Präsident will wohl unbedingt Eberl

Erschwert Hoeneß die Sportdirektoren-Suche?

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Zurück im Glück: Uli Hoeneß hat beim FC Bayern das Sagen.

München - So richtig kommen die Bosse der Roten nicht voran bei der Besetzung des vakanten Sportdirektoren-Postens. Daran hat wohl auch Uli Hoeneß seinen Anteil.

Wirklich überraschend waren die Aussagen von Philipp Lahm nicht. „Generell kann man Dinge rund um die Mannschaft nur beeinflussen, wenn man die Verantwortung hat. Ich glaube, dass Uli Hoeneß noch zu tatkräftig ist, um loszulassen. Zu jung. Er will die Dinge selbst beeinflussen“, erklärte der im Sommer scheidende Kapitän im Stern-Interview, warum er nicht direkt vom Fußballplatz auf den Sportdirektoren-Posten wechseln wird.

Diese Sätze offenbaren, wie sich die Machtverhältnisse seit der Präsidentenwahl im vergangenen November an der Säbener Straße einmal mehr verschoben haben: Hoeneß, zugleich Aufsichtsrats-Boss, hat nach abgesessener Gefängnisstrafe wegen Steuerhinterziehung wieder das Sagen im Verein. Im Grunde fällt keine Entscheidung - weder im sportlichen noch im operativen Bereich - ohne Zustimmung des 65-Jährigen.

Hoeneß‘ Machtfülle erschwert Neulingen den Einstieg

Das macht es besonders für Neueinsteiger - wie Lahm es als Sportdirektor gewesen wäre - schwierig, sich rasch voll entfalten zu können. Er sehe es sportlich, versicherte der 33-Jährige: „Wir hatten verschiedene Vorstellungen von der Position, damit ist das Thema für mich abgehakt.“ Auch die offenbar von den Aufsichtsräten abgeschmetterten Hoffnungen auf einen Vorstands-Posten dürften Lahm zur Absage bewogen haben.

Dennoch stellt sich die Frage: Wie schwer wog Hoeneß‘ Machtfülle bei der Entscheidung des Weltmeisters? Mit Vorstands-Boss Karl-Heinz Rummenigge hatte Lahm immerhin einen ähnlich starken Fürsprecher aus der Chefetage. „Wir haben keine 1b-Lösung in der Schublade gehabt“, hatte der ehemalige Stürmer Lahms Rückzieher kommentiert.

Ein Mann und sein Verein: Uli Hoeneß posiert vor einem überdimensionalen Wappen des FC Bayern.

Eberl ist Hoeneß‘ Kandidat

Leichter macht das die Suche sicher nicht - zumal sich Hoeneß auf seinen Wunschkandidaten eingeschossen haben soll. Max Eberl, seit seiner Zeit beim Rekordmeister gut mit dem FCB-Boss befreundet und seit Jahren erfolgreich als Sportdirektor bei Borussia Mönchengladbach tätig, soll es nach dem Willen des gebürtigen Ulmers machen. Problem: Der 43-Jährige steht bei den „Fohlen“ noch bis 2020 unter Vertrag und erhofft sich offenbar auch beim FC Bayern die alleinige Entscheidungsgewalt bei der Kaderplanung. Zuletzt hatte der 2014 aus Leverkusen losgeeiste Michael Reschke den Großteil der Transfers eingetütet oder zumindest auf den Weg gebracht und dafür viel Lob eingeheimst.

Rummenigge hatte die Aufgaben des künftigen Sportdirektors zuletzt so umrissen: „Es geht um die Betreuung der Mannschaft, den kontinuierlichen Austausch mit dem Trainer. Dazu kommt die Absprache mit der Scouting-Abteilung, ebenso wie mit der medizinischen Abteilung und dem Nachwuchsbereich.“ Wer aufmerksam mitliest, merkt: Vom Abwickeln der Transfers war nicht die Rede - Zufall? Jedenfalls dürfte dies eine Verantwortung sein, auf die Eberl pochen wird - wenn es zu Gesprächen kommen sollte.

Rummenigge lehnt Ablöse ab

Zudem sollen die Gladbacher trotz Eberls Ausstiegsklausel für den FC Bayern eine stattliche Ablösesumme verlangen. Für Rummenigge ist das jedoch ein No-Go: „Wenn ich mit dieser Idee in den Aufsichtsrat gehen würde, würde er mich für verrückt erklären.“ Der Umworbene äußerte sich erst vor knapp zwei Wochen wie folgt: „Es gibt nichts anderes momentan, als dass ich im Sommer Sportdirektor in Gladbach bin. Ich kann das ‚momentan‘ auch weglassen. Denn es gibt keinen anderen Ansatz.“

Freilich reicht dieses Bekenntnis noch lange nicht aus, um alle Spekulationen zu beenden. Doch auch die Option mit Hoeneß' Hoffnungsträger könnte sich am Ende zerschlagen. Folglich würde in der Öffentlichkeit unweigerlich der Schein erweckt werden, jeder andere Sportdirektor wäre nur eine 1b-Lösung. Kandidaten wurden einige genannt: der wie Lahm vor dem Karriereende stehende Xabi Alonso, Oliver Kahn, Michael Ballack oder Klaus Allofs. Abgesehen von Letzterem hätten sie allesamt Stallgeruch und würden aufgrund ihres Alters die Voraussetzungen mitbringen, um zunächst unter Hoeneß und Reschke zu lernen - wenn sie denn die Zeit und Geduld dafür aufbringen.

Die Sportdirektoren-Findungskommission: Uli Hoeneß (l.) und Karl-Heinz Rummenigge sind gefragt.

Interviews über Gemütslage beim FC Bayern

Doch ob es einem von ihnen genügen würde, zunächst vorwiegend in TV-Interviews vor Spielen Auskunft über die Gemütslage im Verein und Einschätzungen zu Aufstellung und Gegner zu geben, während wirklich wichtige Entscheidungen wie millionenschwere Transfers von anderen Personen im Verein abgewickelt werden? Christian Nerlinger und Matthias Sammer waren sich dafür in ihrer Zeit als Sportdirektor respektive Sportvorstand nicht zu schade. Letzterem wurde jedoch auch ein zwiespältiges Verhältnis zu Hoeneß nachgesagt, kam doch so manche Uneinigkeit in der Öffentlichkeit zur Sprache.

Mittlerweile sollen sich die Bayern-Bosse darauf geeinigt haben, von dem Zeitplan abzurücken, den Hoeneß bei einem Fanclub-Treffen im Dezember in seiner unnachahmlichen Art kundgetan hatte: „Zur neuen Saison ist ein neuer Sportdirektor da. Und basta!“ Nach Informationen der Sport Bild wollen sich die Entscheider bei den Roten nun doch mehr Zeit nehmen. Hier scheint sich Hoeneß also auf einen Kompromiss eingelassen zu haben - zum Wohle seines FC Bayern.

mg

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