Van Gaal: Dortmund ist aus dem Rhythmus

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Louis van Gaal erkennt einen Abwärtstrend beim BVB

München - Für Trainer Louis van Gaal vom FC Bayern hat Borussia Dortmund die deutsche Meisterschaft noch nicht gewonnen. Ein Sieg am Samstag soll der Anfang vom Ende für den BVB werden.

Am Sonntag wird der ruhmreiche FC Bayern München 111 Jahre alt. Das sind „111 Jahre mia san mia“, betont das hauseigene „Bayern Magazin“. „Mia san mia“ - das Selbstwertgefühl des deutschen Fußball-Rekordmeisters ist mit dem Sieg bei Inter Mailand am Mittwoch plötzlich wieder ausgeprägt wie zu besten Zeiten, pünktlich zum Prestigeduell gegen Borussia Dortmund am Samstag bläst deshalb auch die „Abteilung Attacke“ mit breiter Brust zum Angriff. „Wir sind die bessere Mannschaft“, behauptet Präsident Uli Hoeneß, „eins gegen eins haben die Dortmunder keine Chance.“ Die Tabelle signalisiert das Gegenteil.

 

Bayern gegen BVB: Der Vergleich!

Bayern München will gegen Borussia Dortmund (Sa., 18.30 Uhr) den Angriff auf Platz 2 fortsetzen. Doch nicht nur das! Dem weit enteilten Tabellenführer aus Dortmund soll aufgezeigt werden, wer wirklich die stärkste Mannschaft der Bundesliga ist. Wir haben vorab die Spieler miteinander verglichen. Sehen Sie, wer mehr Punkte gesammelt hat und wer das Duell eigentlich gewinnen sollte. © Getty/Montage
TOR: Thomas Kraft (FC Bayern): Bayerns neue Nummer 1 hat gerade das Spiel seines Lebens hinter sich gebracht: Beim 1:0-Sieg in der Champions League bei Inter Mailand hielt der Keeper die Bayern mit mehreren Glanzparaden im Spiel. Hat Trainer Louis van Gaal das Vertrauen mit konstanten bis überragenden Leistungen zurückgezahlt - und auf Grund seines Alters (22) noch jede Menge Entwicklungspotenzial. © Getty
Mitchell Langerak (Borussia Dortmund): Am Freitag kam die Nachricht, dass Roman Weidenfeller definitiv ausfällt. Der Keeper leidet ann einer Innenbanddehnung und einem kleinen Kapseleinriss am linken Knie. Deswegen kommt Mitchell Langerak zu seinem Bundesliga-Debüt. Jürgen Klopp nennt ihn "einen der besten australischen Keeper". Nicht zuletzt weil Thomas Kraft (sechs Bundesliga-Spiele) mit dem Wind aus dem Mailand-Spiel in die Partie geht, gibt es einen Punkt für Bayern. Punktestand: 1:0. © Getty
ABWEHR: Philipp Lahm (FC Bayern): Der Kapitän der Bayern hat als Rechtsverteidiger zwar längst nicht so viele geniale Momente wie auf der linken Seite, hat nach schwächeren Wochen aber zuletzt wieder zu seiner Form gefunden. In Mailand einer der Aktivposten. Zudem als Spielführer eine wichtige Figur in der Team-Hierarchie. © Getty
Lukasz Piszczek (Borussia Dortmund): Der Pole kam zu Saisonbeginn von Absteiger Hertha BSC und profitierte bald von der Langzeitverletzung Patrick Owomoyelas. Piszczek arbeitet solide in der Defensive und setzt immer öfter auch Akzente nach vorne. Dennoch: Klarer Punkt für Bayern! Punktestand: 2:0. © Getty
Anatoli Timoschtschuk (FC Bayern): Der Ukrainer hat sich nach langem Warten endlich in die Stammformation gespielt, wenngleich auf der ihm ungeliebten Position in der Innenverteidigung. Doch Trainer van Gaal setzt auf die Qualitäten des 31-Jährigen im Spielaufbau und zieht ihn deshalb den gelernten Innenverteidigern van Buyten und Breno vor. © Getty
