Kaiser: "Wir brauchen keine Dortmunder!"

München - Früher wurde dem FC Bayern stets vorgeworfen, hartnäckigen Konkurrenten die besten Spieler wegzukaufen. An den Spielern des BVB hat der Rekordmeister offiziell nicht mal ernstes Interesse.

Es ist das Bundesliga-Duell des Jahres. Rekordmeister gegen Tabellenführer, die größten Stars gegen das beste Kollektiv, van Gaal gegen Klopp, rot-weiß gegen schwarz-gelb. Ganz Fußball-Deutschland blickt am Samstag ab 18.30 Uhr auf den Mega-Gipfel in der Allianz Arena. Und Louis van Gaal glaubt: „Die Dortmunder sind aus dem Rhythmus, und das wird immer stärker werden, wenn wir am Samstag gewinnen, und sie weiter Punkte verlieren.“

Bayern gegen BVB: Der Vergleich!

Bayern München will gegen Borussia Dortmund (Sa., 18.30 Uhr) den Angriff auf Platz 2 fortsetzen. Doch nicht nur das! Dem weit enteilten Tabellenführer aus Dortmund soll aufgezeigt werden, wer wirklich die stärkste Mannschaft der Bundesliga ist. Wir haben vorab die Spieler miteinander verglichen. Sehen Sie, wer mehr Punkte gesammelt hat und wer das Duell eigentlich gewinnen sollte. © Getty/Montage
TOR: Thomas Kraft (FC Bayern): Bayerns neue Nummer 1 hat gerade das Spiel seines Lebens hinter sich gebracht: Beim 1:0-Sieg in der Champions League bei Inter Mailand hielt der Keeper die Bayern mit mehreren Glanzparaden im Spiel. Hat Trainer Louis van Gaal das Vertrauen mit konstanten bis überragenden Leistungen zurückgezahlt - und auf Grund seines Alters (22) noch jede Menge Entwicklungspotenzial. © Getty
Mitchell Langerak (Borussia Dortmund): Am Freitag kam die Nachricht, dass Roman Weidenfeller definitiv ausfällt. Der Keeper leidet ann einer Innenbanddehnung und einem kleinen Kapseleinriss am linken Knie. Deswegen kommt Mitchell Langerak zu seinem Bundesliga-Debüt. Jürgen Klopp nennt ihn "einen der besten australischen Keeper". Nicht zuletzt weil Thomas Kraft (sechs Bundesliga-Spiele) mit dem Wind aus dem Mailand-Spiel in die Partie geht, gibt es einen Punkt für Bayern. Punktestand: 1:0. © Getty
ABWEHR: Philipp Lahm (FC Bayern): Der Kapitän der Bayern hat als Rechtsverteidiger zwar längst nicht so viele geniale Momente wie auf der linken Seite, hat nach schwächeren Wochen aber zuletzt wieder zu seiner Form gefunden. In Mailand einer der Aktivposten. Zudem als Spielführer eine wichtige Figur in der Team-Hierarchie. © Getty
Lukasz Piszczek (Borussia Dortmund): Der Pole kam zu Saisonbeginn von Absteiger Hertha BSC und profitierte bald von der Langzeitverletzung Patrick Owomoyelas. Piszczek arbeitet solide in der Defensive und setzt immer öfter auch Akzente nach vorne. Dennoch: Klarer Punkt für Bayern! Punktestand: 2:0. © Getty
Anatoli Timoschtschuk (FC Bayern): Der Ukrainer hat sich nach langem Warten endlich in die Stammformation gespielt, wenngleich auf der ihm ungeliebten Position in der Innenverteidigung. Doch Trainer van Gaal setzt auf die Qualitäten des 31-Jährigen im Spielaufbau und zieht ihn deshalb den gelernten Innenverteidigern van Buyten und Breno vor. © Getty
Neven Subotic (Borussia Dortmund): Seit seinem Wechsel vom FSV Mainz 05 nach Dortmund im Jahr 2008 ist der Serbe bei der Borussia im Abwehrzentrum gesetzt. Subotics Stärken liegen im Kopfball- und Stellungsspiel, zudem verfügt der 22-Jährige über eine feine Technik. Subotic gehört zu den besten Verteidigern der Liga. Punkt für Dortmund. Punktestand: 2:1. © Getty
