Vorstands-Boss twittert fleißig

Nach Katar-Knall auf JHV: Kahn meldet sich zu Wort - Er fühlt sich missverstanden

Der FC Bayern löste auf seiner Jahreshauptversammlung ungeahnte Emotionen aus. Die Fan-Seele kocht wegen des Katar-Sponsoring. Nun geht Oliver Kahn auf die Mitglieder zu.

München - Als Profi des FC Bayern schien Oliver Kahn Anfeindungen von den Rängen beinahe genossen zu haben. Sie waren quasi ein zusätzlicher Ansporn. Ein Elixier, das ihn zu Höchstleistungen antrieb. So sagte er vor dem letzten Spieltag der legendären Bundesliga-Saison 2000/2001 mit Blick auf das Spiel beim Hamburger SV, das mit Patrick Anderssons Tor zum 1:1 in der Nachspiel so dramatisch wie triumphal endete: „Das ganze Stadion wird gegen uns sein. Ganz Deutschland wird gegen uns sein. Etwas Schöneres gibt es nicht.“

Auch aus diesem besonderen Status als Feindbild zog der „Titan“ während seiner ruhmreichen Karriere die Kraft für die Großtaten, mit denen er in die Herzen der Bayern-Fans hechtete. Nun gibt es nicht wenige, die in dem heutigen Geschäftsmann Kahn keinerlei Ähnlichkeit zum emotional aufgeladenen Weltklasse-Keeper von einst erkennen.

Unmutsbekundungen gegen Kahn und Co. diesmal aus dem Bayern-Lager

Ganz sicher wird ihm die aufgeladene Atmosphäre während der Jahreshauptversammlung nicht geschmeckt haben. Zumal die lautstarken Unmutsbekundungen wegen des Festhaltens am vielfach kritisierten Katar-Sponsoring eben aus dem eigenen Lager kamen. Von denen, für die der Blondschopf als Aktiver unantastbar war.

Wie seine Kollegen aus der Führungsetage um Präsident Herbert Hainer duckte sich der reserviert wirkende Vorstandschef auf der Bühne weitgehend weg, statt wie zu früheren Zeiten klar Stellung zu beziehen. Er dürfte froh gewesen sein, dass der Nachfolger von Uli Hoeneß die Runde der Wortmeldungen einfach abrupt beendete, denn dieses Erlebnis musste auch der sonst so wortgewaltige Kahn sacken lassen.

Eine Jahreshauptversammlung mit Nachwirkungen: Bayern-Vorstand Oliver Kahn macht sich so seine Gedanken über den Katar-Deal.

Kahn beschäftigt die Jahreshauptversammlung „natürlich immer noch sehr“

Am Sonntag nun ging er an die Öffentlichkeit. Einen Tag also, nachdem FCB-Fan Michael Ott, der am Donnerstag über den Katar-Deal abstimmen lassen wollte, von einem Telefonat mit Hainer und einem vereinbarten persönlichen Gespräch berichtete.

„Die Jahreshauptversammlung am Donnerstag beschäftigt mich natürlich immer noch sehr“, schreibt Kahn in einem Tweet, dem ein Video seiner Rede beigefügt ist: „Offenbar ist in den Emotionen einiges nicht angekommen, was mir in Zukunft wichtig ist. Es hat sich erneut gezeigt, wie wichtig der Austausch zwischen dem FC Bayern und unseren Mitgliedern ist.“

Kahn will zum Katar-Sponsoring „möglichst breites Meinungsbild unserer Mitglieder einholen“

Dessen sei er sich bewusst. Jedoch verweist er auch darauf, dass „wir hier schon einiges angestoßen“ haben. Als Beispiele nennt Kahn „den Mitgliederdialog im Frühjahr oder die gemeinsame Erstellung des Leitbildes, das wir in Kürze vorstellen“.

Weiter heißt es: „Dabei haben die Anregungen unserer Mitglieder eine entscheidende Rolle gespielt. Trotzdem gibt es noch viel zu tun und zu verbessern!“ Schließlich das Versprechen: „Zum Qatar-Airways-Sponsoring werden wir uns ein möglichst breites Meinungsbild unserer Mitglieder einholen.“ Dazu setzte Kahn die Hashtags #WeiterImmerWeiter und #MiaSanMia.

Es sieht also tatsächlich so aus, als würde die neue Chefriege auf die Fans zugehen und ihnen die Hand reichen. Und womöglich in letzter Konsequenz auf die Millionen aus Katar verzichten? (mg)

Rubriklistenbild: © Bernd Feil/M.i.S.

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