„Das Feld nicht kampflos überlassen“

Eklat auf Bayern-JHV: Vizepräsident schmettert Katar-Antrag ab - Mitglied bezeichnet Verhalten als „unsouverän“

Schon im Vorfeld der Jahreshauptversammlung des FC Bayern sorgt der Katar-Antrag von Michael Ott für mächtig Wirbel. Am späten Abend eskaliert das Thema dann.

Update vom 26. November, 19.41 Uhr: Bayern-Mitglied Michael Ott hat nach der emotionalen Jahreshauptversammlung des FC Bayern München das Verhalten der Vereinsführung hart kritisiert. „Die Beziehung zwischen dem FC Bayern und vielen seiner Fans bröckelt immer weiter. Das Auftreten der Bosse war ein ziemlicher Offenbarungseid“, sagte Ott dem Sender Sport1 am Freitag.

An den Vortagen hatte Ott mit seinem Katar-Antrag bei der JHV des Rekordmeisters für viel Wirbel gesorgt. Das FCB-Mitglied wollte einen Spontanantrag einbringen, um über den bis 2023 laufenden Sponsorenvertrag mit der Fluglinie Qatar Airways abstimmen zu lassen. Das ließ das Präsidium nicht zu und verwies auf eine entsprechende Entscheidung des Landgerichts München I vom selben Tag.

Stattdessen beendete Präsident Herbert Hainer unter Buhrufen und Pfiffen die Veranstaltung, bevor alle eingereichten Redebeiträge gehört wurden. „Das war alles extrem unsouverän, auch gegenüber anderen Mitgliedern mit Wortbeiträgen“, sagte Ott.

Eklat auf Bayern-JHV: Vizepräsident schmettert Katar-Antrag ab - und verweist auf 1860 München

Update vom 25. November, 23.07 Uhr: Nun bezieht Mayer Stellung zu Otts spontanem Katar-Antrag. Er bezieht sich auf das Landgericht. „Der Antrag ist nicht von der Satzung gedeckt“, sagt der Vizepräsident. Mayer weist den Antrag zurück. Diskutieren könne man aber, sagt er. „Buhen Sie ruhig. Aber ich werde nicht zulassen, dass wir über rechtswidrige Anträge abstimmen.“

Mayer sucht des Öfteren nach Worten, während das Publikum immer wieder dazwischengrätscht. „Es ist nicht einfach“, gibt er zu und sucht dann nach Beispielen, warum themenfremde Anträge in einer Jahreshauptversammlung fehl am Platz sind: „Wollen Sie wirklich, dass dann ein Antragssteller kommt und unsere Sponsorenverträge mit Audi, Adidas oder der Telekom beendet wird. Wollen Sie wirklich, dass Spieler auf Antrag verkauft werden oder dass wir im blau-weißen Trikot spielen?“

Jahreshauptversammlung des FC Bayern: Vizepräsident Mayer bezieht Stellung zu den Anträgen

Update vom 25. November, 22.55 Uhr: Michaels Otts erster Antrag (nicht der Katar-Spontantrag) wird in aktualisierte Satzung des FC Bayern übernommen! „So ganz glücklich bin ich mit jedem Wort aber nicht“, sagt Vizepräsident Mayer. Sein zweiter Antrag hingegen gehe aus rechtlichen Gründen fehl. „Mit Verlaub, Herr Ott“, meint Mayer: „Ein schlichter Blick in die Register der Aktiengesellschaft hätte gereicht, um das zu merken.“ Ott hatte beantragt, dass die Mitglieder erst zustimmen müssen, bevor der Verein Anteile der AG von mehr als 25 Prozent verkaufen möchte.

Update vom 25. November, 22.41 Uhr: Jetzt tritt erstmals Katar-Gegner Michael Ott auf die Bühne. Er will seinen Spontan-Antrag stellen, wird aber sofort von Vizepräsident Mayer unter Buh-Rufen eingebremst. Es sei ihm klar, dass er heute „nicht Everybody‘s Darling“ und vertröstet Ott auf später. „Sie können ruhig buhen“, meint Mayer. Dann stellt Ott seine zwei angemeldeten Anträge. Der erste zielt auf das Antragsrecht der Vereinsmitglieder ab. Sein zweiter Antrag lautet, dass die Mitglieder erst zustimmen müssen, sobald der Verein Anteile der AG von mehr als 25 Prozent verkaufen möchte. Beim Thema Katar wird es erst später spannend.

JHV des FC Bayern: Herbert Hainer äußert sich erstmals zu Michael Otts Katar-Antrag

Update vom 25. November, 20.38 Uhr: Seit rund eineinhalb Stunden läuft die Jahreshauptversammlung des FC Bayern nun schon. Nach dem einführenden Bericht von FCB-Präsident Herbert Hainer werden nun die Geschäftsberichte abgearbeitet. Fan-Anträge wie der, den Michael Ott heute zum Thema Qatar-Sponsoring stellen will, stehen erst viel später auf dem Programm – trotzdem adressierten sowohl Hainer als auch Vizepräsident Prof. Dr. Dieter Mayer den Katar-Gegner.

