Die Leistungen der FCB-Profis

„Geister-Check“ nach dem 30. Titel für den FC Bayern: Mega-Analyse - sieben FCB-Stars fallen komplett ab

Zwei Titel kann der FC Bayern noch holen - die Bundesliga ist bereits gewonnen. Welcher Münchner hat sich in dieser ungewöhnlichen Corona-Spielzeit Bestnoten verdient? Die „Meister der Geister“ im Check.

  • Die Stars des FC Bayern München schnappen sich den achten Meistertitel in Folge.
  • Wer waren die herausragenden Protagonisten bei der Bundesliga-Aufholjagd?
  • Wegen Corona geht die Saison mit Geisterspielen zu Ende - bei uns gibt‘s die Bewertung.
  • Mehr zu diesem Thema gibt es in unserer App.

München - „Es ist alles kurios“, sagte FC-Bayern-Boss Karl-Heinz Rummenigge nach dem Gewinn des Titels mit einem knappen Auswärtssieg bei Werder Bremen. In der Tat: Diese Saison wird in die Geschichte eingehen, der deutsche Rekordmeister ist „Meister der Geister“. Wer hat sich die in der Corona-Saison meisten verdient? Drei für die Besten, zwei für die Soliden, einen für die Randfiguren im Team von Trainer Hansi Flick:

FC Bayern München: Diese Profis haben sich drei Geister verdient

Manuel Neuer: Ohne den Kapitän wären die Bayern am Dienstag noch nicht Meister geworden, sondern müssten wohl noch bis zum kommenden Samstag warten. Denn hätte der Keeper nicht gegen Yuya Osako in allerletzter Sekunde glänzend pariert, hätte es 1:1 gestanden – und in Bremen wären die Spieler wohl vor der Geisterstunde ins Bett gegangen. Neuer auf diese eine Szene zu reduzieren, wird seinem Anteil am Titel aber nicht gerecht. Gut, er hat sich bisher schon 31 Gegentore gefangen, das ist ungewöhnlich. Schuld aber war er an den wenigsten. Eher jagte er den Gegnern Angst und Schrecken ein. Bis 2023 soll das so bleiben, wenn alles glatt läuft. Auch das ein positiver Nebeneffekt der Corona-Saison.

David Alaba: Seit Jahren will David Alaba versetzt werden. Die Rolle als Linksverteidiger ist ja in Ordnung, der Österreicher aber würde gerne seinen Offensivgeist mehr ausleben. Die gute Nachricht: Alaba wurde in dieser Saison versetzt. Die schlechte für ihn, aber auch für die Gegner des FC Bayern: Er ist jetzt Innenverteidiger bzw.: Abwehrboss. Die nach den Verletzungen von Niklas Süle und Lucas Hernandez aus der Not geborene Umstellung, war ein echter Meister-Kniff von Hansi Flick. Schon Pep Guardiola hat vor fünf Jahren geahnt, was heuer passiert ist: „David kann einer der besten Innenverteidiger der Welt werden.“ Diese Corona-Saison wird dem 27-Jährigen noch lange nachhängen. Denn eine Rück-Versetzung ist nicht in Sicht.

Alphonso Davies: Manchmal haben sich Gegenspieler in dieser Saison gefragt, ob sie einen Geist gesehen haben. Denn Alphonso Davies war ab und an schneller weg, als man gucken konnte. Erst am Dienstag stellte er einen Bundesliga-Geschwindigkeitsrekord auf. Trotzdem hat der 19-Jährigen mehr als nur Schnelligkeit zu bieten. Die Unbekümmertheit, mit der Davies seinen Job als Stellvertreter von David Alaba anging, faszinierte von Beginn an. Damals, als noch vor Fans gespielt werden durfte, erntete der Kanadier regelmäßig Szenenapplaus in der Allianz Arena. Später, als nur noch ein paar hundert Menschen ins Stadion durften, begeisterte er halt die Ersatzspieler. Sein Spitzname „Road Runner“ wurde – in Anlehnung an einen Comic-Vogel – in der Corona-Zeit geboren. Er wird bleiben. Genauso wie Davies ein Dauerbrenner bleiben wird.

