Trainer-Beben beim FC Bayern

Die Gründe für Hansi Flicks Abgang - und was ihn noch zum Umdenken bringen könnte

Die Entscheidung von Hansi Flick, seinen Vertrag im Sommer beim FC Bayern auflösen zu wollen, kam nicht völlig überraschend. Doch Flicks Abgang wäre zu verhindern gewesen.

München - Es hatte sich ja schon irgendwie angedeutet. Bereits am Dienstag hatte ein Post-Match-Interview von Hansi Flick* bei Sky für viel Aufsehen gesorgt. Sein Monolog nach dem bitteren Aus des FC Bayern* im Viertelfinale der Champions League gegen Paris Saint-Germain war für nicht Wenige Flicks Abschiedsrede.

Und so war es wohl auch. Bereits am Donnerstag soll das von Oliver Kahn angekündigte Gespräch über Flicks Zukunftspläne stattgefunden haben. Da soll der Trainer dem designierten Vorstandsvorsitzenden des Rekordmeisters nochmals mitgeteilt haben, was er den FCB-Bossen bereits in Paris gesagt habe: Er möchte seinen bis 2023 laufenden Vertrag im Sommer gerne auflösen. Auch FCB-Boss Karl-Heinz Rummenigge, Flicks engster Vertrauter im Verein, konnte ihn am Donnerstag nicht mehr überzeugen.

Hasan Salihamidzic war laut Sport1 nicht anwesend. Warum auch? Der Sportvorstand und das Team Brazzo sind der Grund, warum der 56-Jährige für sich keine Zukunft mehr an der Säbener Straße sieht. Darüber hinaus wird auch gemunkelt, dass Flick enttäuscht gewesen sein soll, dass lediglich Rummenigge um seinen Verbleib gekämpft haben soll. Kahn habe auf Flicks Entscheidung reserviert reagiert. Am Samstag ließ der Coach die wenig überraschende Bombe dann öffentlich platzen*.

FC Bayern: Flick-Aus nur wegen Brazzo?! Die Gründe für den Abgang

Nun hat der FC Bayern wieder das Problem, dass man einen neuen Coach benötigt. Seit dem Aus von Carlo Ancelotti im Jahr 2017 wechselten die Münchner fast jährlich den Trainer. Mit Flick hoffte man eine neue Ära prägen zu können. Eine Ära, die mit dem Gewinn von sechs Titeln in der vergangenen Saison so unfassbar verheißungsvoll begonnen hatte und die jetzt im Sommer wieder enden wird.

Die Wahrscheinlichkeit, dass Flick noch einmal umgestimmt wird, ist eigentlich nicht vorhanden. Zwar muss der FCB-Aufsichtsrat dem Flick-Wunsch auf die Vertragsauflösung erst noch zustimmen, doch warum sollte der Verein einen Trainer mit aller Macht bei sich behalten, wenn dieser keine Lust mehr hat? Der FC Bayern hat Flick vergrault!

Hansi Flick: Wird er nun neuer Bundestrainer? Zukunft des FCB-Trainers ab Sommer noch offen

Vermutlich die einzige Möglichkeit, dass Flick in der kommenden Spielzeit noch auf der Trainerbank des FC Bayern sitzt, ist, dass man sich von Sportvorstand Salihamidzic trennt. Allerdings stand dies in den vergangenen Wochen und Monaten überhaupt nicht zur Diskussion, obwohl die Diskrepanzen zwischen Brazzo und Flick offensichtlich waren. Flick fühlte sich bei den Bayern nicht erst seit gestern nicht ausreichend wertgeschätzt.

Führt Flicks Weg nun sicher zum DFB? Dass sich im Februar die Option des Bundestrainers auftat, kam für Flick womöglich gar nicht ungelegen. Denn dass der FCB-Coach eine enge Verbindung zum DFB hat, war auch den Bayern-Bossen bekannt. Es wäre an Flicks Stelle auch fast heuchlerisch gewesen, hätte er sich mit der Nachfolge von Joachim Löw nicht beschäftigt.

Dass dem definitiv so sein wird, das verneinte Flick am Samstagnachmittag noch. Seine Zukunft sei „überhaupt nicht“ klar. „Das ist alles unabhängig vom DFB, ich habe das einfach für mich entschieden“, sagte er der ARD-Sportschau. Aber: „Der DFB ist eine Option, die jeder erwägen muss.“

FC Bayern hat er verpasst Hansi Flick mit einem klaren Statement zu halten

Das weiß man auch an der Isar. Der FC Bayern hat es verpasst, in den vergangenen Wochen ein klares Statement zu setzen. Es war klar, dass es mit Flick und Salihamidzic nicht gemeinsam weitergehen wird. Doch anstatt zu handeln, schaute man im Verein beim Kleinkrieg zwischen dem Trainer und dem Sportdirektor lediglich zu.

Die FCB-Bosse wurde angeblich von Flicks Vorstoß, seinen Abschiedswunsch öffentlich zu machen, nach dem Wolfsburg-Spiel kalt erwischt*. Uli Hoeneß soll sich laut Sky völlig überrascht gezeigt haben. Beim Zeitpunkt kann man sich tatsächlich überrumpelt vorkommen. Allerdings nicht mit der Tatsache.

Denn die Gemengelage beim FC Bayern war seit Wochen klar, auch die Tendenzen von Flick. Allerdings unternahm man an der Säbener Straße einfach zu wenig, um seinen Triple-Coach auch wirklich halten zu können.

Und das ist dann ein Statement. (smk) *tz.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

Rubriklistenbild: © Imago-Images/Sven Simon

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