Das Machtgefüge des FC Bayern in der Analyse

Spieler, Trainer, Sportdirektor: Wer hat beim FC Bayern wirklich das Sagen?

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Thomas Müller (l.) und Trainer Niko Kovac.

Ergeht es Niko Kovac bald wie Carlo Ancelotti? Sieht man sich das Machtgefüge beim FC Bayern an, könnte man das vermuten.

München - Carlo Ancelotti hatte den Machtkampf an der Säbener Straße vor gut einem Jahr verloren. Sein Kapitel als Bayern-Trainer war daraufhin beendet. „Der Trainer hat fünf Spieler auf einen Schlag gegen sich gebracht. Das hätte er niemals durchgestanden. Du kannst als Trainer nicht deine prominentesten Spieler als Gegner haben.“ So äußerte sich FCB-Patron Uli Hoeneß damals kurz nach der Entlassung. Und im Herbst 2018? Die tz* beleuchtet die Frage: Wer hat hier eigentlich das Sagen – abgesehen von Hoeneß und Rummenigge? Zwischen Niko Kovac und einigen Stars brodelt es ebenfalls.

Spieler:

Kapitän Manuel Neuer, Thomas Müller, Mats Hummels, Jerome Boateng, Franck Ribéry und Arjen Robben – so sieht die mächtige Führungsriege des Rekordmeisters auf dem Platz aus – frag nach bei Ancelotti… Der mittlerweile schon legendäre Tweet von Müller-Ehefrau Lisa sagt ohnehin schon viel über das Verhältnis zwischen Kovac und seinem Vizekapitän aus. Neben Müller sorgte jetzt auch noch Hummels für Diskussionsbedarf. Der Kicker nannte ihn erstmals konkret als Kovac-Gegner. Der vermeintlich Enttarnte reagierte via Twitter wie folgt: „Dagegen wehren bringt ja leider auch nichts, man muss es wohl einfach über sich ergehen lassen…“ 

Schon zu Ancelotti-Zeiten galt Hummels als Gegner des Trainers. Nach dessen Rauswurf wehrte sich Mats noch gegen die Vorwürfe: „Es ist nicht okay, dass von mir als Königsmörder geschrieben wird.“ Die Heißsporne Ribéry und Robben geben sich mit ihren unregelmäßigen Spielzeiten ebenfalls nicht zufrieden – obwohl ihnen das bei ihrer Vertragsverlängerung vergangenes Jahr angekündigt worden war. Hoeneß erklärte jüngst: „Wir haben einen Kader von 16, 17 hochkarätigen Spielern und das größte Problem ist, dass die Spieler, die nicht spielen, sauer sind.“ Das spürt Kovac momentan. Ob er daran scheitert, wird sich zeigen. Gut für den Kroaten: Kapitän Neuer steht als mächtigster Spieler hinter ihm.

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Trainer: 

Die tz* weiß, dass Kovac in der Kabine nicht davor zurückschreckt, sich auch altverdiente Stars zur Brust zu nehmen, wenn er etwas zu kritisieren hat. Dabei versuchte der Kroate gerade am Anfang, es sich nicht mit den Etablierten zu verscherzen, zog sie oft den jüngeren Spielern vor. Kovac vertritt auch außerhalb des Spielgeschehens seine Überzeugungen, die das Verhalten der Spieler betreffen – wie zum Beispiel das Zusatz-Fitnesstraining mit Privat-Coaches. 

Vor der legendären Presskonferenz der Bosse erklärte Niko zu dieser Thematik: „Ich glaube letzten Endes auch, dass das, was wir hier machen, Sinn und Verstand hat. Bei denjenigen, die hier oder woanders etwas zusätzlich machen, könnte es schon auch kontraproduktiv sein. Zumal derjenige, der die Spieler dort trainiert, nicht weiß, was wir gestern gemacht haben und was wir morgen machen wollen. Von daher wäre es nicht schlecht, wenn es nicht passiert.“ Es passiert aber trotzdem weiterhin: Vor allem die Latino-Fraktion um Thiago, Martinez und Rafinha sucht regelmäßig das Fitnessstudio von Lucas Kruel auf, um Extraschichten zu schieben – und dokumentiert das fleißig in den sozialen Medien.

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Sportdirektor: 

„Fleißig“, so wird Salihamidzic stets von Hoeneß und Karl-Heinz Rummenigge bezeichnet. Trotzdem wird er von den Spielern eher als Kumpel statt als Autoritätsperson wahrgenommen. So würde sich auch Kovac wünschen, bei der Durchsetzung des von ihm angeordneten Handyverbots mehr Unterstützung des Sportdirektors zu erhalten. Die Macht dazu hätte Salihamidzic eigentlich.

Manuel Bonke, Jonas Austermann

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