Joshua Kimmich: Diese Saison hat sich gezogen, deshalb zur Erinnerung: Es gab im Herbst zahlreiche Partien, in denen Joshua Kimmich als Rechtsverteidiger eingesetzt wurde. Erst Hansi Flick kam auf die Idee, den Nationalspieler dauerhaft im defensiven Mittelfeld spielen zu lassen, dort stellte er regelmäßig Bestmarken auf. Laufleistung, Passquote – Kimmich setzt in dieser Mannschaft voller Stars immer neue Maßstäbe. Dass der 25-Jährige beim vorentscheidenden Meister-Sieg gegen Borussia Dortmund eines seiner besten Spiele machte, passte freilich zu seiner Entwicklung. Kimmich agiert als Chef vom Dienst. Übrigens nicht nur auf dem Feld, sondern auch daneben: Als die Bayern-Bosse seine Kritik im Herbst („laufen dem eigenen Anspruch hinterher“) konterten, er müsse diesen Anspruch auch an sich selbst haben, ließ Kimmich Taten folgen. Ob Bayern München ohne seine mahnenden Worte Geister-Meister wären?

Thomas Müller: War in Bremen auf der Party so weit vorne dabei, dass man beinahe hätte vergessen können, dass er als Reservist unter Flicks Vorgänger Niko Kovac ernsthaft an einen Vereinswechsel gedacht hat. Es war wie verhext! Blühte erst unter dem Weltmeister-Coach wieder zum echten Strafraum-Schreck auf – und wie! 20 Assists sind schon jetzt Spitzenwert, aber zwei Spiele kommen ja noch. Eigentlich ein echter EM-Kandidat für Joachim Löw. Aber auch diese Beziehung ist ja wie verhext.

Serge Gnabry: Der Nationalspieler hat einen besonderen Trick: Er huscht manchmal durch die Katakomben der Allianz Arena – und ist wie von Geisterhand verschwunden, ohne ein Wort gesagt zu haben. Das ist manchmal schade, denn wer gut spielt, ist eigentlich ein gefragter Gesprächspartner. Während der Corona-Krise gab es weniger Interviews, deshalb konnte sich Gnabry komplett auf seine Leistungen auf dem Platz konzentrieren. Die waren konstant gut. Zwölf Treffer und elf Vorlagen sprechen für sich, im Gegensatz zu Müller war Gnabry ein konstanter Meister-Macher. Aus der Geister-Stammelf nicht wegzudenken.

Robert Lewandowski: Der Pole jagt die Geister der Vergangenheit. Allerdings wird ihm die magische 40-Tore-Marke von Gerd Müller auch diesmal nicht gelingen. Lange hat er davon geträumt, aber neun Tore in zwei Partien? Eher unmöglich. 31 Treffer sind es zwei Spieltage vor dem Ende, auch das aber ist ja beachtlich genug. Noch ein Tor mehr – und er ist immerhin der Beste seit Dieter Müller 1977. Der Kölner hatte damals 34 Mal getroffen.

FC Bayern München: Diese Profis haben sich zwei Geister verdient

Joshua Zirkzee: Kam gestern im knallbunten Pullover aus Bremen zurück. Hat aber auch ohne auffällige Klamotte in dieser Saison meist für Aufsehen gesorgt, wenn er gefragt war. Ohne die Tore des Holländers in Freiburg und gegen Wolfsburg wäre der FC Bayern München mit deutlich mehr Rückstand in die Winterpause gegangen. Verliert der 19-Jährige nicht die Bodenhaftung – oder wird von allen guten Geistern verlassen –, kann man sich auf eine Zukunft mit ihm freuen.

Benjamin Pavard: Der Franzose war von den beiden neuverpflichteten Weltmeistern eigentlich derjenige, dem man weniger Spielminuten vorausgesagt hätte. Pavard aber wurde zu einem echten Dauerbrenner auf der rechten Verteidiger-Position. Er konnte dort zwar nicht für ganz so viel Furore suchen wie Davies auf der linken Seite, machte seine Sache aber stets solide. Einen Mr. Zuverlässig braucht jede Mannschaft. Und wenn der dann noch so viel rennt, vier Treffer vorbereitet und fünf Tore schießt, dann passt das doch.

