Van Gaal: "Ich werde immer so reagieren"

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Louis van Gaal gibt sich nach den jüngsten Erfolgen selbstbewusst

München - Nach dem Sieg gegen Werder Bremen gibt sich Trainer Louis van Gaal selbstbewusst. Aus den diversen internen Reibereien geht er gestärkt hervor. Er würde es wieder so machen.

Grundsätzlich hält sich Louis van Gaal für einen friedlichen Menschen. „Ja, es wäre schön, wenn jetzt bei Bayern etwas mehr Ruhe einkehren würde“, sagte er nach dem 3:1-Sieg bei Werder lachend. Mehr Ruhe – das würde auch dem Vorstand der Bayern gefallen, ebenso wie dem Präsidium in Person von Uli Hoeneß. Zu sehr hatten die Scharmützel der vergangenen Tage die Konzentration gestört.

Exklusiv: Der Blick in Van Gaals Allerheiligstes

Trainer Louis van Gaal gewährte den tz-Reportern Tobias Altschäffl (r.) und Jan Janssen einen exklusiven Einblick in sein Trainerbüro. Los geht's! © sampics
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Auf der rechten Seite des Büros: Ein langer Schrank mit einer Schiebetür auf der rechten sowie auf der linken Seite. Zunächst zögert der Trainer, beschließt aber dann: „Die rechte Seite, die können Sie sehen.“ © sampics
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Er öffnet den Schrank – hervor kommen über 50 Ordner. Van Gaal entgeht nichts. Jede Trainingseinheit, jede Spielszene, ja jeder Spielzug ist festgehalten. „Ich kann Ihnen heute sagen, was ich am 5. April 2010 trainiert habe“, doziert van Gaal. Zu jeder Übungseinheit gibt es bestimmte Ziele. © sampics
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Van Gaal hat einen großen Plan, der nur mit akribischer Kleinarbeit umzusetzen ist. Auch jede Blessur seiner Spieler wird auf einer DIN-A4-Seite festgehalten. „Gomez, Wade, Regeneration“, steht so beispielsweise in einer Liste. Van Gaal ist ein Datensammler. Er liebt die Kontrolle, die Leistungsdiagnostik. © sampics
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Zu den Keepern gibt es einen eigenen Ordner, erstellt in enger Zusammenarbeit mit Torwarttrainer Frans Hoek. Beide entschieden gemeinsam, dass die Zeit für Kraft reif sei. Aber nicht nur die Leistung auf dem Platz werden festgehalten. © sampics
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Einmal wöchentlich müssen die Stars einen Multiple-Choice-Test ausfüllen, der über ihr Wohlbefinden Auskunft geben soll. Darüber wurde auch Luiz Gustavo bereits kurz nach seiner Ankunft – von Videoanalyst Max Reckers – aufgeklärt. © sampics
Für die Ergebnisse gibt es einen eigenen Ordner – genauso wie für die Presse. „Ich sammle wichtige Artikel“, meint van Gaal mit einem Augenzwinkern. „Also sind auch bestimmt welche von Ihnen drin.“ © sampics
Den linken Teil des langen Schrank öffnet er jedoch nicht. „Dort sind die Ordner für die Scouting-Reporte , über Spieler, die interessant für uns sind“, erläutert van Gaal. „Das ist geheim!“ © sampics
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Van Gaals Büro beweist auch, dass der Mann Sinn für Humor hat. An der Seite hängt ein großes Gemälde , im Vordergrund ist van Gaal zu erkennen, hinter ihm ist aber noch ein zweites Gesicht. „Das ist Klinsmann“, erklärt der Trainer – und erntet dafür einen Lacher. © sampics
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„Nein, wirklich“, sagt der Trainer. Er habe das Gemälde „von einem noch unbekannten Künstler“ erhalten. Hinten der grinsende, erfolglose Klinsi, vorne der ernste, aber erfolgreiche van Gaal. Das gefiel dem Trainer. Es ist nur eines der zahlreichen Geschenke in seinem kleinen Reich. © sampics
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Gerade sei eine ganze Ladung Chips eines Sponsors eingetroffen, „die Leute schenken mir gerne etwas“, sagt van Gaal. Auch ein dreieckiger Fußball ist dabei. Fachzeitungen stapeln sich im Büro. © sampics
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Bei einem Blick auf seinen Schreibtisch zeigt sich wieder, wie genau van Gaal seine Ideen plant, wie er die Revolutionen vorantreibt: Hinter ihm hängt ein großer Terminkalender,... © sampics
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auf dem Schreibtisch stehen Wörterbücher – und zwar für jede Nationalität im Kader: französisch, italienisch (ein Überbleibsel aus Luca Tonis Zeiten?), portugiesisch, niederländisch, spanisch, russisch, kroatisch. © sampics
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Dazu: Zwei Praxiswörterbücher Fußball Deutsch-Englisch-Französisch. Damit van Gaal auch bei der nächsten revolutionären Idee nicht die Worte fehlen… © sampics
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Hinter dem Trainer-Schreibtisch von Louis van Gaal an der Säbener Straße hängen unter anderem die Winpel von den Boca Juniors und dem KNVB © sampics
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Hinter dem Trainer-Schreibtisch von Louis van Gaal an der Säbener Straße hängen unter anderem die Winpel von den Boca Juniors und dem KNVB © sampics
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Hinter dem Trainer-Schreibtisch von Louis van Gaal an der Säbener Straße hängen unter anderem die Winpel von den Boca Juniors und dem KNVB © sampics