Neven Subotic (Borussia Dortmund): Seit seinem Wechsel vom FSV Mainz 05 nach Dortmund im Jahr 2008 ist der Serbe bei der Borussia im Abwehrzentrum gesetzt. Subotics Stärken liegen im Kopfball- und Stellungsspiel, zudem verfügt der 22-Jährige über eine feine Technik. Subotic gehört zu den besten Verteidigern der Liga. Punkt für Dortmund. Punktestand: 2:1. © Getty
Holger Badstuber (FC Bayern): Nach seiner überragenden ersten Saison bei den Bayern hat der Linksfuß in dieser Saison Probleme, seinen eigenen Ansprüchen zu genügen. Zuletzt wackelte Badstuber in Köln gewaltig, auch beim CL-Spiel in Mailand war bei dem Youngster die eine oder Unsicherheit zu erkennen. Trainer van Gaal hält aber an seinem Zögling fest und baut voll auf den 21-Jährigen. © Getty
Mats Hummels (Borussia Dortmund): Wie auch Badstuber ging Hummels durch die Schule von Amateurtrainer Hermann Gerland - und genau wie sein Gegenüber profitierte der 22-Jährige immens davon. Ebenso wie Badstuber hat Hummels den Sprung in die Nationalmannschaft geschafft. Sein Nebenmann Neven Subotic adelte ihn jüngst als "den besten Innenverteidiger der Bundesliga". Knapper Punkt für Borussia Dortmund. Punktestand: 2:2. © Getty
Danijel Pranjic (FC Bayern): Heimlich, still und leise hat der Kroate den Sprung in die Stammelf bei den Bayern geschafft. Dabei kommt dem Linksfuß seine Vielseitigkeit zugute. Zumeist wird der 29-Jährige derzeit auf der Linksverteidigerposition oder im defensiven Mittelfeld eingesetzt. Beeindruckte beim Sieg in Mailand vor seiner verletzungsbedingten Auswechslung (38. Minute) durch das geschickte Zusammenspiel mit Franck Ribéry. © Getty
Marcel Schmelzer (Borussia Dortmund): Der 23-Jährige gilt als das Talent schlechthin auf der Linksverteidigerposition. Findet meist die richtige Balance zwischen Defensive und Offensive und hat jüngst seinen Vertrag bis 2014 verlängert. Auch hier ein knapper Punktgewinn für Borussia: Punktestand: 2:3. © Getty
MITTELFELD: Luiz Gustavo (FC Bayern): Der 15-Millionen-Neuzugang durfte in seinem ersten Champions-League-Spiel in Mailand erstmals über fast die komplette Distanz auf seiner Lieblingsposition im defensiven Mittelfeld ran. Dabei hatte der Brasilianer so gut wie keine Anpassungsprobleme und lieferte seine bisher beste Vorstellung im Bayern-Dress ab. © Getty
Sven Bender (Borussia Dortmund): Der ehemalige Sechzger, der von seinen Kollegen "Manni" genannt wird, gehört in dieser Saison zu den Leistungsträgern des BVB. Der 21-Jährige räumt im Mittefeldzentrum nahezu alles ab, was da so kommt, und hält so seinem Kollegen Nuri Sahin den Rücken frei. Punkt für beide: Punktestand: 3:4 © Getty
Bastian Schweinsteiger (FC Bayern): Endlich, endlich darf Schweinsteiger wieder auf der "Sechs" ran. Seitdem der Nationalspieler wieder von der "Zehn" abgezogen und auf seine Lieblingsposition vor der Abwehr positioniert wurde, läuft's wieder bei den Bayern. Zeigt stets enorme Präsenz. Balleroberer- und Verteiler zugleich. Weltklasse! © Getty
Nuri Sahin (Borussia Dortmund): Der Deutsch-Türke verleiht dem Spiel des Tabellenführers Leben und Kreativität. Schlägt immens gefährliche Standards. Dennoch: Gegen Schweinsteiger hat er keine Chance. Punkt für Bayern. Punktestand: 4:4. © Getty
Arjen Robben (FC Bayern): Seit er wieder zurück ist, läuft's. Einer der besten Spieler der Welt, mehr Worte sind nicht erforderlich. Den Punkt hat Bayern schon in der Tasche, es sei denn bei den Dortmundern spielt plötzlich Messi ... © Getty