Holger Badstuber (FC Bayern): Nach seiner überragenden ersten Saison bei den Bayern hat der Linksfuß in dieser Saison Probleme, seinen eigenen Ansprüchen zu genügen. Zuletzt wackelte Badstuber in Köln gewaltig, auch beim CL-Spiel in Mailand war bei dem Youngster die eine oder Unsicherheit zu erkennen. Trainer van Gaal hält aber an seinem Zögling fest und baut voll auf den 21-Jährigen. © Getty
Mats Hummels (Borussia Dortmund): Wie auch Badstuber ging Hummels durch die Schule von Amateurtrainer Hermann Gerland - und genau wie sein Gegenüber profitierte der 22-Jährige immens davon. Ebenso wie Badstuber hat Hummels den Sprung in die Nationalmannschaft geschafft. Sein Nebenmann Neven Subotic adelte ihn jüngst als "den besten Innenverteidiger der Bundesliga". Knapper Punkt für Borussia Dortmund. Punktestand: 2:2. © Getty
Danijel Pranjic (FC Bayern): Heimlich, still und leise hat der Kroate den Sprung in die Stammelf bei den Bayern geschafft. Dabei kommt dem Linksfuß seine Vielseitigkeit zugute. Zumeist wird der 29-Jährige derzeit auf der Linksverteidigerposition oder im defensiven Mittelfeld eingesetzt. Beeindruckte beim Sieg in Mailand vor seiner verletzungsbedingten Auswechslung (38. Minute) durch das geschickte Zusammenspiel mit Franck Ribéry. © Getty
Marcel Schmelzer (Borussia Dortmund): Der 23-Jährige gilt als das Talent schlechthin auf der Linksverteidigerposition. Findet meist die richtige Balance zwischen Defensive und Offensive und hat jüngst seinen Vertrag bis 2014 verlängert. Auch hier ein knapper Punktgewinn für Borussia: Punktestand: 2:3. © Getty
MITTELFELD: Luiz Gustavo (FC Bayern): Der 15-Millionen-Neuzugang durfte in seinem ersten Champions-League-Spiel in Mailand erstmals über fast die komplette Distanz auf seiner Lieblingsposition im defensiven Mittelfeld ran. Dabei hatte der Brasilianer so gut wie keine Anpassungsprobleme und lieferte seine bisher beste Vorstellung im Bayern-Dress ab. © Getty
Sven Bender (Borussia Dortmund): Der ehemalige Sechzger, der von seinen Kollegen "Manni" genannt wird, gehört in dieser Saison zu den Leistungsträgern des BVB. Der 21-Jährige räumt im Mittefeldzentrum nahezu alles ab, was da so kommt, und hält so seinem Kollegen Nuri Sahin den Rücken frei. Punkt für beide: Punktestand: 3:4 © Getty
Bastian Schweinsteiger (FC Bayern): Endlich, endlich darf Schweinsteiger wieder auf der "Sechs" ran. Seitdem der Nationalspieler wieder von der "Zehn" abgezogen und auf seine Lieblingsposition vor der Abwehr positioniert wurde, läuft's wieder bei den Bayern. Zeigt stets enorme Präsenz. Balleroberer- und Verteiler zugleich. Weltklasse! © Getty
Nuri Sahin (Borussia Dortmund): Der Deutsch-Türke verleiht dem Spiel des Tabellenführers Leben und Kreativität. Schlägt immens gefährliche Standards. Dennoch: Gegen Schweinsteiger hat er keine Chance. Punkt für Bayern. Punktestand: 4:4. © Getty
Arjen Robben (FC Bayern): Seit er wieder zurück ist, läuft's. Einer der besten Spieler der Welt, mehr Worte sind nicht erforderlich. Den Punkt hat Bayern schon in der Tasche, es sei denn bei den Dortmundern spielt plötzlich Messi ... © Getty
Jakub Blaszcykowski (Borussia Dortmund): Nein, Messi spielt nicht beim BVB, aber dafür "Kuba". Der Pole kickt bereits seit vier Jahren beim BVB und hat sich kontinuierlich entwickelt. Saß allerdings in der Hinrunde öfters auf der Bank, als Kagawa noch fit war. Gegen Robben ohne Chance. Punkt für Bayern. Punktestand: 5:4. © Getty
