Nach denkwürdiger Jahreshauptversammlung

FC Bayern schreibt persönlichen Brief an Mitglieder und bittet „nochmals um Verständnis“

Abgeschmetterte Anträge, verbotene Wortmeldungen und Pfiffe zum Schluss: Die Jahreshauptversammlung des FC Bayern lief aus dem Ruder - jetzt reagiert der Verein.

München - Vor einer Woche (25. November) ereignete sich beim FC Bayern Denkwürdiges. Doch diesmal gab es nicht den nächsten Titel zu feiern oder einen weiteren Rekord zu bejubeln. Ganz im Gegenteil: Die Bayern sorgten für Negativ-Schlagzeilen - jedoch nicht im sportlichen Bereich, sondern abseits des Platzes. Der größte Sportverein der Welt - 290.000 Mitglieder - blamierte sich bei der eigenen Jahreshauptversammlung.

Die Veranstaltung, die so feierlich mit der Präsentation der zahlreichen Titel aus den vergangenen beiden Jahren begann, endete im Chaos. Der FC Bayern ließ seine Mitglieder am Ende nicht mehr zu Wort kommen und kassierte dafür lautstarke Pfiffe vom eigenen Anhang. Vor allem das umstrittene Katar-Sponsoring hatte die Fans erzürnt.

Die Führungsetage ist nach diesem denkwürdigen Abend nun mit den Aufräumarbeiten beschäftigt und wendet sich als erste Reaktion in einem persönlichen Schreiben an seine Mitglieder.

FC Bayern entschuldigt sich nach Chaos-JHV - emotionales Schreiben an Mitglieder

„Nach der Jahreshauptversammlung vergangene Woche wollen, können und sollten wir nicht einfach zur Tagesordnung übergehen“, schreibt das Präsidium des FC Bayern um Herbert Hainer in einer E-Mail an seine Mitglieder. „Ohne Frage ist diese Jahreshauptversammlung leider nicht so abgelaufen, wie wir es von unserem FC Bayern gewohnt sind.“

Auf der JHV wurde ein Fan-Antrag gegen das Katar-Sponsoring nicht zugelassen. Viele Mitglieder stören sich an den Geschäftsbeziehungen der Bayern mit dem Emirat. Katar werden Menschenrechtsverletzungen vorgeworfen, was für viele nicht verhandelbar ist.

Man sei sich bewusst gewesen, „dass sich beim Thema Katar einiges aufgestaut hatte“, schreibt die FCB-Führungsriege. „Wir bitten allerdings nochmals um Verständnis, dass wir an diesem Abend nicht über einen Antrag abstimmen konnten, der am Vormittag vom Landgericht aus juristischen Gründen als unzulässig erklärt worden ist - wir versichern Euch aber gleichzeitig, dass wir den Diskurs mit unseren Mitgliedern intensivieren werden.“

Die Bayern-Bosse Oliver Kahn (li.) und Herbert Hainer (re.) stehen nach der Jahreshauptversammlung unter Druck.

FC Bayern will beim Katar-Thema den Dialog suchen

Der FC Bayern wolle beim Thema Katar „miteinander einen Weg finden.“ Man habe bereits „Kontakt mit denen aufgenommen, deren Wortmeldungen nicht mehr berücksichtigt wurden, erste Treffen fanden seitdem bereits statt, und weitere wurden für die nächste Zeit vereinbart. Zudem arbeiten wir die Jahreshauptversammlung intensiv auf und haben erste konkrete Entscheidungen zur Verbesserung des Dialogs mit unseren Mitgliedern getroffen.“ Hierzu wolle man die Fans „selbstverständlich auf dem Laufenden halten“.

Passend dazu wurde die Formulierung „Dialog stärken“ im Betreff der Mail gewählt. Als ersten Schritt nahm Präsident Hainer bereits am Wochenende den Hörer in die Hand, um ein Treffen mit dem Katar-Antragsteller Michael Ott zu vereinbaren.

„Bei all den Turbulenzen - und wir haben bei diesem Thema sicher nicht alles richtig gemacht -, steht unser Klub trotz allem auch in dieser Pandemie insgesamt vorbildlich da: sportlich, wirtschaftlich wie gesellschaftlich“, hob die Vereinsführung hervor. (ck)

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