Fit für die Rückrunde

Ist das FCB Trainingslager überhaupt sinnvoll? Das sagt der Fitness-Experte 

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Fitness-Experte Prof. Dr. Halle über Bayerns Kurztrainingslager.

Der FC Bayern legt in Katar einen Trainingslager-Quickie hin. Ist das wirklich sinnvoll? Fitness-Experte Prof. Dr. Halle sieht Bayerns Kurztrainingslager kritisch.

München -  Ohne Ab- und Anreise bleiben dem deutschen Rekordmeister gerade einmal vier volle Tage, um sich auf das Fußball-Jahr 2018 vorzubereiten.  Reicht das, um den Grundstein für ein erfolgreiche Rückrunde zu legen und Verletzungen präventiv zu vermeiden? 

Die tz hat bei Fitness-Experte Prof. Dr. Martin Halle nachgefragt. Der 55-Jährige leitet unter anderem das renommierte Zentrum für Prävention und Sportmedizin an der Technischen Universität München.

Alle Infos zum FC Bayern München im Trainingslager in Doha können Sie übrigens hier in unserem Live-Ticker verfolgen.

Herr Halle, die Bayern gastieren zum Kurz-Trainingslager fünf Tage in Katar. Ist das aus sportmedizinischer Sicht die richtige Entscheidung?

Prof. Dr. Martin Halle: Ich sage mal jein. Einerseits erhofft man sich durch die Sonne und Wärme eine Art Adrenalinkick bei den Spielern, was in Sachen Leistung förderlich sein kann. Andererseits geht es ja relativ schnell wieder in die kalte Heimat zurück. Dieser Klimawechsel steigert natürlich das Erkältungsrisiko. Es ist eine widrige Situation, dass Winterpause und Trainingslager heuer so kurz sind.

Können in so kurzer Zeit überhaupt Trainingseffekte erzielt werden?

Halle: Schwierig! Das einzig Sinnvolle aus trainingsphysiologischer Sicht ist es, noch mal ein intensives Grundlagenausdauertraining durchzuführen. Auch wenn es die Spieler vermutlich nicht gerne hören: Lange Läufe sind nach wie vor ein erfolgreiches Mittel, um die Grundfitness zu stabilisieren (lacht). Das kommt speziell im Fußball ohnehin zu kurz, weil unter der Saison dafür keine Zeit bleibt.

Warum ist die Grundlagenausdauer so wichtig?

Halle: Das ist entscheidend für die Erholungsphasen. Wenn ich nicht genügend Grundlagenausdauer habe, ist meine mittelfristige Erholung nach Spielen oder intensivem Training nicht schnell genug. Gerade wegen der permanenten Belastung im Profi-Fußball ist die Regeneration das A und O. Es ist ein großer Unterschied, ob ich nach einem angezogenen Sprint nach zwei Minuten oder 30 Sekunden meinen Ausgangspuls erreicht habe. Vielen Mannschaften geht gerade im Saison-Endspurt die Puste aus, das ist ein klares Zeichen dafür, dass zu wenig auf die Grundlagenausdauer geachtet wurde.

Das wissen die Spieler wohl auch und ziehen sich auch in ihrer Freizeit die Laufschuhe an.

Halle: Und das ist enorm wichtig! Ohne eigenständiges Training geht es schon gar nicht mehr. Jetzt ist die ideale Zeit dafür – egal ob James in Kolumbien oder David Alaba auf dem Laufband. Wem joggen zu langweilig ist, dem kann ich speziell im Winter Skilanglauf empfehlen, ein Ganzkörpertraining. Verletzen sollte sich dabei natürlich keiner.

Wenn Sie das Thema Verletzungen ansprechen: Trainer werden oft an der Anzahl verletzter Spieler im Saison-Endspurt gemessen. Wird der Grundstein zur Verletzungsfreiheit im Finale ebenfalls im Winter gelegt.

Halle: Da kommt es auf Individualität an. Heißt: Die Trainer müssen auf die individuellen Fitnesszustände einzelner Spieler eingehen. Der eine kommt von einer Verletzung zurück, der andere hat eine gute und der dritte ein schlechtere Grundlagenausdauer. Alle in einen Topf werfen und einen Jogging-Lauf in Katar machen? Das ist fehl am Platz, das weiß man mittlerweile in der Bundesliga aber auch. Wenn jeder Spieler in den fünf Tagen ein individuelles Training absolviert, orientiert an der entsprechenden Leistungsfähigkeit, dann lässt sich gezielt die Leistungsfähigkeit verbessern und gleichzeitig eine Überforderung vermeiden und somit das Verletzungsrisiko reduzieren. Beim Training mit Ball ist es natürlich eine andere Situation.

Sie raten Jupp Heynckes also zur Grüppchenbildung!

Halle: Wenn es um Grundlagenausdauer geht, würde ich nicht mal zur Grüppchenbildung raten. Im Idealfall trainiert jeder alleine.

In der englischen Premier League müssen die Spieler durchziehen, es gibt keine Winterpause. Ist das ein Fitness-Vorteil?

Halle: Nein, überhaupt nicht. Ich halte es nämlich für sehr sinnvoll, wenn das Training im Vergleich zum Liga-Betrieb zwischenzeitlich alternierend gestaltet wird. Da schließt sich der Kreis: Die Bundesliga-Vereine haben den Vorteil, in der Winterpause sich mit Erholung und Grundlagenausdauer einen Fitness-Vorteil zu verschaffen. Im Gegensatz dazu steigert die Überbelastung in England das Verletzungs- und Erkältungsrisiko. Mit einem grippalen Effekt kann man auch zwei Wochen ausfallen. Und wenn Spieler immer an ihr Limit gehen müssen, ist die Verletzungsgefahr größer. 

  • 26 Pflichtspiele haben die Bayern in der bisherigen Saison absolviert, darunter Liga, Pokal und CL.
  • 27 Pflichtspiele warten im besten Falle auf die FCB-Stars – nämlich dann, wenn alle Finals erreicht werden.

Bilder: FC Bayern fliegt mit Wagner ins Trainingslager nach Doha

Bilder vom Abflug des FC Bayern in Richtung Doha.
Bilder vom Abflug des FC Bayern in Richtung Doha. © dpa
Bilder vom Abflug des FC Bayern in Richtung Doha.
Bilder vom Abflug des FC Bayern in Richtung Doha. © dpa
Bilder vom Abflug des FC Bayern in Richtung Doha.
Bilder vom Abflug des FC Bayern in Richtung Doha. © dpa
Bilder vom Abflug des FC Bayern in Richtung Doha.
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Bilder vom Abflug des FC Bayern in Richtung Doha.
Bilder vom Abflug des FC Bayern in Richtung Doha. © dpa
Bilder vom Abflug des FC Bayern in Richtung Doha.
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Bilder vom Abflug des FC Bayern in Richtung Doha.
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Bilder vom Abflug des FC Bayern in Richtung Doha.
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Bilder vom Abflug des FC Bayern in Richtung Doha.
Bilder vom Abflug des FC Bayern in Richtung Doha. © dpa
Bilder vom Abflug des FC Bayern in Richtung Doha.
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Bilder vom Abflug des FC Bayern in Richtung Doha.
Bilder vom Abflug des FC Bayern in Richtung Doha. © dpa

Interview: Manuel Bonke

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