Frappierende Unterschiede bei Gehältern, Ablöse und TV-Geldern

Männerfußball vs. Frauenfußball: Ein Sport – zwei Welten

Wer behält hier noch den Überblick? Die Bayern-Frauen um Amanda Ilestedt (Nr. 14) gewannen das Halbfinal-Hinspiel gegen Chelsea mit 2:1.
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Wer behält hier noch den Überblick? Die Bayern-Frauen um Amanda Ilestedt (Nr. 14) gewannen das Halbfinal-Hinspiel gegen Chelsea mit 2:1.

Vor dem Halbfinal-Rückspiel der Champions League der Frauen zwischen dem FC Bayern München und dem FC Chelsea wurde der Sport zwischen Frauen und Männern verglichen.

München– Rot oder blau? FC Bayern oder FC Chelsea? Am Sonntag (13.30 Uhr, Sport1) geht’s im Londoner Kingsmeadow Stadium um den Einzug ins Champions-League-Finale. Die Münchner Frauen reisen mit einem 2:1-Hinspielsieg auf die Insel, wollen dort die erste Endspiel-Teilnahme der Clubhistorie perfekt machen. Der Traum vom Königsklassen-Titel eint Frauen und Männer im Fußballbusiness, ansonsten aber bestehen riesige Unterschiede zwischen den Geschlechtern. Ein Sport, zwei Welten. Der Vergleich.

Marktwerte, Gehälter und Transfers: Am deutlichsten werden die Unterschiede mit Blick auf die Kaderwerte. Die Männer des FCB sind rund 840 Millionen Euro wert, die Londoner Kollegen 780 Millionen. Wertvollste Spieler sind laut transfermarkt.de Joshua Kimmich (90 Mio.) und Kai Havertz (70 Mio.). Die Münchner Frauen kommen auf einen Mannschaftsmarktwert von 1,85 Millionen, die Blues auf 1,95 Millionen. Wertvollste Spielerinnen sind Sydney Lohmann (180 000 Euro) und Pernille Harder (350 000). Letztere ist Chelseas Superstar, die Dänin wechselte im Sommer für die Rekord-Ablösesumme von schätzungsweise 350 000 Euro vom VfL Wolfsburg nach London. Im Frauenfußball nehmen Transferausgaben zwar zu, üblich sind aber bisher noch ablösefreie Wechsel nach Vertragsende. Der FCB machte bei Carolin Simon eine Ausnahme, zahlte 50 000 Euro an Olympique Lyon.

Spielerinnen der Frauen-Bundesliga verdienen in der Spitze 150.000 Euro im Jahr

Im Männerbereich schenken sich die Clubs nichts: Bayern zahlte 80 Millionen für Lucas Hernandez, Chelsea die gleiche Summe für Havertz und Torhüter Kepa. Ähnlich frappierend sind die Unterschiede beim Gehalt: Robert Lewandowski soll als Münchner Topverdiener 22 Millionen brutto kassieren. Timo Werner kassiert in London laut Medienberichten 15,5 Millionen pro Jahr. Chelsea-Kollegin Harder soll auf 345 000 Euro kommen, in der Bundesliga wird in der Spitze über Jahresgehälter um die 150 000 Euro gesprochen.

TV-Gelder und Prämien: Bei den genannten Unterschieden versteht sich, dass die Einnahmen im Frauen- und Männerbereich in völlig unterschiedlichen Sphären liegen. Bisher garantiert der DFB allen zwölf Clubs der Frauen-Bundesliga 300 000 Euro aus der Zentralvermarktung der TV-Rechte. Die Münchner Männer kassieren heuer rund 105 Millionen. Chelseas Herren streichen circa 208 Millionen ein, die Frauen in Liga eins dürften künftig – die Rechte wurden jüngst an BBC und Sky verkauft – mit mindestens 1,5 Millionen an TV-Erlösen kalkulieren. Besonders krass sind die Differenzen zudem beim Blick auf die Champions-League-Prämien. Die Männer des FCB nehmen trotz des Ausscheidens im Viertelfinale mindestens 86 Millionen an Prämien von der UEFA ein. Chelsea ist noch im Rennen ums Finalticket, kommt bis dato auf 82 Millionen. Insgesamt schüttet der europäische Verband über eine Milliarde aus.

TV-Gelder und Prämien variieren zwischen dem Frauen- und Männerfußball gewaltig

Und an die Frauen? Bislang kassieren die Clubs fürs Erreichen des Achtelfinals gut 80 000 Euro, für jede weitere Runde gibt’s etwas mehr. Die UEFA hat aber bereits mitgeteilt, dass es ab der kommenden Saison mehr Kohle gibt: 400 000 Euro fürs Erreichen der neuen Gruppenphase, bis zu 1,4 Millionen für den Titel. Insgesamt gehen 24 Millionen an CL-Teilnehmer und nationale Ligen. Bayern-Coach Jens Scheuer erklärt: „Ich finde es schön, dass der Frauenfußball in den Genuss kommt, ein kleines Stückchen vom üppigen Kuchen der UEFA abzubekommen.“ Am Sonntag zählt – zum Glück – nur der Sport.

(Jonas Austermann)

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