansatzweise zusammen, trotzdem haben etliche Spieler für beide Klubs gespielt. Einer von ihnen ist Michael Rummenigge (55), der für den FCB und den BVB jeweils über 150 Bundesligapartien absolvierte. Das tz-Interview:

Herr Rummenigge, der BVB hat in den letzten fünf Spielen in München eine Horrorbilanz von 3:22-Toren – und reist trotzdem selbstbewusst zu Bayern.

Rummenigge: Ja, und wissen Sie warum? Weil dieses 3:2 gegen Inter sehr viel Selbstvertrauen gegeben hat. Ehrlich gesagt wollte ich nach dem 0:2 nach Hause gehen, wie viele andere auch. Aber dann ist etwas Unglaubliches passiert. Lucien Favre muss den Jungs erklärt haben: Freunde, wenn wir heute hier verlieren, können wir uns die Champions League abschminken. Das hat gewirkt.

Ist der BVB also zurück in der Spur – oder noch labil?

Wenn man diese zweite Halbzeit mal nimmt, war das ein Schritt zurück in die richtige Spur. Man hat gesehen, was die Mannschaft zu leisten imstande ist, gerade die jungen Spieler wie Hakimi, Brandt und selbst Götze. Ich nenne es mal: Das Dortmund mit den zwei Gesichtern. Ich hätte ihnen diese Leistungssteigerung nicht zugetraut.

Welche Rolle spielt der neue, extrovertierte Lucien Favre?

Eine große. Ich habe ihn noch nie so an der Linie gesehen wie beim Spiel gegen Inter. Er ist fast so viel gelaufen wie Antonio Conte – und der hat acht Kilometer zurückgelegt (lacht). Selbst Joachim Watzke sagt ja, dass ihm das gut steht. Ein Imagewandel ist nicht schlecht. Neue Dinge auszuprobieren, kann helfen.

„Ich glaube, dass es ein Spiel auf Augenhöhe werden könnte“

Auch, um in München zu bestehen?

Auf jeden Fall. Beim 0:5 in der vergangenen Saison wurde viel zu defensiv agiert, der BVB darf sich ruhig etwas zutrauen. Und bei den Münchnern läuft es ja auch nicht so rund, sonst hätte man nicht als erster Verein den Trainer entlassen, zum ersten Mal in der Geschichte. Ich glaube, dass es ein Spiel auf Augenhöhe werden könnte. Eine kleine Wundertüte.

Ist es für die Bayern ein Schicksalsspiel?

Die Saison ist noch lang. Aber bezogen auf die Entlassung von Niko Kovac möchte ich schon sagen: Es war besser, den Schritt zu gehen. Auch wenn man es gegen Piräus noch nicht gesehen hat: Das war eine Befreiung für die Mannschaft. Ein Sieg gegen Dortmund könnte da jetzt viel freisetzen.

Würden Sie gerne in Hansi Flicks Haut stecken?

Der Hansi ist ein ganz feiner Kerl, ich kenne ihn ja noch aus aktiven Zeiten in München. Er hat bei der Nationalmannschaft einen super Job gemacht und macht das auch jetzt. Dass er sich Herrmann Gerland geholt hat, war genau richtig. Die beiden machen das schon. Und wenn es keinen besseren Trainer gibt und sie Erfolg haben, können sie es auch länger machen.

Auch bis zum Sommer?

Natürlich. Nur: Wenn er keine Ergebnisse liefert, wird es schwer.

„Solche Leute brauchst du jetzt“

Er stützt sich auf bewährte Kräfte wie Müller und Martinez.

Wenn Niko Kovac clever gewesen wäre, hätte er Martinez schon früher eingebaut. Und Müller kann jedes Spiel beleben, immer ein Tor schießen. Zudem ist er eine feste Größe beim FC Bayern, solche Leute brauchst du jetzt.

Im Hintergrund läuft die Trainersuche. Ihr Bruder hat da keine leichte Aufgabe, oder?

Alle drei, also Karl-Heinz, Uli Hoeneß und Hasan Salihamidzic auch. Da macht keiner einen Alleingang. Nur sind einfach nicht so viele Trainer auf dem Markt, die infrage kommen.

Arsene Wenger wird es schon mal nicht.

Der ist ja noch älter als Karl-Heinz und Uli (lacht). Da weiß ich nicht, ob das der beste Mann gewesen wäre.

José Mourinho?

Auch nicht so ganz. Ob der zu den Großkopferten beim FC Bayern passt? Auch das ist nicht einfach, sich da der fachlichen Kompetenz der ehemaligen Weltklasse-Spieler zu fügen.

„Erik ten Hag finde ich nicht schlecht“

Wer ist denn Ihr Favorit?

Rummenigge: Erik ten Hag finde ich nicht schlecht, der hat zwei Jahre die zweite Mannschaft trainiert, bei Ajax große Erfolge gefeiert. Aber er kann erst zur neuen Saison. Genau wie Thomas Tuchel. Ich musste aber vor allem wegen Rangnick schmunzeln.

Warum?

Sein Berater sagt öffentlich ab, dabei glaube ich nicht, dass irgendjemand bei Bayern eine Sekunde an Rangnick gedacht hat. Der Professor beim FC Bayern – das soll keine Beleidigung sein, aber: Das passt wirklich nicht.

Wie wichtig wäre Kontinuität auf der Position?

Sehr wichtig. Ich glaube, man trauert deshalb auch immer noch Pep Guardiola hinterher. Das war eine Ära. Er hat jeden Einzelnen besser gemacht. Ihn zu ersetzen, ist bisher nicht gelungen.

Lesen Sie auch: Alle Infos zur Trainersuche des FC Bayern München lesen sie hier.

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