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Heynckes sendet nach dem Spiel eindeutiges Signal

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FC Augsburg - FC Bayern München
Jupp Heynckes (r.) hob Arjen Robben (l.) und Franck Ribéry hervor. © dpa / Sven Hoppe

Der FC Bayern ist zum 28. Mal insgesamt und zum sechsten Mal in Serie deutscher Meister. Trainer Jupp Heynckes sendet danach ein eindeutiges Signal.

Augsburg - Nein, sagte Jupp Heynckes kaum hörbar auf dem Weg zur Tür hinaus, "nein, gefeiert wird nicht". Kurze Freude, ja, die erlaubte der Trainer des FC Bayern selbstverständlich. Und auch die Kabinenparty dürfte okay für ihn gewesen sein. Aber so richtig die Sau rauslassen, das wollen die Münchner am 26. Mai, nicht früher, wenn es denn geht. Die Meisterschaft ist klargemacht, bereits zum 28. Mal insgesamt und zum sechsten Mal nacheinander, aber: Die Trophäen im DFB-Pokal und vor allem in der Champions League sind ja auch noch zu vergeben.

Was Heynckes seit dem 7. Oktober 2017 sagt, das wird gemacht. Wer mag ihm schon widersprechen. "Wir wollen weitermachen, wir wollen dranbleiben, wir wollen in den ausstehenden Wettbewerben ganz weit kommen. Wir haben schon das Gefühl, dass da was drin ist", sagte Thomas Müller nach dem 4:1 (2:1) beim FC Augsburg. Demzufolge ergänzte er: "Es wird schon noch gefeiert werden. Aber wir wollen dann auch vielleicht erst im Mai feiern. Der Hunger ist sehr groß. Wir haben noch ein bisschen was vor."

Eindeutiges Signal: Heynckes hebt Ribéry und Robben hervor

Ein paar bemerkenswerte Szenen gab es freilich doch am Samstagnachmittag mit den Männern in roten T-Shirts und einer "6" vorne drauf: Zunächst bildeten die Spieler ein Spalier vor der Ecke ihrer Anhänger - durch das sie dann Heynckes schreiten ließen. Danach umarmte der Trainer alle Spieler - und er setzte ein Zeichen: Aus der Mannschaft zog er Franck Ribéry und Arjen Robben nach vorne, ließ sie feiern. Er habe, sagte er hernach, den beiden die "verdiente Anerkennung" verschaffen wollen.

Die Fans des Dauermeisters ließen die beiden Oldies hochleben, besangen enthusiastisch den französischen Filou an dessen 35. Geburtstag und feierten den Niederländer, in dem sie an die von ihm geprägte "Wembley-Nacht" und den Champions-League-Titel 2013 erinnerten. Ribéry und Robben sind ein Stück Bayern-Geschichte. "Sie haben eine Ära geprägt", sagte Sportdirektor Hasan Salihamidzic.

Mit beiden Spielern hat der FC Bayern noch nicht verlängert. Doch das könnte sich bald ändern. Karl-Heinz Rummenigge hat Franck Ribéry und Arjen Robben Hoffnung auf eine Vertragsverlängerung beim FC Bayern München gemacht. „Das Entscheidende ist, wie sie spielen. Und beide spielen erstklassig“, sagte Vorstandschef Rummenigge nach dem sechsten Bundesliga-Titel der Münchner am Stück. Gegen eine Vertragsverlängerung mit den Offensivstars spreche „nicht viel“.

Ribéry, der am Samstag 35 Jahre alt wurde, spielt und siegt seit 2007 für den FC Bayern München. Der ehemalige Real- und Chelsea-Spieler Robben (34) steht seit 2009 beim deutschen Rekordchampion unter Vertrag. „Seitdem sie hier sind, haben wir Riesenerfolge gefeiert. Sie waren ja immer dabei, und wir wissen das schon richtig einzuordnen. Wir haben gesagt, wir machen das zum richtigen Zeitpunkt, das ist mit beiden vereinbart“, sagte Rummenigge nach dem 4:1 am Samstag beim FC Augsburg mit Blick auf die Vertragsverhandlungen.

