Ex-FCB-Boss bei Preisverleihung

„Wollten nicht so viel zahlen“: Rummenigge trauert verpassten Transfer von Mega-Talent nach

Karl-Heinz Rummenigge beobachtet den FC Bayern aus der Ferne. Der Ex-Boss äußert sich über Trainer Nagelsmann, Uli Hoeneß und einen verpassten Transfer.

Der FC Bayern hat den diesjährigen Ehrenpreis des Deutschen Fußball Botschafter e.V. verliehen bekommen – nicht nur für das sportlich außergewöhnliche Jahr 2020, sondern auch für die gesellschaftspolitischen Verdienste und Engagements des Verein. Ex-Vorstandsboss Karl-Heinz Rummenigge (66) nahm die Auszeichnung stellvertretend für die Münchner in der Hauptstadtrepräsentanz der Deutschen Telekom in Berlin entgegen. Didi Hamann hielt die Laudatio.

Am Mittwochabend sprach Rummenigge über…

… den Bayern-Start unter Trainer Julian Nagelsmann (34): „Die Mannschaft hat bisher sehr guten Fußball gespielt. Man sieht seine Handschrift. Er hat das gut gemacht. Es ist wichtig, dass man beim FC Bayern einen guten Start hat. Das erleichtert ein Stück die Dinge. Ich bin auch optimistisch, dass Bayern München trotz des kleinen Ausrutschers am Sonntag wieder Deutscher Meister wird. Und in der Champions League geht es sowieso bekanntermaßen erst im Februar, März nächsten Jahres los, wenn man in der K.o.-Phase ist.“

… Super-Knipser Robert Lewandowski (32) und dessen Chancen auf den Ballon D’Or: „Ich wünsche es ihm. Ich kenne keinen Menschen auf dieser Welt, der es mehr verdient hätte. Er hat eine super Saison gespielt. Er hat diesen Rekord von Gerd Müller, bei dem ich nie für möglich gehalten hätte, dass er gebrochen wird, mit 41 Toren geknackt. Er hat auch in der Champions League immer großartig gespielt. Er hat alles gewonnen, was es zu gewinnen gibt.“

FC Bayern: Ex-Boss Rummenigge spricht über Transfers von Adeyemi und Rüdiger

… Salzburg-Angreifer Karim Adeyemi (19): „Ich kenne ihn ja noch aus Unterhaching. Der Manni Schwabl (Präsident, Anm. d. Red.) hat damals auch den Uli kontaktiert. Wir waren nicht bereit, so viel zu zahlen. Der Transfer sollte um die drei Millionen kosten, was für einen 16-Jährigen zu der Zeit eine sehr stolze Summe war. Er hat sich gut entwickelt. Ich habe ihn beim Länderspiel gesehen und mir auch beim letzten Champions-League-Spiel angeschaut. Er ist ein interessanter Spieler. Muss man abwarten, was passiert. Jetzt kostet er möglicherweise eine Null hinten mehr, als er damals gekostet hätte.“

… Chelsea-Verteidiger Antonio Rüdiger (28): „Ich will mich gar nicht in mögliche Transfermarkt-Angelegenheiten von Bayern München einmischen. Sie werden schon wissen, was sie machen. Ich finde, in der Innenverteidigung ist Bayern München gerade gut aufgestellt. Upamecano ist ein guter Transfer gewesen, er macht das bisher sehr gut. Dazu hat man noch Süle, Hernandez oder Nianzou. Ich glaube, Bayern München ist auch ohne Rüdiger gut aufgestellt. Jetzt muss man abwarten, was in den Personalangelegenheiten – beispielsweise bei Süle, dessen Vertrag auslauft – was da passiert. Aber ich denke, Bayern München braucht sich keine Sorgen um die Verteidigung machen.“

Ex-Bayern-Boss Karl-Heinz Rummenigge spricht auf der Preisverleihung des Deutschen Fußball Botschafter über seinen ehemaligen Verein.