Erst das kritische SZ-Interview von Uli Hoeneß. Dann die Erwiderung von van Gaal, in der er an den Frieden von Cluj erinnerte, gefolgt vom heftigen Frontalangriff auf seinen einstigen engsten Verbündeten Christian Nerlinger. Nach dessen Konter, in dem er klar machte, dass er ja immer noch van Gaals Vorgesetzter sei, hofften die Bayern – deren Vereinsikonen Kahn und Scholl am Freitag noch als Papageien abgekanzelt worden waren, dass nun endlich Ruhe ist.

"Da könnte er auch drüberstehen", rät Franz Beckenbauer gegenüber Sport1: "Deswegen ist da eine gewisse Empfindlichkeit da. Er könnte es sich ein bisschen einfacher machen.“

Genau das versucht jetzt Christian Nerlinger. Er machte in Bremen gute Miene zum bösen Spiel. Gefragt, ob die Kabbeleien zwischen ihm und van Gaal vergleichbar seien mit einer alten Ehe, lachte Nerlinger und sagte: „Als Ehe würde ich das nicht bezeichnen. So weit würde ich nicht gehen. Aber wir sprechen täglich miteinander und haben das geklärt. Wir haben ein sehr intaktes Verhältnis, das von Respekt geprägt ist und wir schätzen uns sehr.“

Worte, die auch van Gaal gut tun müssten. Immerhin kann der Trainer Unterstützung gut gebrauchen, seine Gefolgschaft innerhalb des Klubs schrumpft trotz des Sieges in Bremen. Der Grund: Die Ausbootung von Kapitän van Bommel kam in der Mannschaft nicht gut an. Zumal van Bommel nicht der einzige Spieler ist, der Probleme trotzmit dem Trainer hat oder hatte. Lucio, Luca Toni, Demichelis, van Bommel und Alaba sind weg, Contento ist wieder bei den Amateuren.

