Bayern-Offensivmann kehrt nach Lissabon zurück

Spurensuche im Sanches-Ghetto

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Ein Foto erinnert in Renato Sanches‘ alter Heimat an den Bayern-Profi.

Grundschule und Jugendklub eines Bayern-Kickers: Die tz schaut sich im Lissabonner Armenviertel Musgueira um, der Heimat von Renato Sanches.

Lissabon - Du kannst einen Typen aus dem Ghetto holen, aber du holst niemals das Ghetto aus einem Typen.“ Dieses Zitat stammt von Zlatan Ibrahimovic, lässt sich aber problemlos auf Bayern-Kicker Renato Sanches übertragen. Der 21-Jährige bezeichnete sich selbst als Ghetto-Kind. Das ist keine Beleidigung, es ist die Wahrheit. Die tz begab sich in Lissabon auf Spurensuche.

„Natürlich bin ich froh, dass wir in Lissabon spielen. Das ist meine Stadt, hier bin ich aufgewachsen. Es freut mich, dass ich als Bayern-Spieler zurückkomme“, sagte Sanches der tz vor dem Abflug in die portugiesische Hauptstadt. Wenn Renato von seiner Kindheit spricht, dann meint er einen ganz bestimmten Stadtteil Lissabons: Musgueira, das Armenviertel im Nordosten. Von der Schönheit und der beeindruckenden Architektur der Metropole an der Atlantik-Küste ist dort keine Spur. Es reiht sich Hochhaus-Siedlung an Hochhaus-Siedlung, der Putz bröckelt von den Wänden und an den Fassaden der Wohngebäude sind Graffitis angebracht.

Im April 2016 spielte Renato Sanches noch gegen die Bayern - im Trikot von Benfica Lissabon.

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Die Einstellung stimmt

Nur zwei Metro-Stationen sind es vom Stadion von Benfica-Erzrivale Sporting nach Musgueira. Sanches landete trotz dieser Nähe bei Benfica, das Kicken lernte er aber im Armenviertel, beim Verein Aguias de Musgueira. Nur die Autobahn trennt die Sportanlage der „Adler“ vom Flughafen. Jedes Mal, wenn ein Flugzeug startet oder landet, sind die Vibrationen auf der Tribüne zu spüren. Die Kunstrasen-Plätze sind von hohen Zäunen und schweren Gitter-Toren umgeben. Der Hauptplatz im Stadion ist nur zu erreichen, wenn trainiert wird oder das Aguias-Vereinsheim offen ist. Gestern Nachmittag traf beides zu.

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Selbst als Benfica-Profi schaute Sanches häufig bei seinem Heimatverein vorbei. Dort sind sie stolz auf ihren Renato. An der Wand hängt ein Bild von ihm im Benfica-Trikot, das Wappen ist mit dem Aguias-Adler überklebt. „Seitdem er in Deutschland spielt, habe ich ihn hier nicht mehr gesehen. Aber die Wege sind ja auch weiter. Wenn er früher mit seiner Familie hier war, ist er immer in das Café gegenüber seiner alten Schule gegangen“, erzählt ein Stammgast des Vereinslokals.

Verletzungen spülen Sanches in den Kader

Sanches’ Grundschule ist keine 100 Meter entfernt. Wer vor der Schule steht, kommt mit der Armut in Musgueira so richtig in Berührung. Vor dem Gebäude türmen sich Müllsäcke, die Straßen sind dreckig, es riecht streng. Die Jugend tummelt sich trotzdem auf der Straße, das Erscheinungsbild der jungen Männer: Dunkelhäutig, tätowiert und viel Goldschmuck. Inmitten dieser „Ghetto-Kinder“ hat Sanches gelernt, sich durchzusetzen – und er ist der Armut entflohen. 

tz-Reporter Manuel Bonke in Musgueira.

Bayern-Präsident Uli Hoeneß ist zuversichtlich, dass sich der Mittelfeldspieler auch in München durchsetzt. Im Gespräch mit der tz* verrät er: „Alles was ich über Renato höre, ist, dass er sehr gut trainiert und sich sehr bemüht. Jetzt schauen wir mal, was daraus wird. Ich habe das Gefühl, dass er sich durchaus im Klaren ist, dass er die Chance hier packen sollte – oder könnte.“

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Manuel Bonke

*tz.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks.

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