Fußballverband blamiert sich bis auf die Knochen

Ex-FCB-Coach Heiko Vogel geht Schiedsrichterinnen an: Ungewöhnliche Strafe löst Sexismus-Debatte aus

Heiko Vogel, bis 2017 Trainer der U23, wurde nach einem unsportlichen Verhalten als Gladbach-Coach verurteilt - jetzt steht der Verband in Kritik.
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Heiko Vogel, bis 2017 Trainer der U23, wurde nach einem unsportlichen Verhalten als Gladbach-Coach verurteilt - jetzt steht der Verband in Kritik.

Heiko Vogel, Ex-Jugendtrainer des FC Bayern, muss als Strafe für unsportliches Verhalten sechs Trainingseinheiten einer Frauenmannschaft leiten. Das Urteil löst heftige Kritik aus.

Mönchengladbach - Ende Januar platzte Heiko Vogel, ehemaliger Nachwucchstrainer des FC Bayern und inzwischen Coach der U23 von Borussia Mönchengladbach, an der Seitenlinie der Kragen. Beim Spiel seiner Mannschaft soll sich Vogel den beiden Schiedsrichterassistentinnen gegenüber unsportlich verhalten haben. Daraufhin wurde er vom Schiedsrichter auf die Tribüne geschickt.

Eigentlich keine besondere Sache, oder? Doch jetzt wurde das Urteil des Westfalischen Fußballverbandes (WFDV) publik. Und das lässt Spielraum für Irritationen.

Der ehemalige Trainer der Bayern-Amateure wurde für zwei Spiele gesperrt und muss 1.500 Euro Strafe zahlen. Zusätzlich jedoch wurde Vogel dazu verurteilt sechs Trainingseinheiten einer Frauen- oder Mädchenmannschaft zu leiten. 

Urteil des WDFV: Dunja Hajali (ZDF) und Viktoria Schnaderbeck sind empört

Schnell sorgte die Maßnahme des Verbandes für großen Ärger. Fehlt einem Trainer, der sich unsportlich gegenüber den Assistentinnen verhält, automatisch der Respekt vor Frauen im Fußball? Ist die Leitung einer Trainingseinheit von Frauen als Bestrafung zu sehen?

Vor allem den weiblichen Fußballfans stößt das Urteil sauer auf. "Hoffe, ihr habt euch beim Westdeutschen Fußballverband beschwert", schrieb Dunja Hayali, Moderatorin des "Aktuellen Sportstudios" im ZDF, via Twitter an Borussia Mönchengladbach, "oder was soll der Quatsch? Wieso soll das Pfeifen/Trainieren einer Mädchen- bzw. Frauenmannschaft eine Strafe sein?" 

Noch deutlicher äußerte sich die österreichische Nationalspielerin Viktoria Schnaderbeck. Für die Spielerin des FC Arsenal ist das Urteil eine „bewusste Form des Sexismus“ bei dem sie sich diskriminiert fühlt.

„Strafe“ für Heiko Vogel erinnert an DFB-Urteil gegen Karim Demirbay

Heiko Vogel, der von 2013 bis 2017 beim FC Bayern München angestellt war, muss die Trainingsstunden auf jeden Fall bis zum 30. Juni absolvieren. Der WDFV wollte sich auch auf Sport1-Anfrage übrigens nicht zu dem Sachverhalt äußern.

Eine ähnliche Strafe hatte es schon einmal gegeben: Kerem Demirbay musste ein Spiel zweier Mädchen-Mannschaften leiten, nachdem er Bibiana Steinhaus beleidigt hatte.

(Korbinian Kothny)

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