Louis van Gaal: Seine besten Sprüche

"Ich habe in sechs Jahren bei Ajax mehr geschafft, als Barcelona in hundert." (Van Gaal nach seiner Entlassung bei Barca im Jahr 2003) © dpa
"Ich bin der Beste!" (Louis van Gaal nach dem Gewinn der niederländischen Meisterschaft mit AZ Alkmaar 2008) © Getty
"Bayern träumte ja auch schon lange von mir" (Van Gaal nach Bekanntgabe seines Wechsels zu den Bayern im März 2009 auf die Frage, warum er schon lange vom FC Bayern träume) © Getty
"Ich bin ein anderer Trainer als die anderen, ich habe eine eigene Identität." (Van Gaal im Bayern-Magazin im August 2009) © Getty
"Sie können mich rauswerfen, und dann? Es gibt keinen Trainer mit einem besseren Lebenslauf. Wenn ich jetzt weg wäre, wen sollte Bayern dann verpflichten? Ferguson? Capello? Die sind vielleicht erfolgreicher, aber besetzt." (Van Gaal im Oktober 2009 auf die Frage, warum ihn die Bayern trotz des schlechten Saisonstarts nicht feuern sollten) © Getty
"Ich habe einen Körper wie ein Gott." (Van Gaal im Oktober 2009) © Getty
"Seit ich hier bin, scheint die Sonne" (Van Gaal im Dezember 2009) © Getty
"Es gibt nicht viele Trainer in der Welt, die mehr gewonnen haben als ich." (Van Gaal im Februar 2010) © Getty
"Ich kann in die Seele eines Menschen schauen." (Van Gaal im Februar 2010) © Getty
"Geld macht nicht glücklich, es ist wichtig, um sich glücklich zu fühlen, aber für mich ist Anerkennung wichtiger, vor allem die Anerkennung der Spieler." (Van Gaal im Februar 2010) © 
"Ich finde es unglaublich, dass Sie das sagen. Sie haben das total falsch gesehen. Sie können nicht sagen, dass Bayern schlecht gespielt hat. Das kann nicht wahr sein." (Van Gaal im Frühjahr 2010 zu einem TV-Reporter nach dem 1:1 in Nürnberg) © Getty
"Mir ist nie kalt. Ich bin warmblütig, das sagt auch meine Frau. Wir schlafen immer Löffel an Löffel." (Van Gaal im Frühjahr 2010) © Getty
„Wir haben sehr viel Spaß miteinander. Aber auch sehr viel Streit! Truus ist sehr lieb, sie kennt mich sehr gut. Und ich will immer verwöhnt werden. Das macht sie sehr gut. Wichtig ist auch, dass wir noch regelmäßig die Liebe miteinander machen!“ (Van Gaal im Frühjahr 2010 über das Verhältnis zu seiner Frau Truus) © Sampics
"Ich habe zum Vorstand gesagt, dass wir alle Titel feiern werden, ich bin ein Feierbiest." (Van Gaal vor der Meisterfeier des FC Bayern im Mai 2010) © dpa
"Ich bin wohl der flexibelste Trainer. Das Wichtigste ist, dass ich ein Mensch bin. Ein Mensch, dem ganz offensichtlich das Talent gegeben wurde, eine Mannschaft zu trainieren." (Van Gaal im Mai 2010) © Getty
"Ich bin ein Womanizer". (Van Gaal im Mai 2010) © Getty
"Es gibt Leute, die total in Gott vertrauen. Ich vertraue total in mich selbst." (Van Gaal im Mai 2010) © Getty
"Innerhalb von sechs Wochen kann ich eine Mannschaft fertigmachen." (Van Gaal im Juli 2010) © Getty
„Muss dieser Mann die Flasche geben? Ich denke nicht.“ (Van Gaal im Oktober 2010 über Spieler, die nachts aufstehen, um ihr Neugeborenes zu versorgen) © Sampics
„Ich mag die Mentalität. Das ist unglaublich. Sie sind noch fanatischer als ich.“ (Van Gaal im Oktober 2010 über deutsche Fußballer) © dpa
„Ich bin hetero, ich bin ein Frauenmann.“ (Van Gaal im Oktober 2010 auf die Frage, ob er mit Frauen besser zurechtkomme als mit Männern) © Sampics
„Sport besteht nicht nur aus Technik, sondern auch aus Strategie und Persönlichkeit. Ich habe immer eine Strategie.“ (Van Gaal im Oktober 2010) © dpa
„Ich bin so wie ich bin, und diese Art ist nicht einfach, aber ich will meine Persönlichkeit nicht ändern, nur weil andere das wollen.“ (Van Gaal im Oktober 2010) © ap
"Ich war überall der Cäsar" (Van Gaal im November 2010) © dpa

Mit Ribéry rasselt er immer wieder zusammen. Dennoch, der Trainer beharrt auf seiner Linie, und auch im Streit mit Nerlinger würde er niemals klein beigeben. „Ich bin Louis van Gaal, ich bin der Chefcoach. Ich bin verantwortlich und ich werde immer so reagieren, wie ich reagiert habe“, sagte van Gaal. Ein weiterer Seitenhieb gegen den Sportdirektor. Überhaupt gab sich der Trainer extrem selbstbewusst.

„Wir haben schon gegen Stuttgart zweimal gewonnen, jetzt gegen Aachen, Lautern und Bremen. Und wenn die letzten Minuten nicht gewesen wären, hätten wir auch gegen Wolfsburg gewonnen. Wenn man sich das überlegt: sechs Tore gegen Stuttgart, fünf gegen Kaiserslautern, vier in Aachen, jetzt wieder drei in Werder. Das ist unglaublich!“, lobt der Trainer sein Team. Die Resultate stimmen also – müssen nur noch die Reibereien ein Ende haben.

Beckenbauer erinnert sich an die eigene Spielerkarriere - und findet alles halb so schlimm: „Als ich noch gespielt habe, war es gang und gäbe, dass man gestritten hat. Das ist eigentlich ganz normal und das gehört zum Fußball dazu.“

jj / tz

Quelle: tz

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