Seitenhieb aus München

Vor Bundesliga-Kracher: Bayern-Vize teilt gegen BVB aus - „Muss mir verwundert die Augen reiben“

Vorstand und Präsidium des FC Bayern: Jan-Christian Dreesen, Oliver Kahn, Herbert Hainer, Prof. Dr. Dieter Mayer und Walter Mennekes (v.li.).
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Vorstand und Präsidium des FC Bayern: Jan-Christian Dreesen, Oliver Kahn, Herbert Hainer, Prof. Dr. Dieter Mayer und Walter Mennekes (v.li.).

Einer der Vize-Präsidenten des FC Bayern stichelt mit einem Corona-Vergleich gegen Borussia Dortmund. Hintergrund ist ein Streitpunkt in München, der nicht gelöst ist.

München - Er rumort an der Säbener Straße in München. Gewaltig. Und das ausgerechnet vor dem Bundesliga-Topspiel des FC Bayern bei Borussia Dortmund an diesem Samstag (18.30 Uhr, bei tz.de im Live-Ticker).

Die Jahreshauptversammlung des deutschen Rekordmeisters endete am 25. November in Chaos und Tumulten der Ultras. Dazu der Corona-Wirbel um den ungeimpften Nationalspieler Joshua Kimmich. Nun verpasste auch noch Robert Lewandowski den Ballon d‘Or, wenn auch viele Beobachter nicht wissen, warum.

Borussia Dortmund gegen den FC Bayern: Viel Wirbel beim deutschen Rekordmeister

Was dabei unterging: Wie die Bayern zwischenzeitlich recht unvermittelt gegen den BVB austeilten. Und zwar in Person von Prof. Dr. Dieter Mayer, dem 1. Vize-Präsidenten des Bundesliga-Giganten. Und zwar auf eben jener JHV 2021. Der Reihe nach: Zuerst hatte Jan-Christian Dreesen über die wirtschaftlich schwierige Ausgangslage in der Coronavirus-Pandemie referiert. Zur Einordnung: Dreesen ist der Vorstand Finanzen des deutschen Rekordmeisters.

Er hatte teils ernüchternde, wenn auch nach wie vor schwarze Zahlen mitgebracht. „Unser Ergebnis ist im Vergleich zum Jahr 2018/19 um 90 Millionen geschrumpft“, erzählte der frühere Banker. Ein Vergleich: Im Geschäftsjahr 2018/19 lag der Jahresüberschuss der FC Bayern AG nach Steuern laut Dreesen bei 52,5 Millionen Euro, in der Saison 2017/18 bei 29,5 Millionen Euro und im Spieljahr 2016/17 bei 39,2 Millionen Euro. Aber: Aus der Saison 2020/21 blieb wegen Corona letztlich nur ein vergleichsweise mickriger Gewinn von gerade mal 1,9 Millionen Euro übrig.

FC Bayern München vor Dortmund-Spiel: Nur noch mickriger Gewinn in Saison 2020/21

FC Bayern München Konzern
Bericht bei JHV 2021Saison 2019/20Saison 2020/21
Umsatz698,0 Millionen Euro643,9 Millionen Euro
Operatives Ergebnis104,5 Millionen Euro98,4 Millionen Euro
Konzerngewinn vor Steuern17,0 Millionen Euro5,0 Millionen Euro
Jahresüberschuss (Gewinn)9,8 Millionen Euro1,9 Millionen Euro

Zahlen über Zahlen: Laut Dreesen erzielte der FC Bayern in der Saison 2020/21 immerhin bei den Einnahmen durch Sponsoring und Vermarktung einen neuen Höchstwert von 206,7 Millionen Euro - trotz der Coronavirus-Pandemie. Dieser Posten hätte 35 Prozent „unseres Gesamtumsatzes ausgemacht. Das hat uns sehr, sehr gutgetan“.