Jakub Blaszcykowski (Borussia Dortmund): Nein, Messi spielt nicht beim BVB, aber dafür "Kuba". Der Pole kickt bereits seit vier Jahren beim BVB und hat sich kontinuierlich entwickelt. Saß allerdings in der Hinrunde öfters auf der Bank, als Kagawa noch fit war. Gegen Robben ohne Chance. Punkt für Bayern. Punktestand: 5:4. © Getty
Thomas Müller (FC Bayern): Wie auch Schweinsteiger musste Thomas Müller in den vergangenen Wochen auf einer ungeliebten Position spielen. Jetzt darf der Nationalspieler wieder hinter den Spitzen ran - und überzeugt als Torschütze und Vorbereiter. Fast unersetzlich im Bayern-Spiel. © Getty
Mario Götze (Borussia Dortmund): Genau so verhält es sich mit Mario Götze bei Borussia Dortmund. Götze kann trotz seiner jungen 18 Jahre am Ball schon alles, verfügt über glänzende Übersicht und ist der Dreh- und Angelpunkt im Dortmunder Spiel. Hat zwar noch nicht so viel Erfahrung wie Müller, auf Grund seiner glänzenden Saison gibt's aber trotzdem einen Punkt. Genau wie für Müller. Unentschieden. Punktestand: 6:5. © Getty
Franck Ribéry (FC Bayern): War am vergangenen Spieltag in Mainz der beste Bayern-Spieler, als er vor Spielfreude nur so sprühte. In Mailand dagegen mit Licht und Schatten. Trotzdem: Ribéry profitiert enorm davon, dass Robben wieder dabei ist und ist noch nicht einmal im Vollbesitz seiner Fitness. © Getty
Kevin Großkreutz (Borussia Dortmund): Zugegeben, Kevin Großkreutz spielt eine sensationelle Saison. Der Neu-Nationalspieler wirbelt auf den Außen fast im Stile eines Robben oder Ribéry. Aber nur fast. In einer anderen Kategorie hat der 22-Jährige seine prominenten Kollegen längst abgehängt: Im Sprücheklopfen. Mal sehen, ob Großkreutz' Wort ("Wir verlieren in der Rückrunde kein Spiel mehr") auch nach dem Bayern-Spiel noch Bestand hat. Punkt für Bayern. Punktestand: 7:5. © Getty
STURM: Mario Gomez (FC Bayern): 18 Bundesliga-Tore in 21 Spielen - Mario Gomez steuert geradewegs auf die Torjägerkanone zu. Trifft nicht nur in der Bundesliga, sondern auch in DFB-Pokal und Champions League. In beeindruckender Form. © Getty
Lucas Barrios (Borussia Dortmund): Was den Bayern ihr Gomez, ist den Dortmundern im Barrios. Anderer Spielertyp als Gomez. Lässt sich mehr zurückfallen und hat weniger die Brecherqualitäten des Münchners. Der einstige Welttorjäger ist für Borussia Gold wert, aber Gomez ist derzeit eben eine Klasse besser. Punkt für Bayern. Punktestand: 8:5. © Getty
RESERVEBANK FC Bayern: Sind alle fit, dann werden hier Butt, Breno, van Buyten, Altintop, Ottl, Klose, Kroos und Contento Platz nehmen. © Getty
RESERVEBANK Borussia Dortmund: Bei den Borussen nehmen Langerak, Sobiech, Santana, Dede, Feulner, da Silva, Lewandowski und Stiepermann Platz. Punkt für Bayern. 9:5. © Getty
TRAINER: Louis van Gaal hat den Bayern in nur eineinhalb Jahren seinen Stempel aufgedrückt. Bayerns Spielstil ist ganz eng mit dem Namen van Gaal verknüpft. In einem Interview sagte der Niederländer kürzlich: "Bis zu meinem Karriereende werde ich immer offensiv spielen lassen, und nichts anderes." Steht auf Grund seines selbstbewussten Auftretens oft in der Kritik, hat aber die vergangenen 20 Jahre den europäischen Vereinsfußball mitgeprägt. © Getty
"Kloppo" ist nicht erst seit seiner Zeit als ZDF-Experte so etwas wie "Everybodys darling". Führt seine Mannschaft mit modernen Methoden und vermittelt seiner jungen Truppe vor allem eines: Spaß am Fußball. Er ist der Trainer der Zukunft - vielleicht eines Tages auch beim FC Bayern. Unentschieden. ENDSTAND: 10:6 für Bayern. © Getty