Jerome Boateng: Totgesagte leben länger – das gilt auch außerhalb von gruseligen Corona-Zeiten. Jerome Boateng steht für dieses Stichwort stellvertretend. Eigentlich wollte er schon im Sommer weg, dann aber musste er bleiben – und machte das Beste draus. Neue Ernährung, voller Fokus, dazu einen Trainer, der auf ihn setzt. Wer Boateng in Bremen gesehen hat, kann ihn sich aus dieser Mannschaft im Moment nicht mehr wegdenken. Sein einziges Problem: Dass David Alaba manchmal noch ein bisschen besser ist. Sonst wäre er auch noch Abwehrchef.

Thiago Alcantara: Eine Saison mit Aufs und Abs. Zu Beginn der Spielzeit war der Spanier noch Dreh- und Angelpunkt unter Niko Kovac, nach einem Formtief ließ der Kroate ihn allerdings links liegen. Der Spanier drehte erst wieder unter Hansi Flick auf. In den ersten Spielen nach der Winterpause glänzte er als Vorbereiter, Vollstrecker und kongenialer Nebenmann von Kimmich im zentralen Mittelfeld. Kein Wunder, dass die Münchner ihm bereits ein unterschriftsreifes Vertragsangebot vorgelegt haben. Thiago zögert allerdings noch. Den Grund kennt niemand so wirklich. In guten Zeiten hat Thiago diese Saison gezeigt, dass er auch auf höchstem Niveau ein Spieler ist, der den Unterschied machen kann – wenn sein Körper mitspielt.

Leon Goretzka: Der schlacksige Mittelfeldspieler ist als Muskelpaket aus der Corona-Pause gekommen. Dass er weiß, wie er seinen muskulösen Körper sinnvoll einsetzen kann, hat er seit dem Restart eindrucksvoll bewiesen. Während er in der Rückrunde mit sechs Treffern getrost als unverzichtbar bezeichnet werden kann, spielte der Nationalspieler in der Hinrunde allerdings kaum eine Rolle. Umso bemerkenswerter ist es, dass Goretzka aktuell auf dem besten Weg ist, ein Führungsspieler zu werden. Nicht umsonst vergleicht man ihn mit Michael Ballack.

Kingsley Coman: Das hochsensible Rennpferd, wie Ex-FCB-Coach Jupp Heynckes den französischen Außenstürmer eins nannte, hat nicht seine beste Saison hinter sich. So richtig in Fahrt kam Coman gefühlt nie. Das hatte zum einen (mal wieder) mit seinem Verletzungspech zu tun, und zum anderen mit der Tatsache, dass ihm Flügel-Kollege Serge Gnabry in dieser Spielzeit schlichtweg die Show stahl. Von der Kontinuität eines Arjen Robben oder Franck Ribéry ist er weit entfernt.

Ivan Perisic:

Der Flügel-Ersatzmann tat das, was von ihm erwartet wurde: Perisic war zur Stelle, wenn es darauf ankam. Wann immer der Kroate in der Startelf stand oder eingewechselt wurde, strahlte er eine permanente Torgefahr aus. Allerdings hatte er auch großes Verletzungspech, als er sich Anfang des Jahres eine Fraktur im Außenknöchel zuzog. Trainer Hansi Flick ist mit dem Einsatz und der Leistung von Perisic trotzdem zufrieden, könnte sich eine feste Verpflichtung vorstellen.

FC Bayern München: Diese Profis haben einen Geist verdient

Sven Ulreich: Hat sich wohl am meisten darüber gefreut, als die Ersatzspieler nicht mehr dazu verpflichtet waren, Maske zu tragen. Denn Sven Ulreich ist der Ersatzspieler der Saison. Vor Corona, während Corona: Ulreich stand in dieser Bundesliga-Spielzeit tatsächlich gar nicht auf dem Platz. Hat sich beim 1:5 in Frankfurt – dem Schicksalsspiel von Niko Kovac – immerhin so echauffiert, dass er in die Statistik eingeht: Er sah Gelb auf der Bank.

