Fundament seiner Weltkarriere

Welches Amateur-Spiel Schweinsteiger zum Profi machte - und was Gerland dem Nachwuchs rät

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Hermann Gerland und Bastian Schweinsteiger nach dem Triumph in der Champions League 2013.

Der Sprung aus der eigenen Jugend zu den Profis: eine Aufgabe, die schwer genug ist. Zur Herkulesarbeit wird sie dann, wenn man für die Bayern-Junioren aufläuft. Bastian Schweinsteiger hat es geschafft, entscheidend auf dem Weg waren ein Spiel in Regensburg, Hermann Gerland und mentale Stärke.

München - Weltmeister als Held von Rio 2014, die magische Nacht in Wembley 2013 - gekrönt mit dem Champions League-Sieg -, achtmal Deutscher Meister, siebenfacher DFB-Pokalsieger: nur ein Auszug aus der Liste der Erfolge des Bastian Schweinsteiger. 

„Ich will ein gutes Jugendspiel von dir sehen“

Das Fundament dieser Karriere legte der Bayer in den Nachwuchsmannschaften des FCB. In der B-Jugend holte Schweinsteiger (3:0-Erfolg im Finale gegen Dortmund) ebenso die Deutsche Meisterschaft wie mit den A-Junioren. Der große Förderer von Bastian Schweinsteiger war von Beginn an Hermann Gerland. "Ich habe immer gesagt: Basti ich will ein gutes Jugendspiel sehen, dann bist du sofort bei mir", erzählte Gerland gegenüber RTL im Rahmen des Abschiedsspiels seines ehemaligen Schützlings.

Gerland trainierte zu der Zeit die Amateure des FC Bayern, mit "bei mir" ist ein Vertrag bei den Profis gemeint. "Aber es hat gedauert, bis ungefähr fünf oder sechs Spieltage vor Ende der Serie. Da haben wir in Regensburg gespielt und Basti war überragend. Eine Viertelstunde nach der Pause kommt er dann auf einmal angerannt und macht Anzeichen, dass er ausgewechselt werden möchte. Ich wusste gar nicht, was ich sagen soll. Dann habe ich gesagt: Du bist wohl verrückt Junge, du bist siebzehn oder achtzehn Jahre. Du musst doch 90 Minuten Fußball spielen können", führt der "Tiger" weiter aus.

„Uli, der Junge ist so weit“

Das besagte Spiel gegen den SSV Jahn Regensburg fand am 8. Mai 2002 vor 3.750 Zuschauern im Jahnstadtion statt. Bei den Amateuren des FCB spielten Namen wie Lahm, Misimovic, Rensing oder Routinier Hansi Pflügler. Und in der Tat, in der 61. Minute kam Christian Lell für Schweinsteiger in die Partie. Trotz der Auswechslung legte diese Partie, die der FCB mit 3:0 gewann, den Grundstein für die Profikarriere des Oberaudorfers: „Da hat er so gut gespielt, dass ich folgenden Montag zum Uli gegangen bin und meinte: Der Junge ist so weit. Der kann einen Lizensspielervertrag unterschreiben."

Das Debüt bei den Profis erfolgte am 13. November 2002 in der Champions League gegen den RC Lens. Eingewechselt für Mehmet Scholl sammelte das Talent die ersten vierzehn Minuten im Olympiastadion vor 22.000 Zuschauern. 22.000 Fans bei einem Bayern-Spiel, zur Zeiten der stets ausverkauften Allianz Arena kaum noch vorstellbar. Die erste Bundesliga-Luft schnupperte Schweinsteiger einen Monat später in Stuttgart. Dieses Mal waren es acht Minuten Einsatzzeit, eingewechselt für den heutigen FCB-Cheftrainer Niko Kovac.

„Er hat auch trotz Schmerzen gespielt“

Es folgten im Rahmen einer Bilderbuch-Karriere weitere 498 Einsätze für den deutschen Rekordmeister, garniert mit zahlreichen Titeln, aber auch Rückschlägen. Der bitterste Moment war sicher das verlorene Champions-League Finale im eigenen Wohnzimmer 2012. Das Geräusch des Balles, wie er an den rechten Pfosten knallt, wird wohl kein Bayern-Fan je vergessen. Hermann Gerland bilanziert: "Er hat eine Karriere gestartet, da kann sich jeder ein Beispiel dran nehmen. Wir haben jetzt auch erstklassige Spieler hier im Nachwuchsbereich. Wirklich erstklassige Spieler, die zum Teil auch mit größerem Talent ausgestattet sind, als der Basti es hatte. Aber der Basti hat es angepackt, mit einer unvorstellbaren Leistungsbereitschaft. Mit einer Härte, auch gegen sich selbst. Er hat auch trotz Schmerzen gespielt."

Oliver Batista Meier ist beispielsweise ein Talent in den Reihen des FC Bayern, dem man den Sprung zu den Profis zutraut. Im Spiel gegen den 1. FC Kaiserslautern lief Batista Meier mit blondierten Haaren auf. Gerland erzählt gerne die Anekdote, als er Schweinsteiger mit schwarz gefärbten Haaren erblickte: „Ich lasse dich so lange laufen, bis sie wieder blond sind, habe ich zu ihm gesagt.“ Die zahlreichen Talente des FC Bayern wünschen sich sicherlich die Karriere eines Bastian Schweinsteigers. Die Chancen dazu stehen mit Niko Kovac als Cheftrainer so gut wie nie. 

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