Es ist „ein ganz besonderes Spiel“, „ohne Frage auch ein Imagespiel“, sagt der Vorstandsvorsitzende Karl-Heinz Rummenigge. Und es ist ein Rekordspiel. In 198 Länder wird die herausragende Begegnung des 24. Spieltags der Bundesliga am Samstag (18.30 Uhr/Sky und Liga total!) live übertragen, nie zuvor bestand weltweit mehr Interesse am Aufeinandertreffen zweier deutscher Mannschaften. Dabei geht es nur um drei Punkte; drei Punkte, die der FC Bayern dringend braucht, um am Saisonende mindestens Zweiter zu sein und so neben dem designierten deutschen Meister Borussia Dortmund direkt in die Champions League einzuziehen.

An die Meisterschaft denkt beim FC Bayern keiner. Oder doch? „Dortmund ist aus dem Rhythmus, das sieht man an den Punkten“, erklärt Münchens Trainer Louis van Gaal. Will heißen: Der BVB ist nicht mehr so souverän wie in der Hinrunde - „und das wird noch stärker werden, wenn wir gewinnen und sie noch mehr Punkte verlieren“, ergänzt der Niederländer. Einstweilen liegen die Münchner üppige 13 Zähler hinter dem Tabellenführer auf Rang drei - Nahziel bleibt, drei Punkte Rückstand auf Bayer Leverkusen wettzumachen. Das ginge nur, wenn Leverkusen am Sonntag (17.30 Uhr/Sky und Liga total!) bei Werder Bremen verliert.

Weil der FC Bayern im Kampf um Platz eins oder zwei nach wie vor von der Konkurrenz abhängig ist, ist ein Sieg gegen die meisterlichen Emporkömmlinge aus Westfalen deshalb vor allem erst mal eins: eine Frage der Ehre. Uli Hoeneß hält ein „Unentschieden oder eine Niederlage für völlig ausgeschlossen“. „Wir gewinnen gegen Dortmund. Das steht außer Frage“, sekundiert Mannschaftskapitän Philipp Lahm. Trainer van Gaal hält derlei Kommentare für überflüssig, er sagt: „Dortmund ist eine sehr gute Mannschaft, spielt wie eine Mannschaft und macht auch gerne mal ein Tor. Sie haben sie beste Verteidigung, das ist unglaublich.“

Die beste Verteidigung wurde am Freitag allerdings auseinandergerissen: Torhüter Roman Weidenfeller fällt aus. Er hatte im Training am Dienstag bei einem Zusammenprall mit Nationalspieler Mats Hummels eine Innenbanddehnung und einen kleinen Kapseleinriss im linken Knie erlitten. Dann spiele für „einen der besten deutschen eben einer der besten australischen Torhüter“, sagte Trainer Klopp bereits. Besagter Australier heißt Mitchell Langerak, ist 22 Jahre alt, kam vor der Saison für 600.000 Euro von Melbourne Victory nach Dortmund - und wird nun sein erstes Bundesligaspiel bestreiten.

Der FC Bayern gegen den BVB - für Dortmunds Trainer Jürgen Klopp ist es im Februar 2011 nicht mehr und nicht weniger als ein „wahnsinnig reizvolles Spiel zwischen der erfolgreichsten Mannschaft der gefühlt letzten 100 Jahre“ und der Mannschaft, „die die meisten Punkte hat.“ Die Bayern sind heiß wie Frittenfett, die Dortmunder können sich Gelassenheit gönnen. Die Münchner besser? Dortmund „eins gegen eins“ ohne Chance? „Man könnte sagen, dass Bayern die individuell höhere Klasse hat“, sagt Klopp, und schränkt doch umgehend ein: „Ich weiß aber nicht, ob ich meinen Jungs damit gerecht werde.“

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Zumindest die Offensive der Münchner, meint Klopp respektvoll, „gehört zum Besten, was weltweit in den gleichen Trikots unterwegs ist“. Aber der Trainer betont auch, „ich bin mir sicher, dass wir das so gut verteidigen können wie kaum eine andere Mannschaft.“ Rein statistisch betrachtet aber sollte sich die Borussia nicht zu sicher fühlen. Vor fast schon neunzehneinhalb Jahren, am 12. Oktober 1991, gewann der BVB das bislang letzte Mal beim FC Bayern (3:0) - da war einer wie der Dortmunder Senkrechtstarter Mario Götze noch gar nicht geboren.

sid

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