FC Bayern in der Krise

Auf der Suche nach der Identität - welcher Coach passt zu Bayern?

Der FC Bayern sucht nicht nur nach einem neuen Trainer, sondern auch nach seiner Identität. Welchen Weg werden die Bosse einschlagen, bevor sie selbst den Verein verlassen?

  • Der FC Bayern sucht nach der Trennung von Niko Kovac einen Nachfolger.
  • Seit Pep Guardiola ist der Verein auf der Suche nach seiner Identität.
  • Uli Hoeneß und Karl-Heinz Rummenigge werden ein letztes Mal entscheiden, wo es mit dem Verein hingehen soll.

München - Es ist ungemütlich an der Säbener Straße. Das liegt nicht nur am nasskalten Herbst, sondern auch und vor allem an der aktuellen Lage beim Rekordmeister. Der Kovac-K.o. ist jedoch nur die Spitze eines gewaltigen Eisbergs, den der FCB-Dampfer nicht nur in den kommenden Monaten, sondern sogar in den nächsten Jahren umschiffen muss. Die Sorgen der meisten Anhänger beschränken sich dabei auf das Hier und Jetzt – die Saison, der Trainer, die Titel. Sie alle übersehen jedoch, dass der FC Bayern vor einer der schwersten Bewährungsproben seiner 119-jährigen Geschichte steht.

FC Bayern: Auch Uli Hoeneß zieht sich zurück

Es geht nicht mehr um die nächste Meisterschale oder den nächsten Pokalsieg. Es geht um den Verein an sich. Und darum, was er in Zukunft sein will.

Auf den ersten Blick mag das dramatisch klingen, der Augenblick entbehrt jedoch in der Tat nicht einer ungeheuren Signifikanz. Am nächsten Freitag ist der Präsident Uli Hoeneß Vergangenheit. Nach 49 Jahren im Verein. Auch Karl-Heinz Rummenigge wird in nunmehr zwei Jahren nicht mehr Gegenwart, sondern Geschichte des Klubs sein. Die große Frage dabei ist jedoch nicht, wer auf die zwei Urheber des modernen FC Bayern folgt, sondern was. Und das hängt von den Entscheidungen ab, die jetzt getroffen werden.

Spielidee ist beim FC Bayern abhanden gekommen

Vor allem betrifft das den sportlichen Bereich, in dem in den vergangenen Jahren gute wie schlechte Entscheidungen getroffen wurden.

Gute, weil der Kader Saison für Saison mit zumeist jungen und talentierten Spielern gespickt wurde, die für eine Spielphilosophie standen und stehen. Schlechte, weil ebendiese Spielidee seit Pep Guardiola aufgrund von inadäquaten Trainerlösungen mehr und mehr abhanden gekommen ist. In einer Bundesliga, die nur mangelhafte Konkurrenz für den Serienmeister parat hielt, fiel dies nicht auf. Die vergangenen Spielzeiten in Europa haben Bossen wie Fans jedoch klar vor Augen geführt, dass man den Anschluss an die Kontinental-Elite verloren hat.

Wege zurück in die Spitze gibt es genug. Manche sind kurz, jedoch nicht beständig. Andere wiederum bedürfen Zeit, bringen jedoch langfristigen Erfolg und fußballerische Identität mit sich. Auf welchen Pfad sich der Rekordmeister begibt, hängt vom Trainer ab, der die Richtung vorgibt.

Es ist eine knifflige Angelegenheit. Lieber sofort nachrüsten oder eine Zwischenlösung bis Sommer finden? Auf Erfahrung setzen oder doch auf die Jugend? Den sofortigen Erfolg anstreben oder ein langfristiges und zukunftsorientiertes Projekt starten? Fragen über Fragen, mit denen sich Rummenigge und Hoeneß nun beschäftigen müssen. Denn bevor sie gehen, entscheiden sie noch ein zweites Mal in ihrem Leben, was der FC Bayern sein soll.

Kandidat 1: Ralf Rangnick zum FC Bayern?