Doch: Gleichzeitig gingen laut dem stellvertretenden Vorstandsvorsitzenden 96 Millionen Euro einzig beim Ticketing verloren. Und das bei Personalkosten von 348,9 Millionen Euro - in einer Saison. Auf dem „Festgeldkonto“ lagen demnach zwar noch 209 Millionen Euro. Das Umlaufvermögen, zum Beispiel Bankguthaben, sank aber im Vergleich zum Vorjahr um 26,9 Millionen Euro.

BVB gegen FC Bayern: Corona-Pandemie trifft die Münchner wirtschaftlich hart

FC Bayern München Konzern
Bericht bei JHV 2021Saison 2019/20Saison 2020/21
Eigenkapital inkl. Kapitalrücklage492,2 Millionen Euro491,1 Millionen Euro
Umlaufvermögen235,9 Millionen Euro209,0 Millionen Euro

Seine Prognose: Die Corona-Krise wird dem Bundesliga-Rekordmeister auch in der laufenden Spielzeit wirtschaftlich erheblich zusetzen. Hitzig wurde es später nicht nur wegen des sogenannten Katar-Antrags, sondern auch, weil die anwesenden Ultras in einem weiteren Spontanantrag forderten, dass sich der Verein dazu verpflichtet, 75 statt 70 Prozent der Anteile an der AG einzubehalten. Aktuell sind 25 Prozent der Anteile in den Händen großer Investoren (Audi, Telekom, Adidas).

Präsident Herbert Hainer warb: „Wir haben noch fünf Prozent über. Ich möchte Sie wirklich bitten, diese fünf Prozent dem Vorstand der AG als Masse zu lassen, für die Zeiten, die kommen.“ Vorstandsboss Oliver Kahn warnte: „Man hat gesehen, wie schnell auch ein FC Bayern in eine Schieflage kommen kann.“

Im Video: Impf-Chaos und Katar-Streit - Der FC Bayern vor dem Klassiker in Dortmund

Der 1. Vize-Präsident Prof. Dr. Dieter Mayer wählte dagegen einen Vergleich zum BVB. „Wir werden nicht an die Börse gehen wie zum Beispiel Borussia Dortmund, das in der Corona-Krise durch eine Kapitalerhöhung 87 Millionen Euro geholt hat“, sagte der Jurist und meinte: „Wenn ich lese, dass BVB-Boss Hans-Joachim Watzke in einem Interview sagt, dass für ihn die 50+1-Regel nicht verhandelbar sei, muss ich mir schon verwundert die Augen reiben. Borussia Dortmund hält nur 5,53 Prozent seiner Aktien.“

Zur Erklärung: Verschiedenen Berichten zufolge befinden sich 69,86 Prozent bis 72,27 Prozent der Anteile an der Borussia Dortmund GmbH & Co. KGaA in Streubesitz. Die Anteile des Stammvereins liegen demnach bei 4,61 bis 5,53 Prozent.

1. Vize-Präsident des FC Bayern: Prof. Dr. Dieter Mayer.

Am 31. Oktober 2000 waren die damals schwer verschuldeten Westfalen an die Börse gegangen. Aber, warum greift die 50+1-Regel nicht, wonach die Mehrheit der Anteile an einem Fußball-Klub beim Mutterverein bleiben muss?

Ich muss mir verwundert die Augen reiben.

FCB-Vize Prof. Dr. Dieter Mayer über den BVB

Wie die WirtschaftsWoche schreibt, ist die Borussia Dortmund GmbH als Komplementär die Stellvertreterin des Muttervereins in der Kapitalgesellschaft. Sie besitze daher die mehrheitlichen Stimmrechte, wird erklärt, gleichzeitig aber nicht die größten Anteile an der Kapitalgesellschaft. Aber: Der Verein steuert über die GmbH, deren Boss Watzke ist, und die mehrheitlichen Stimmrechte alles, wird in dem Bericht weiter erklärt. Der Verein behalte damit, im Rahmen der 50+1-Regel, die Kontrolle. In München erreichte der Antrag nicht die notwendige Dreiviertelmehrheit. Der Seitenhieb dürfte in Dortmund dennoch angekommen sein. (pm)

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