Trainer bittet um Vertragsauflösung

Flick-Alleingang nach Wolfsburg-Spiel: Eigentlich sollte das Bayern-Beben ganz anders ablaufen

Hansi Flick und der FC Bayern werden getrennte Wege gehen. Dabei gab es eigentlich einen anderen Plan für seine brisante Ankündigung.

Er hat es getan: Hansi Flick* hat die Vereinsverantwortlichen des FC Bayern* im Laufe der vergangenen Woche darum gebeten, seinen bis 2023 gültigen Arbeitsvertrag als Cheftrainer des FC Bayern vorzeitig aufzulösen. Das verriet Flick nach dem 3:2 (3:1)-Sieg seiner Mannschaft in Wolfsburg* am Sky-Mikrofon, nachdem er seine Spieler in der Kabine darüber informiert hatte: „Ich wollte es heute einfach der Mannschaft nach dem Spiel sagen, weil ich wusste, wie schwierig und wichtig es ist, dass ich dem Verein das gesagt habe.“ Flick sei es wichtig gewesen, dass die Mannschaft es von ihm erfahre, „weil es das eine oder andere an Flurfunk schon gibt“.

FC Bayern: Öffentlichkeit sollte erst nach dem Spiel in Mainz informiert werden

Problem: Mit seinen Vorgesetzten hatte Flick eine andere Vorgehensweise vereinbart. Die Öffentlichkeit sollte erst nach dem Spiel in Mainz am kommenden Samstag darüber informiert werden, dass Flick um vorzeitige Vertragsauflösung gebeten hat. Dementsprechend überrascht und verärgert waren die Bayern-Bosse um Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge und Präsident Herbert Hainer, als ihr Trainer plötzlich live im Fernsehen von seinem Wunsch berichtete. Sie waren zu diesem Zeitpunkt bereits auf dem Heimweg nach München und beriefen für Sonntag eine Vorstandssitzung ein.

Flick verkündet, dass er um Vertragsauflösung gebeten hat.

Eine gute halbe Stunde, nachdem diese gestern gegen 13.30 Uhr beendet war, wurde eine offizielle Presseerklärung zu den Vorgängen versendet. Wie maßlos der Verein über den Alleingang seines Trainers verärgert ist, beweist der scharfe Ton im letzten Absatz der neun Zeilen langen Erklärung: „Der FC Bayern missbilligt die nun erfolgte einseitige Kommunikation durch Hansi Flick und wird die Gespräche wie vereinbart nach dem Spiel in Mainz fortsetzen.“

FC Bayern: Theoretisch könnte die Vorstandschaft Flicks Wunsch ablehnen

Heißt: Eine endgültige Entscheidung über Flicks Zukunft wird die Vorstandschaft in enger Absprache mit dem Präsidium erst nach dem Mainz-Spiel treffen. Theoretisch könnte das Gremium den Trainer-Wunsch ablehnen. Flick betonte, dass er diese Entscheidung unabhängig vom potenziellen Job als Bundestrainer getroffen hat. „Die Zukunft ist überhaupt nicht klar und es gab noch kein Gespräch mit Oliver Bierhoff“, berichtet Flick und sagt: „Natürlich ist der DFB eine Option, bei der jeder Trainer überlegen muss, aber für mich ist erst mal wichtig, dass ich erst mal alles verdauen muss, denn die letzten Wochen waren für mich auch nicht ganz einfach.“

Vorstandsboss Rummenigge (zweiter von links) ahnte in Wolfsburg nichts von Flicks Alleingang.

Auch für die Spieler ist das anstehende Bayern-Ende von Flick nicht leicht zu verarbeiten, wie Kapitän Manuel Neuer* erklärte: „Das war eine emotionale Geschichte für uns alle. Das müssen wir als Mannschaft erst einmal verarbeiten.“ Thomas Müller* ergänzte: „Er hat sehr viel Energie gelassen in den intensiven vergangenen eineinhalb Jahren. Als Trainer beim FC Bayern braucht man grundsätzlich ein dickes Fell.“

Nicht nur die unzähligen Auseinandersetzungen mit Sportvorstand Hasan Salihamidzic* hinsichtlich der Kaderplanung haben zu Flicks Wunsch nach einer vorzeitigen Vertragsauflösung geführt. Der Triple-Trainer vermisste ein klares Bekenntnis der restlichen Klub-Führung zu sich und seiner Arbeit. So soll Flick auch die reservierte Haltung von Kahn in seiner Funktion als designierter Vorstandvorsitzender sauer aufgestoßen sein. Lediglich Vorstandsboss Rummenigge war bemüht, öffentlich für Flick zu werben. Doch nach dessen Alleingang in Wolfsburg dürfte auch dieses Tischtuch zerschnitten sein. Manuel Bonke, Jonas Austermann

*tz.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

Rubriklistenbild: © imago

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

FC Bayern plant Stadion-Revolution - Fußball-Nostalgiker ärgern sich
FC Bayern plant Stadion-Revolution - Fußball-Nostalgiker ärgern sich
Julian Nagelsmann: Technik-Revolution beim FC Bayern? In Leipzig hat er gigantische Hilfsmittel
Julian Nagelsmann: Technik-Revolution beim FC Bayern? In Leipzig hat er gigantische Hilfsmittel
Video: FC Bayern II bleibt auf Abstiegsplatz - Arp rettet einen Punkt
Video: FC Bayern II bleibt auf Abstiegsplatz - Arp rettet einen Punkt
Geheime Abschuss-Liste des FC Bayern? Sieben Stars könnten unter Nagelsmann noch gehen
Geheime Abschuss-Liste des FC Bayern? Sieben Stars könnten unter Nagelsmann noch gehen

Kommentare