FC Bayern: Ex-Boss Rummenigge verkuppelt Hoeneß und Breitner

… Ehrenpräsident Uli Hoeneß (69): „Seitdem ich aufgehört habe, habe ich ein echt gutes Verhältnis zu Uli. Mir ist es sogar vor Kurzem gelungen, selbst das Verhältnis von Uli Hoeneß und Paul Breitner wieder so hinzukriegen, dass sich die zwei zum Schluss unseres Gesprächs umarmt haben. Ich habe gesagt, wir sollten zu dritt demnächst den Franz Beckenbauer in Salzburg besuchen, weil den würde es auch freuen, wenn alle drei wieder bei ihm vor der Tür stehen und Kaffee trinken, Mittag essen oder was auch immer.“

… die Nationalmannschaft: „Ich finde, es war erst mal wichtig, dass sie einen guten Start hatten mit den drei Siegen. Damit hat Hansi Flick Ruhe reinbekommen und die Mannschaft Selbstvertrauen gekriegt. Und die Mannschaft hat auch kapiert, was er von ihnen verlangt. Ich denke, er wird sich für Katar qualifizieren, das ist erst mal das Wichtigste. Und dann bin ich überzeugt - bei dem Ehrgeiz, den er hat -, wird er eine Mannschaft hinstellen, die es nicht einfach wird zu schlagen.“

… die Super League: „Ich glaube, sie wird nie wieder kommen. Was da passiert ist mit der Gründung und mit der Kapitulation war natürlich eine Watschn für alle 12 Vereine. Warum die drei (Real Madrid, FC Barcelona, Juventus Turin, Anm. d. Red.) weitermachen, verstehe ich nicht ganz, weil das Thema Super League ist erledigt, ist tot. Ich weiß nicht, ob sie’s machen, um noch eine gesichtswahrende Lösung herbeizuführen, die sie versuchen, juristisch über die spanischen Gerichte zu erreichen. Aber das Thema ist tot, es wird nie wieder aufleben, weil es ein großer Reinfall war. Und das Votum der Fans war ja eindeutig: ‚Wir wollen sowas nicht‘.“

FC Bayern: Ex-Boss Rummenigge gegen WM alle zwei Jahre

… den vollgepackten Spielplan: „Grundsätzlich muss ich sagen, ich bin auch kein Freund von inflationären Entwicklungen im Fußball, was Wettbewerbe betrifft. Deshalb bin ich auch nicht dafür, dass alle zwei Jahre eine Weltmeisterschaft stattfindet. Ich glaube, es ist trotzdem ein bisschen zu kurz gesponnen. Wir müssen versuchen, diesen Fußballkalender, der viel zu vollgepackt ist, ein Stückchen reformieren und rationalisieren, weil die Spieler können nicht mehr leisten, als das, was im Moment schon von ihnen verlangt wird. Dementsprechend müssten sich die Stakeholder, die Spieler, die Verbände, die Ligen und natürlich auch die Vereine hinsetzen und schauen, was kann man tun, um diesen Spielkalender zu reformieren, rationalisieren und möglicherweise ein Stück qualitativer zu verbessern.“

… das Financial Fairplay: Ich glaube, die wichtigsten Aufgaben, die jetzt im Klub-Fußball zu bewältigen sind, sind ein Stück Financial Fairplay. Da ist es wichtig, dass man in den nächsten Monaten gute Lösungen findet, um eine gewisse Wettbewerbsgleichheit international zu gewährleisten. Weil man stellt schon fest, dass sich englische Klubs oder Paris qua Besitzer gewisse finanzielle Dinge erlauben können, die selbst für Bayern München nicht möglich sind.“

… den neuen DFB-Präsidenten: „Ich halte mich da komplett raus. Ich wünsche ihnen, dass sie eine gute Lösung finden. Hansi Flick hat sportlich wieder Ruhe reingebracht. Sie brauchen einen Präsidenten, der wieder in dieses offizielle Geschäft des DFB Ruhe reinbringt. Einer, der auch akzeptiert wird von den Profis als auch von den Amateurverbänden. Diese beiden Faktoren sind wichtig: sportlicher Erfolg und Ruhe an der Front, was die Politik beim DFB betrifft.“ Philipp Kessler

Rubriklistenbild: © Monika Skolimowska

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