„Wir als Verein stellen uns jedem Diskurs, auch Kritik darf natürlich sein“, erklärte Hainer. Aber die Kritik solle immer sachlich und auf nüchterner Basis erfolgen. Eine Wortwahl wie „niederträchtig und perfide“ gehöre nicht zum Ton des Vereins, mahnte der FCB-Präsident. Im Audi Dome gab es sofort lautstarke Buh-Rufe, als Hainer erstmals Katar in den Mund nahm. Auch Vizepräsident Mayer kritisierte Michael Otts Wortwahl. Er störte sich vor allem am Wort „schämen“. Im Interview mit der AZ hatte Ott genau das gesagt. „Niemand muss sich für den FC Bayern schämen“, erklärte Mayer.

FC Bayern: Katar-Antrag sorgt im Vorfeld der Jahreshauptversammlung für Wirbel

Erstmeldung vom 25. November: München - Im Mittelpunkt der Jahreshauptversammlung des FC Bayern München steht (neben der Corona- und Impfwirren) nach wie vor ein Fan-Antrag, obwohl er gar nicht erst zu Abstimmung zugelassen wurde. Gestellt hatte den Antrag Bayern-Fan und -Mitglied Michael Ott. Sein Ziel: Das umstrittene Katar-Sponsoring des deutschen Rekordmeisters zu beenden. Der FC Bayern ignoriert den Antrag seither gekonnt. Bei der Jahreshauptversammlung wird das Thema dennoch hochkochen, denn Ott gibt auch nach zwei Schlappen vor Gericht nicht auf: „Trotzdem will ich das Feld nicht kampflos überlassen“, kündigt er an.

Weil der FC Bayern bis kurz vor der Jahreshauptversammlung (hier im Live-Ticker) nicht auf Otts unliebsamen Antrag reagiert hat, zog der 28-jährige Rechtsreferendar aus Mainz vor Gericht. Doch weder beim Amtsgericht noch beim Landgericht München hatte er Erfolg mit seiner einstweiligen Verfügung. Redezeit im Audi Dome bekommt Ott dennoch.

FC Bayern Jahreshauptversammlung: Umgang mit Katar-Antrag „unglaubwürdig und respektlos“

„Der ganze Umgang mit meinem Antrag war erschreckend. Die Aussage, dass man keine Zeit gehabt hätte, den Antrag zu bearbeiten, war so unglaubwürdig und respektlos, dass es mich schon verletzt hat“, erklärte Ott wenige Stunden vor der Jahreshauptversammlung im Interview mit der AZ. Dort verriet er auch, wie er das Thema dennoch auf den Tisch bringen will.

Nachdem Otts eigentlicher Antrag heute Abend nicht zur Abstimmung stehen wird, bleibt dem 28-Jährigen nur die Möglichkeit, während der Jahreshauptversammlung einen Spontanantrag zu stellen. Die Krux: Damit über einen Spontanantrag abgestimmt werden kann, benötigt es eine 75-prozentige Zustimmung der anwesenden Mitglieder. Der ursprüngliche Antrag dagegen hätte nur 50 Prozent gebraucht.

Jahreshauptversammlung des FC Bayern: Katar-Gegner Ott hat einen klaren Plan

75 Prozent Zustimmung? „Das ist natürlich eine sehr hohe Hürde. Aus meiner Sicht ist das perfide und niederträchtig, mich in diese Situation zu drängen“, schimpft Ott. Sollte Otts Antrag bei der Corona-Jahreshauptversammlung die 75-Prozent-Hürde überspringen, reicht bei der anschließenden Abstimmung eine einfache Mehrheit, um gegen eine Fortsetzung des Sponsorendeals über 2023 hinaus zu stimmen.

Doch auch für den Fall, dass der Katar-Antrag abgeschmettert wird, hat Michael Ott einen Plan, wie er sich und seinem Anliegen trotzdem Gehör verschaffen kann: „Ich habe noch zwei weitere Anträge eingereicht, die zugelassen sind“, verrät er. Da gehe es zwar um Satzungsänderungen und deshalb könne er nicht zehn Minuten über Katar sprechen. Aber: „Ganz ohne Satz über Katar wird es aber sicher nicht gehen.“ Auch in den Wortmeldungen am Ende der Jahreshauptversammlung will sich Ott gegen das Qatar-Airways-Sponsoring stark machen. Dem FC Bayern stehen also spannende Stunden ins Haus – und an den Bildschirmen werden Tausende live dabei sein. (jo)

Rubriklistenbild: © Frank Hoermann/SVEN SIMON via www.imago-images.de

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