DAZN-Kommentator im Exklusiv-Interview

FC Bayern Favorit auf CL-Sieg? DAZN-Kommentator Hagemann: „Mit Spielern wie Choupo-Moting oder Douglas Costa ...“

Marco Hagemann: Der DAZN-Kommentator ist beeindruckt vom FC Bayern München.
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Marco Hagemann: Der DAZN-Kommentator ist beeindruckt vom FC Bayern München.

Marco Hagemann, ausgewiesener Fußball-Experte und DAZN-Kommentator, ist beeindruckt vom FC Bayern. Klartext gibt er auch zu Favre, Löw, RB Leipzig und Gladbach.

  • DAZN-Experte Marco Hagemann spricht im Interview über den FC Bayern, Borussia Dortmund, Lucien Favre, Jogi Löw und das deutsche Chelsea-Duo.
  • Vom FC Bayern München ist er beeindruckt und will nicht nur Hansi Flick hervorheben.
  • Im Vergleich zwischen Hansi Flick und Lucien Favre findet er eine Gemeinsamkeit.

München - Der FC Bayern befindet sich in der noch jungen Spielzeit in beeindruckender Frühform. Ein 4:0 zum Auftakt in der Champions League gegen Atletico Madrid in der vergangenen Woche und ein deutlicher 5:0-Erfolg über Eintracht Frankfurt untermauern dies.

Nun geht‘s für den Triple-Sieger am Dienstag zu Lokomotive Moskau. Im Vorfeld der Partie hat tz.de mit DAZN-Kommentator Marco Hagemann exklusiv über die Gründe für die starke Performance des FC Bayern, den ausgeglichenen Kader und die Probleme des BVB gesprochen. Außerdem äußert sich Hagemann zur Thematik Thomas Müller im DFB-Team und die Rollen von Kai Havertz und Timo Werner in der Premier League.

FC Bayern: DAZN-Kommentar Hagemann lobt FCB-Kader - und schwärmt von Lewandowski

Herr Hagemann, der erste Spieltag der Champions League ist absolviert. Der FC Bayern hat seine Ausnahmestellung mit dem 4:0 gegen Atlético Madrid untermauert. Nun geht‘s am Dienstag bei Lokomotive Moskau (18.55 Uhr live und exklusiv in voller Länger auf DAZN) weiter. Geht der Titel in der Königsklasse in diesem Jahr auch wieder nur über die Münchner?

Marco Hagemann: Wir befinden uns aufgrund der Coronavirus-Pandemie natürlich in einer sehr ungewöhnlichen Saison. Insofern ist es schwierig zu prognostizieren, wie die Lage ist, wenn im kommenden Frühjahr die K.o.-Runde startet. Was man festhalten muss ist, dass die Bayern in der Frühphase dieser Spielzeit weder an Intensität, noch an Gier, noch an viel Spielfreude verloren haben. Als amtierender Titelverteidiger sind sie zudem logischerweise einer der großen Favoriten. Wenn man in die anderen europäischen Ligen schaut und beobachtet, was da so passiert – oder eben auch nicht passiert, dann ist das schon beeindruckend, was der FC Bayern bislang abliefert.

FC Bayern: Unschlagbar dank Hansi Flick? „Das gesamte Trainerteam macht wirklich bemerkenswerte Arbeit“

Am Samstag fegte der Rekordmeister Eintracht Frankfurt mit 5:0 aus der Allianz Arena. Sie haben die Gier angesprochen. Woher kommt dieser unfassbare Erfolgshunger, liegt das nur an Hansi Flick oder kommt die auch aus der Mannschaft selbst? 

Hagemann: Es ist eine Symbiose aus beidem. Hansi Flick hat vor einigen Wochen mal einen Satz gesagt, der sinnbildlich für das Ganze steht: „Wir sind Mieter und müssen immer wieder abliefern“. Damit wollte er zum Ausdruck bringen, dass man die gezeigten Leistungen nicht ausruht, sondern sie auch Woche für Woche bestätigt. Er hat eine Mannschaft geformt, die ihm komplett vertraut. Allerdings sollte man auch nicht immer nur Hansi Flick hervorheben. Das gesamte Trainerteam um Hermann Gerland macht eine wirklich bemerkenswerte Arbeit. Bei den vielen Erfolgen, die die Mannschaft in letzter Zeit gefeiert hat, muss das Trainerteam die Jungs gar nicht groß motivieren. Sie legen eine Spielfreude an den Tag, die wirklich beeindruckend ist. Im Vergleich zu vielen anderen Teams haben die Bayern aktuell in Sachen Konstanz ganz weit die Nase vorn. 