Niklas Süle: Das Wort „Corona-Gewinner“ will man beim FC Bayern nicht hören. Wenn man es aber aussprechen dürfte, könnte man es in Bezug auf Niklas Süle verwenden. Denn der eigentliche Abwehrchef war in der Tat froh darüber, dass die Saison unterbrochen und die EM verschoben wurde. So klappt es zwar womöglich trotzdem nicht mit dem neunten Saisoneinsatz – acht davon fanden vor seinem Kreuzbandriss statt. Dass sein Anteil an dieser Meisterschaft gering ist, kann der 24-Jährige aber verschmerzen. Dafür freut er sich auf alles, was kommt: Die Champions League, die kommende Spielzeit, die EM.

Alvaro Odriozola: Selten war ein Transfer von so vielen politischen Schwingungen begleitet wie jener des Spaniers im Winter. Hansi Flick wollte einen Außenverteidiger, Hasan Salihamidzic eher nicht – es kam der Leihspieler von Real Madrid als Kompromiss. Eine Rolle spielte der 24-Jährige wie erwartet nicht. Als er beim 5:0 gegen Düsseldorf zuletzt eingewechselt werden sollte, war es so perplex, dass es einige Geister-Minuten dauerte, ehe er sein Trikot anhatte. Hansi Flick machte ihm Dampf. Vielleicht kriegt er noch Abschieds-Spielzeit.

Philippe Coutinho: Die Geister, die im Hintergrund mitschwangen, tragen die Namen Leroy Sané und Kai Havertz. Ob man für ein Trio mehr als 300 Millionen Euro ausgeben könne, wurde stets gefragt. Kann man generell schwer, in Zeiten einer Krise aber noch schwerer. Das Kapitel Coutinho wird daher bald enden, bevor es richtig angefangen hat. Ein paar geniale Momente – zum Beispiel beim Hinspiel gegen Bremen –, das war’s. Wurde immer wieder von Verletzungen zurückgeworfen, wenn er an der Stammelf kratzte.

Corentin Tolisso: Eine wechselvolle Saison – mit dem Fazit: Eher verkorkst. Der Weltmeister kam nie an Kimmich, Goretzka und Thiago vorbei und war daher auch nie mehr als eine gute Alternative. Ein Geisterspiel hat er verletzungsbedingt nicht absolviert – Glück oder Pech? Eher zweiteres, denn im Krankenstand ist es schwer, die Bosse zu überzeugen, dass er in dieser Mannschaft noch ein Mehrwert sein kann.

Der angeschlagene Tross des FC Bayern bei der Flughafen-Ankunft am Tag nach dem Titelgewinn in Bremen.

Michael Cuisance: Dass seine Mitspieler ihn „Mika“ rufen, konnte man im Geister-Stadion besonders gut hören. Sie taten es aber auch besonders oft, weil der Ex-Gladbacher halt noch einige Anweisungen braucht. Gegen Gladbach stand der 20-Jährige zuletzt erstmals in der Startelf, das ist sein langfristiges Ziel. Für richtig viel Spuk hat er heuer noch nicht gesorgt.

Lucas Hernandez: Wer 80 Millionen Euro gekostet hat, steht unter besonderer Beobachtung. Dabei hätte Lucas Hernandez in dieser von Verletzungen durchsetzten Saison eigentlich nur Ruhe und Vertrauen gebraucht. Beides gab es selten. Nahm das Problem – wohin mit ihm? – mit in und aus der Corona-Unterbrechung. Blöd: Die Abwehr von Bayern München funktioniert auch ohne ihn bestens. Immerhin Geister-Meister ist er, ansonsten war das Premieren-Jahr in München mau.

Javi Martinez: Der Spanier weiß aus Erfahrung, dass man auch unter Beobachtung steht, wenn man „nur“ 40 Millionen Euro gekostet hat. Er weiß aber auch, dass er heute, mit 31 Jahren, nicht mehr so viel wert wäre. War nach einem kurzen Intermezzo als Innenverteidiger im Spätherbst abgemeldet, und ein zweiter Frühling wie bei Boateng ist bei ihm nicht in Sicht. Ist zum achten Mal Meister, hat aber nie zuvor so wenig dazu beitragen dürfen.

Quelle: tz

Rubriklistenbild: © Tim Groothuis / Witters/POOL via / Tim Groothuis / Witters

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