Thomas Müller (FC Bayern): Wie auch Schweinsteiger musste Thomas Müller in den vergangenen Wochen auf einer ungeliebten Position spielen. Jetzt darf der Nationalspieler wieder hinter den Spitzen ran - und überzeugt als Torschütze und Vorbereiter. Fast unersetzlich im Bayern-Spiel. © Getty
Mario Götze (Borussia Dortmund): Genau so verhält es sich mit Mario Götze bei Borussia Dortmund. Götze kann trotz seiner jungen 18 Jahre am Ball schon alles, verfügt über glänzende Übersicht und ist der Dreh- und Angelpunkt im Dortmunder Spiel. Hat zwar noch nicht so viel Erfahrung wie Müller, auf Grund seiner glänzenden Saison gibt's aber trotzdem einen Punkt. Genau wie für Müller. Unentschieden. Punktestand: 6:5. © Getty
Franck Ribéry (FC Bayern): War am vergangenen Spieltag in Mainz der beste Bayern-Spieler, als er vor Spielfreude nur so sprühte. In Mailand dagegen mit Licht und Schatten. Trotzdem: Ribéry profitiert enorm davon, dass Robben wieder dabei ist und ist noch nicht einmal im Vollbesitz seiner Fitness. © Getty
Kevin Großkreutz (Borussia Dortmund): Zugegeben, Kevin Großkreutz spielt eine sensationelle Saison. Der Neu-Nationalspieler wirbelt auf den Außen fast im Stile eines Robben oder Ribéry. Aber nur fast. In einer anderen Kategorie hat der 22-Jährige seine prominenten Kollegen längst abgehängt: Im Sprücheklopfen. Mal sehen, ob Großkreutz' Wort ("Wir verlieren in der Rückrunde kein Spiel mehr") auch nach dem Bayern-Spiel noch Bestand hat. Punkt für Bayern. Punktestand: 7:5. © Getty
STURM: Mario Gomez (FC Bayern): 18 Bundesliga-Tore in 21 Spielen - Mario Gomez steuert geradewegs auf die Torjägerkanone zu. Trifft nicht nur in der Bundesliga, sondern auch in DFB-Pokal und Champions League. In beeindruckender Form. © Getty
Lucas Barrios (Borussia Dortmund): Was den Bayern ihr Gomez, ist den Dortmundern im Barrios. Anderer Spielertyp als Gomez. Lässt sich mehr zurückfallen und hat weniger die Brecherqualitäten des Münchners. Der einstige Welttorjäger ist für Borussia Gold wert, aber Gomez ist derzeit eben eine Klasse besser. Punkt für Bayern. Punktestand: 8:5. © Getty
RESERVEBANK FC Bayern: Sind alle fit, dann werden hier Butt, Breno, van Buyten, Altintop, Ottl, Klose, Kroos und Contento Platz nehmen. © Getty
RESERVEBANK Borussia Dortmund: Bei den Borussen nehmen Langerak, Sobiech, Santana, Dede, Feulner, da Silva, Lewandowski und Stiepermann Platz. Punkt für Bayern. 9:5. © Getty
TRAINER: Louis van Gaal hat den Bayern in nur eineinhalb Jahren seinen Stempel aufgedrückt. Bayerns Spielstil ist ganz eng mit dem Namen van Gaal verknüpft. In einem Interview sagte der Niederländer kürzlich: "Bis zu meinem Karriereende werde ich immer offensiv spielen lassen, und nichts anderes." Steht auf Grund seines selbstbewussten Auftretens oft in der Kritik, hat aber die vergangenen 20 Jahre den europäischen Vereinsfußball mitgeprägt. © Getty
"Kloppo" ist nicht erst seit seiner Zeit als ZDF-Experte so etwas wie "Everybodys darling". Führt seine Mannschaft mit modernen Methoden und vermittelt seiner jungen Truppe vor allem eines: Spaß am Fußball. Er ist der Trainer der Zukunft - vielleicht eines Tages auch beim FC Bayern. Unentschieden. ENDSTAND: 10:6 für Bayern. © Getty