Hagemann lobt Kader des FC Bayern: „Muss man sich aktuell wirklich keine Gedanken machen“

Alphonso Davies zog sich am Wochenende eine Sprunggelenksverletzung zu und fällt länger aus. Niklas Süle und Leroy Sané haben schwere Verletzungen hinter sich. Das Coronavirus kann immer wieder zu unvorhersehbaren Problemen führen, wie zuletzt bei Serge Gnabry. Sehen Sie den Kader des FCB qualitativ und quantitativ ausreichend besetzt?

Hagemann: Ganz bestimmt! Wenn ich mir den Kader am Wochenende anschaue, dann ist das schon mehr als ordentlich. Es kam ein Sané von der Bank und erzielte gleich mal ein nicht so schlechtes Tor! Über die breite des Kaders muss man sich beim FC Bayern aktuell wirklich keine Gedanken machen. Sie werden auch die leider Gottes schwere Verletzung von Davies auffangen können. Mit Spielern wie Choupo-Moting oder Douglas Costa haben die Bayern bestens vorgesorgt. 

Robert Lewandowski hat gegen die Eintracht drei Treffer erzielt und mit zehn Toren nach fünf Spielen einen neuen Bundesliga-Rekord aufgestellt. Ist er aktuell der beste Spieler der Welt?

Hagemann: Ja! Er hat eine unglaubliche Entwicklung durchgemacht. Ich kenne ihn noch aus seiner Zeit beim BVB, wo er im ersten Jahr schon als Fehleinkauf abgestempelt wurde. Inzwischen ist er ein absoluter Muster-Profi und versucht das Optimale aus sich herauszuholen. Er hat sich in Sachen Mannschaftsdienlichkeit noch einmal extrem weiterentwickelt. Tore schießen konnte er schon immer, inzwischen sieht er sich aber auch als vollwertiges Mitglied einer Mannschaft. Er ist ein kompletter Stürmer und zur Zeit der Beste, den es gibt. Wenn es eine Wahl zum Weltfußballer gebe würde, würde kein Weg an ihm vorbeiführen.

Marco Hagemann gibt BVB dringenden Rat: „Sonst wird es in den kommenden Jahren schwierig“

Borussia Dortmund hat in der Königsklasse einen bitteren Auftakt hingelegt. Ist die junge BVB-Mannschaft einfach noch zu grün hinter den Ohren?

Hagemann: Es war in Rom ein bisschen nach dem Kinofilm „Und täglich grüßt das Murmeltier“. Wenn man Sebastian Kehl am Wochenende zugehört hat, versucht man intern auch an diesen Ausrutschern zu arbeiten und betreibt Ursachenforschung. So ein Spiel wie gegen Lazio Rom hat man vom BVB leider nicht zum ersten Mal gesehen. Man versucht nun schon seit längerer Zeit, gegen diese gewissen jugendliche Naivität entgegen zu steuern. Daher haben sie in Dortmund Spieler wie Emre Can oder Thomas Meunier geholt, die Erfahrung und eine gewisse Mentalität mitbringen. Es ist ein Prozess und dieser benötigt Zeit. Wichtig ist, dass sie weiter hart daran arbeiten, sonst wird es in den kommenden Jahren schwierig, so nah an die Bayern ranzukommen oder in der Champions League soweit zu kommen, wie man sich das vorstellt.  

Ist Lucien Favre der richtige Coach für den BVB?

Hagemann: Wenn ich ehrlich bin, langweilt mich diese Diskussion um Lucien Favre. Er ist ein Top-Fachmann, auch wenn ihm fehlende Emotionalität vorgeworfen wird – er ist halt so! Hansi Flick ist jetzt auch kein Vulkan oder ein Trainer, der jede PK zu einem Spektakel ausufern lässt. Ich höre aus der Dortmunder Mannschaft, dass sie ihm folgt und vertraut. Er ist einer, der die Spieler besser macht. Wenn wir auf den Punkteschnitt schauen, ist Favre nicht der allerschlechteste BVB-Coach. Wenn die Bayern halt nur zwei Spiele im Jahr verlieren und über 90 Punkte holen, wird es halt schwer mit der Meisterschaft.  

