Herbert Hainer im Interview

FC-Bayern-Boss verteidigt Profisport während Corona und verrät unfassbare Geschichte: „Ich habe Kobe Bryant verklagt“

Treffen an der Säbener Straße: Herbert Hainer vom FC Bayern im Gespräch mit der tz
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Treffen an der Säbener Straße: Herbert Hainer vom FC Bayern im Gespräch mit der tz.

FC-Bayern-Chef Herbert Hainer erklärt, warum dem Fußball eine Sonderrolle in Corona-Zeiten zusteht und ob Uli Hoeneß ihn von seinem Herzensprojekt Basketball erst überzeugen musste.

  • Ende 2019 trat Herbert Hainer die Nachfolge von Uli Hoeneß an und wurde Präsident des FC Bayern München.
  • Musste der Vorgänger ihn erst vom Herzensprojekt Basketball überzeugen? Der FCB-Boss klärt auf.
  • Außerdem verrät er im Interview die hohen Ziele der Korbjäger und die Trumpfkarte Nachwuchs.
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München - Vor gut einem Jahr trat Herbert Hainer (66) das Erbe von Uli Hoeneß als Chef des FC Bayern München an. Sportlich erlebt der Klub eine neue Blüte. Im Fußball wie derzeit auch im Basketball – das tz-Interview.

Herr Hainer, ist der Profisport während einer Pandemie vertretbar?
Herbert Hainer: Das finde ich durchaus, denn meiner Meinung nach ist Sport Teil der Lösung und nicht Teil des Problems. Der Profisport hat in den letzten sechs Monaten mit all seinen Hygienekonzepten bewiesen, dass er mit dieser speziellen Situation sehr verantwortungsvoll umgeht. Es ist deshalb richtig, dass man ihn weiter zulässt, denn Profisport hat auch eine gesellschaftliche Verantwortung. Er kann für Abwechslung sorgen, sodass die Menschen nicht ständig nur Corona im Kopf haben.
Von Uli Hoeneß haben Sie nicht nur das Erbe der Fußballer angetreten. Mussten Sie vom Basketball, seinem Herzensprojekt, überzeugt werden?
Hainer: Durch meine Zeit bei Adidas hatte ich immer viel mit Basketball zu tun. Ich war derjenige, der Kobe Bryant vor 18 Jahren verklagt hat (lacht). Das war am Tag nach dem Playoff-Finale, er hatte den Vertrag mit uns gebrochen. Basketball habe ich als Sport immer schon gemocht. Es ist bewundernswert, was Uli Hoeneß mit der Unterstützung von Geschäftsführer Marko Pesic im Basketball aufgebaut hat. Wir wollen das weiterentwickeln, denn Basketball tut dem FC Bayern unheimlich gut. Mit dem SAP Garden können wir die nächste Stufe zünden, denn mit der neuen Arena werden wir zusätzlich eine noch jüngere Zielgruppe erreichen. Wir haben dann eine der modernsten Arenen im Basketball weltweit.

FC Bayern Basketball bald Spitze in Europa? Korbjäger auf der Fährte der Fußballprofis

Die nächste Stufe, um auch im Basketball zur europäischen Spitze zu gehören?
Hainer: Ganz klar: In den nächsten fünf bis zehn Jahren möchten wir in der europäischen Spitze etabliert sein. Ich bin der felsenfesten Überzeugung, dass der FC Bayern das im Kreuz hat.
In Andrea Trinchieri scheinen Sie den richtigen Trainer zu haben.
Hainer: Was ich bei Trinchieri immer beobachte: Wenn er einen Spieler auswechselt, erklärt er ihm noch auf dem Weg zur Bank, was er anders und besser machen kann. Das ist sicherlich nicht immer angenehm für die Spieler. Doch genau das beschreibt diese Intensität, die wir uns vom Trainer erhofft haben.
Sie haben mit angestoßen, dass bei den Basketballern vermehrt Spieler aus dem eigenen Nachwuchs an die Profis herangeführt werden sollen.
Hainer: Es muss eine gute Mischung aus Topstars und Kräften aus dem eigenen Nachwuchs geben. Wir sind nicht in der Lage, dass wir uns 15 Stars leisten können. Diese Budgets haben andere Klubs. Wenn wir jungen Menschen die Chance geben, aus der eigenen Jugend in die Profimannschaft reinzuwachsen, wird es einen unheimlichen Motivationseffekt geben. Wir wollen Talente aus den eigenen Reihen zu Topspielern entwickeln.
Bei den Fußballern vertraut Hansi Flick dem 17-jährigen Jamal Musiala. Können die Basketballer auch hier vom Fußball lernen?
Hainer: Bei den Fußballern gab es zwei unterschiedliche Phasen. Die eine vor zehn Jahren, als etwa Thomas Müller oder David Alaba zu den Profis gestoßen sind. Dann kam jahrelang nichts. Erst seit zwei bis drei Jahren kommen wieder die Talente aus dem Campus. Musiala ist eins von vielen positiven Beispielen, er sticht gerade absolut hervor und ist ein riesiges Talent. So wollen wir das auch im Basketball bestreiten, da wollen wir Aufbauarbeit betreiben und besser scouten.

FC Bayern: Herbert Hainer über neues Performance Center und die Corona-Krise

Inwiefern wird auf die In­frastruktur des Campus zurückgegriffen?
Hainer: Wir sind dabei, ein Performance Center zu planen, das unter anderem eine Dreifach-Basketballhalle enthält. Dort soll die Basketballabteilung langfristig eine neue Heimat finden, mit der kompletten Infrastruktur. Dadurch entstehen viel bessere Trainings- und Betreuungsmöglichkeiten. Und wir können mehr Jugendliche zum Basketball bringen.
Hat Corona die Planungen zurückgeworfen?
Hainer: Wir lassen uns nicht von unserem Weg abbringen. Corona wird auch irgendwann vorbei sein, wir halten an unseren Zielen fest. Aber die Arbeitsweise ist natürlich eine komplett andere. Wir leben teils in einer Blase, die Reisen sind oft extrem kompliziert. Das ist für alle eine neue Situation und hat deutlichen Einfluss auf unsere tägliche Arbeit. Und auch beim Basketball haben wir jetzt schon etwa drei Millionen Euro durch die fehlenden Zuschauer verloren.

Kürzlich zählte Präsident Herbert Hainer einen Star des FC Bayern an - „Er kann deutlich mehr!

Interview: Nico-Marius Schmitz, Patrick Reichelt

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