Die Festspiele der Bayern sollen nach der magischen Macht von Mailand weitergehen. Die Bosse erwarten nicht weniger als einen „klaren Sieg“, wie Uli Hoeneß deutlich machte: „Ein Unentschieden oder eine Niederlage halte ich für vollkommen ausgeschlossen. Wir sind die bessere Mannschaft. Basta.”

Der Kracher soll zur bayerischen Machtdemonstration werden. Zu groß ist der Vorsprung des BVB in der Tabelle, zu unverschämt waren zuletzt die Aussagen der Dortmunder. Kevin Großkreutz provozierte, Jürgen Klopp legte nach Bayerns 1:0 in Mailand nach: „Das war nicht schlecht. Aber wir fliegen trotzdem nach München.“ Die Messer sind gewetzt, die verbalen Giftpfeile abgefeuert. Louis van Gaal machte seine Stars intern bereits heiß: „Es geht um alles oder nichts: Sie können zeigen, wer die Besten sind!“ Wenn schon nicht mehr Meister, dann zumindest in einem Spiel zeigen, wer die wahre Nummer eins ist. FCB gegen BVB: ein Imagespiel. Die beiden besten Offensivabteilungen (je 49 Tore) im Duell, beste Heim- gegen beste Auswärtsmannschaft, Robbéry gegen Götze, Sahin & Co.: Es ist angerichtet!

Unbestritten spielt der BVB eine grandiose Saison. Das ruft im Normalfall einen Reflex bei den Bayern hervor: Kaufen! Hummels? Kagawa? Oder doch Götze? Welchen Dortmunder hätten’s denn gern? „Sicher wird es Versuche geben, uns Spieler abspenstig zu machen“, gaubt BVB-Boss Hans-Joachim Watzke. Doch der Kaiser hält dagegen – und sagt: Nicht nötig!

„Für unser System, vor allem in der Offensive, sind wir perfekt besetzt. Dahinter hat man auch noch Toni Kroos, Hamit Altintop, viele Möglichkeiten“, erklärt Franz ­Beckenbauer der tz. „Wie die Dortmunder spielen, ist einzigartig. Aber Spieler von Dortmund? Nein, die brauchen wir nicht. Unser Spielermaterial reicht, da hilft einem kein Dortmunder weiter.“

Vorsicht! Fehleinkäufe des FC Bayern aus den vergangenen 20 Jahren

Bilder

Nicht einmal Karl-Heinz Rummenigge versucht, den Dortmunder Jungstars vor dem Duell den Kopf zu verdrehen. „Wir haben eine sehr gute Mannschaft“, meint der Vorstandsboss. „Ich will vor dem Spiel keinen Zirkus veranstalten.“ Dabei wurden den Bayern schon Kontakte zu Dortmunds Durchstartern nachgesagt. Regisseur Nuri Sahin war genauso im Gespräch wie Ex-Bayer Mats Hummels – und ein Riesentalent wie Mario Götze hat der Rekordmeister ohnehin im Blick.

„Natürlich ist Götze das größte deutsche Talent seit Jahren, die Dortmunder spielen einen wunderbaren Fußball, das passt alles bei denen, auch mit Jürgen Klopp“, sagt Beckenbauer. Über den Trainer hatte sich der Ehrenpräsident zuletzt positiv geäußert, er wird als van Gaals Nachfolger gehandelt – vom Bayern-Vorstand gab es zu dieser Personalie vor dem Spitzenspiel keinen Kommentar. Dass die Bayern nach der Saison in Dortmund wildern, ist trotzdem nicht ausgeschlossen – wenn schon nicht beim Trainer, dann in der Verteidigung: Nach wie vor ist Mats Hummels im Visier.

Am Samstag wird genau hingeschaut.„Das Spiel in Mailand hat Kraft gekostet. Dortmund hat da einen Vorteil, sie haben eben keine Doppel- oder Dreifachbelastung“, sagt Beckenbauer – und widerspricht Uli Hoeneß: „Von einem Sieg mit zwei Toren Unterschied gehe ich nicht aus – ich wäre schon froh, wenn wir gewinnen.“ Schlusswort van Gaal: „Wir wollen erst was leisten und dann sprechen.“ Kein schlechtes Motto…

Tobias Altschäffl

Quelle: tz

Rubriklistenbild: © ap

Auch interessant

Meistgelesen

Outfit-Patzer auf Oktoberfest: Manuel Neuer zeigt sich auf der Wiesn nicht stilecht - schon wieder
Outfit-Patzer auf Oktoberfest: Manuel Neuer zeigt sich auf der Wiesn nicht stilecht - schon wieder
Salihamidzics „Zukunfts-Elf“ - so plant der FC Bayern die Mannschaft von morgen   
Salihamidzics „Zukunfts-Elf“ - so plant der FC Bayern die Mannschaft von morgen   
Thomas Müller: Erstes Statement nach angeblichem Wechselwunsch
Thomas Müller: Erstes Statement nach angeblichem Wechselwunsch
Nach Rippenverletzung: Darf der FC Bayern auf das Comeback von David Alaba hoffen?
Nach Rippenverletzung: Darf der FC Bayern auf das Comeback von David Alaba hoffen?

Kommentare