Leipzig und Gladbach mit starken Champions-League-Auftritten: „Werden noch andere Hausnummern kommen“

RB Leipzig zeigt eine auffallend reife Leistung gegen Basaksehir und grüßt auch in der Bundesliga von der Tabellenspitze. Nun reist die Nagelmann-Elf zu Manchester United (Mi., 21 Uhr live und exklusiv in voller länger auf DAZN). Borussia Mönchengladbach überzeugte ebenfalls bei Inter Mailand. Was trauen Sie den beiden Teams zu? 

Hagemann: RB Leipzig finde ich eine sehr spannende Mannschaft. Sie spielen eine nicht kopflosen Fußball unter Julian Nagelsmann und haben in der vergangenen Champions-League-Saison wichtige Erfahrungen gesammelt. Darüber hinaus haben sie sich gut verstärkt und mit Dayot Upamecano die Säule in der Abwehr halten können. Basaksehir war jetzt kein Gradmesser, da werden noch andere Hausnummern kommen. Aber ich halte RB auch national für einen Kandidaten, der lange um die Meisterschaft mitspielen kann. Bei Gladbach bin ich gespannt, wie sie in der Gruppe mit Real Madrid, Inter Mailand und Schachtjor Donezk überwintern wollen. Es ist ein Lehrjahr und sollte sich die Borussia im kommenden Jahr wieder für die Königsklasse qualifizieren, dann sehe ich da auf lange Sicht einen positiven Weg.

Sie kommentieren auch häufig die Spiele der deutschen Nationalmannschaft. Dort waren die Ergebnisse zuletzt nicht so zufriedenstellend und die Kritik an Joachim Löw nahm zu. Ist er noch der richtige Bundestrainer? 

Hagemann: Das glaube ich aktuell schon. Er hat jetzt den Umbruch eingeläutet, an dem hält er konsequent fest. Auf der anderen Seite hat man bei der hoffentlich stattfindenden EM 2021 das Ziel Halbfinale ausgerufen – und daran wird auch der Bundestrainer gemessen werden. Sollte er scheitern, muss man über Konsequenzen nachdenken. 

Ist es dann nicht ein zu großes Risiko auf Spieler wie Thomas Müller oder Mats Hummels zu verzichten?

Hagemann: Aber es gibt ja keine Garantie, dass es mit den Spieler besser laufen wird. Ungeachtet der Klasse, die die Jungs zweifelsfrei haben. Bis vor Vorbereitung auf die EM sind ja noch ein paar Tage. Wer weiß, was bis dahin noch passiert. Es ist nachvollziehbar, dass die deutsche Nationalmannschaft das Ziel EM-Halbfinale ausgegeben hat, weil man genügend Potenzial hat. Erinnern wir uns doch mal an den Confed Cup 2017, was die Jungs damals gefeiert wurden. Die neue Hierarchie muss sich erst noch bilden. Zumal man mit Toni Kroos, Manuel Neuer oder Ilkay Gündogan erfahrene Klasse-Leute in seinen Reihen hat. Wenn man auf die anderen Top-Nationen blickt, stellt man fest, dass in Spanien, Frankreich oder England auch nicht alles rund läuft. Ich glaube, dass Joachim Löw so klar ist, dass, wenn er einen Mats Hummels oder Thomas Müller aus welchen Gründen auch immer bräuchte, anrufen würde. Aktuell geht er seinen Weg – und den sollte man auch akzeptieren, denn es ist eine Entscheidung des Bundestrainers. 

Kai Havertz und Timo Werner beim FC Chelsea: „Schritt zu einem sehr spannenden Klub sehr wichtig“

Mit Kai Havertz und Timo Werner sind zwei hoffnungsvolle Talente in die Premier League zum FC Chelsea gewechselt. Was trauen Sie den beiden zu, schaffen sie an der Stamford Bridge den internationalen Durchbruch? 

Hagemann: Der Start war ja schon mal sehr, sehr ordentlich. Für ihre Persönlichkeitsentwicklung ist dieser Schritt zu einem sehr spannenden Klub sehr wichtig. Neue Sprache, neue Kultur, neue Liga, die in der Spitze viel ausgeglichener als die Bundesliga ist – all das wird ihnen auf dem Weg in der Nationalelf und ihrer weiteren Karriere definitiv helfen. (smk)

Interview: Florian Schimak

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