Für Mitte April sind Gespräche geplant. „Das sind zwei Spieler, die neun, zehn Jahre im Club sind. Wo gibt es das heute noch?“, sagte Trainer Jupp Heynckes. „Sie haben eine überragende Qualität und sind professionell, wie es selten Spieler sind.“

Ribéry feierte am Samstag wie zuvor nur Oliver Kahn, Mehmet Scholl, Philipp Lahm und Bastian Schweinsteiger seinen achten Meistertitel. „Es ist immer ein spezieller Moment, weil du weißt, wir sind Meister und das ist wichtig für uns! Wir arbeiten seit dem Saisonbeginn sehr hart dafür“, schwärmte der Emotionsfußballer Ribéry.

Für Robben war es Championat Nummer sieben, vielleicht das letzte. „Es kann sein. Alles ist möglich. Deswegen musst du versuchen, zu genießen“, sagte der Musterprofi.

„Was wir jetzt seit sechs Jahren erleben, ist einfach ein Traum“

Nein, große Feierlichkeiten sollten nicht sein, aber es sollte auch nicht alles wie "business as usual" rüberkommen. "Was wir jetzt seit sechs Jahren erleben, ist einfach ein Traum", sagte der Vorstandsvorsitzende Karl-Heinz Rummenigge mit Stolz in der Stimme, um sogleich zu ergänzen: "Das Karussell dreht sich ja weiter, wir wollen noch was mitnehmen in diesem Jahr." Zunächst wollen die Münchner am Mittwoch, nach dem 2:1 im Hinspiel beim FC Sevilla, ins Halbfinale der Champions League einziehen.

Es gab am Samstag niemanden beim FC Bayern, der nicht auf den eigenartigen Saisonverlauf hinwies. "Als ich und Peter Hermann am 7. Oktober anfingen, haben wir überhaupt keinen Gedanken an die deutsche Meisterschaft verschwendet", behauptete Heynckes. Fünf Punkte lagen die Münchner damals hinter Borussia Dortmund, was danach kam, bezeichnete Sportdirektor Hasan Salihamidzic als "große Leistung". Der erneute Meistertitel, ja, der komme "selbstverständlich rüber - aber es war harte Arbeit".

Harte, seriöse Arbeit, vorgelebt und vorgeschrieben von einem Trainer, der sich mit seinem Assistenten Hermann als Glücksfall erwiesen hat. Und der am Samstag plötzlich unaufgefordert über seinen nach sieben Bundesliga-Spieltagen geschassten Vorgänger sprach. "Carlo Ancelotti", sagte Heynckes, "hat aus meiner Sicht auch Anteil an der deutschen Meisterschaft. Er ist für mich ein Gentleman, ein absoluter europäischer Toptrainer, er hat meinen allergrößten Respekt".

Respekt hin oder her, Mann dieser Saison beim Dauermeister ist Heynckes. "Jupp", betonte Salihamidzic, "hat eine Riesenarbeit geleistet, er hat aus dem FC Bayern wieder das gemacht, was er sein muss". Auch die Mannschaft ist voll des Lobes, einer wie der weitgereiste Sandro Wagner sagte: "Der Spirit, den der Jupp Heynckes jeden Tag vorlebt, das ist ein Wahnsinn, das habe ich so noch nicht erlebt. Ich hoffe, dass wir viele Titel holen - die Grundlage ist da."

Begleitet von einem Anflug von Arroganz, dessen sich vor allem Jerome Boatang schuldig machte, ließ sich der ewige Meister am Samstag aber zunächst fast überrennen von den hyperaggressiven Augsburgern. Erst nach dem 0:1 durch ein Eigentor von Niklas Süle (18.), dem Torhüter Sven Ulreich den Schuss von Sergio Cordova ins Gesicht gelenkt hatte, wurden die Münchner seriös. Corentin Tolisso (32.), James (38.), Arjen Robben (62.) und Wagner (87.) schossen die Bayern zum Sieg.

sid

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