Über Rangnick heißt es, dass er als sogenannter „Head of Sport and Development Soccer“ im Red-Bull-Kosmos nicht übermäßig glücklich sei und eine Rückkehr auf die Trainerbank durchaus in Betracht ziehe. „Professor“ Rangnick gilt als Querkopf, was ihm vor etlichen Jahren von Uli Hoeneß den Vorwurf der Besserwisserei einbrachte. Die Sport Bild brachte Rangnick schon vor knapp zwei Wochen beim deutschen Rekordmeister ins Gespräch. Der 61-Jährige gilt als extrem detailversessen. Sein Trainerstern ging in Ulm auf, es folgten die Stationen VfB Stuttgart, Hannover 96, Schalke, Hoffenheim und Leipzig. Sein größter Erfolg war der DFB-Pokalsieg mit Schalke 2011.

Kandidat 2: Massimiliano Allegri zum FC Bayern?

Der 52-jährige Italiener beendete im Sommer seine reich dekorierte Zeit als Trainer von Juventus Turin und wäre sofort zu haben. Der Corriere dello Sport brachte Allegri bereits mit den Bayern in Verbindung, was auch an den guten Kontakten liegen mag, die Vorstandschef Karl-Heinz ­Rummenigge nach Italien unterhält. Gewichtige Argumente gegen Allegri sind allerdings der Mangel an deutscher Sprachkenntnis und seine Ankündigung, ein Sabbatjahr einlegen zu wollen. In seinen fünf Jahren bei Juventus feierte Allegri fünf Meisterschaften, vier Pokalsiege, zwei Supercupsiege und zog zweimal ins Finale der Champions League ein (2015 und 2017) – der große Wurf blieb aber aus.

Kandidat 3: Jose Mourinho zum FC Bayern?

Der exzentrische Portugiese beim FC Bayern? Es braucht eine gewisse Fantasie, um sich das vorzustellen. Immerhin brächte Mourinho (56) eine beeindruckende Vita mit und hätte sicher in der Kabine keine Autoritätsprobleme. Aber wäre „The Special One“ auch in der Lage, die Bayern fußballerisch wieder in die Nähe der Pep-Guardiola-Ära zu führen? Dass ihn die Bundesliga interessiert, hat er kundgetan, Deutsch lernt er ebenfalls seit geraumer Zeit, und frei wäre er auch. Mourinho qualifizierte sich mit dem Champions-League-Sieg mit dem FC Porto 2004 für größere Klubs. Sein Ego war allerdings immer noch ausgeprägter als das des Vereins…

Kandidat 4: Arsene Wenger zum FC Bayern?

Der langjährige Teammanager des FC Arsenal käme als Elder Statesman, der qua seiner Persönlichkeit die Saison retten könnte. Mehr als eine Notlösung wäre der 70-jährige Elsässer aber nicht. Deshalb sollte sein Name nur in die Verlosung kommen, wenn der mögliche Bayern-Wunschkandidat erst im Sommer zu haben wäre. Vorteil: Er spricht fließend deutsch. Wenger hörte nach fast 22 Jahren am Ende der Saison 2017/18 beim FC Arsenal auf. Er wurde von den Gunners-Fans am Ende teilweise heftig kritisiert, weil der Erfolg immer häufiger ausblieb. So bleiben 17 Titel mit Arsenal und vor allem die Erinnerung an teilweise begeisternden Offensivfußball, für den Wenger steht.

Kandidat 5: Thomas Tuchel zum FC Bayern?

Laut Sky-Informationen ist Thomas Tuchel wieder ein Thema an der Säbener Straße. Der FC Bayern habe schon bei dessen Klub Paris Saint-Germain angefragt. Aus dem Umfeld des Trainers soll allerdings die Antwort gekommen sein, dass der 46-Jährige die Saison bei den Franzosen beenden wolle. Bliebe der Traum der katarischen Klub-Besitzer vom Champions-League-Sieg allerdings erneut unerfüllt, könnte es im Sommer zur Trennung kommen. Tuchel stand bereits nach der Entlassung von Carlo Ancelotti und dem Kurzzeit-Engagement von Jupp Heynckes 2018 beim FCB hoch im Kurs, Rummenigge wollte ihn, Uli Hoeneß zögerte – so unterschrieb Tuchel bei PSG.

José Carlos Menzel López

Sehen Sie hier alle Trainerkandidaten in der Übersicht.

Rubriklistenbild: © Christina Pahnke / sampics / sampics

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