Klinsis erster Tag: Zum Auftakt eine Kampfansage

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Jürgen Klinsmann mit seinem neuen Ersatztorwart Hans-Jörg Butt

Das Warten hat ein Ende. Er ist da: Jürgen Klinsmann (43) leitete am Montag sein erstes Training beim FC Bayern.

Als Erster betrat Christian Lell um 15.16 Uhr mit den Bällen den Trainingsplatz, um 15.25 Uhr kam dann der Chef. Unter den Blicken von rund 700 Zuschauern hielt Klinsmann eine sechsminütige Ansprache an sein zwölfköpfiges Team, dann begann das Training.

Um 17.04 war dann die erste Einheit beendet –und als Motto des Tages blieb stehen: Klinsi kam, sah, und schwieg – erst am Mittwoch will er sich den Medien gegenüber äußern. Nur auf der Bayern-Internetseite sprach er über die Auswirkungen des verlorenen EM-Finals auf die Nationalspieler: „Da werden sie einige Wochen zu knabbern haben.“ Dennoch hätten seine Bayern der EM mit ihren Stempel aufgedrückt: „Schweinsteiger hat phasenweise sehr gut gespielt“, so Klinsmann bei fcb.de. „Philip Lahm war der Linksverteidiger des Turniers. Marcell Jansen hat Aufs und Abs gehabt, Miro Klose hing durch die Konstellation, dass man auf ein 4-5-1 umgestellt hat, oft in der Luft.“ Über Lukas Podolski verlor er kein Wort – Zufall, oder hat er Poldi schon nicht auf dem Zettel? Wie sehr sich Klinsmann auf seinen neuen Job freut, das verriet er allerdings: „Bei uns Trainern kribbelt es wahnsinnig.“ Nur zwölf Spieler waren also im Einsatz. Der Rest erholt sich von der EM, kuriert Verletzungen aus oder spielt in der WM-Quali.

Und Klinsmann richtete gleich eine Kampfansage an die Konkurrenz. „Der FC Bayern gehört zu den Eliteklubs der Welt, mit denen messen wir uns, mit denen müssen wir uns messen“, so der neue Trainer. „Deswegen ist die Zielsetzung klar: Man möchte Titel am Ende des Jahres haben. National ohnehin, und international wollen wir mitreden, wollen soweit wie möglich kommen.“

Klinsmanns erstes Training

Viele Veränderungen: Jürgen Klinsmann drückt dem FC Bayern seien Stempel auf.

An der Säbener Straße wurde deshalb vieles neu gemacht: Aus dem Profitrakt samt Kabinen, Kraftraum und Physio­therapie wurde ein neues, riesiges Leistungszentrum. Und die Trainingsbesucher können sich freuen: Am Freitag und Samstag wurden rund um den „Einser“, den Haupttrainingsplatz, die Zäune ganz oder teilweise abgebaut. Ab sofort sind höchstens hüft­hohe Absperrungen zu finden, die einen freien Blick auf die Kicker zulassen.

Auch die Fans in Lippstadt (13. Juli Uhr), Nördlingen (19. Juli) und Nabburg (20. Juli) dürfen sich bei Tests auf Klinsi freuen. Am 23. Juli findet der T-Home-Supercup gegen Dortmund statt. In Köln rollt am 26. Juli der Ball, und sogar in Japan freut man sich auf den neuen FCB. Am 31. Juli testet Klinsmann gegen Urawa. Höhepunkt der Vorbereitung ist der Franz-Beckenbauer-Cup am 5. August in der Arena gegen Inter Mailand.

Trainingsauftakt beim FC Bayern München

Trainingsauftakt beim FC Bayern München © sampics
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Offiziell lässt sich Jürgen Klinsmann erst beim Training blicken - durchs Fenster ist aber schon vorher ein Blick zu erhaschen. © sampics
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Es ist so weit! Der neue Bayern-Trainer erklärt seinen Spielern, was er sich von ihnen erwartet. © dpa
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Die Körpersprache zeigt: Klinsi will, dass es aufwärts geht mit dem FCB. © dpa
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Der neue Bayern-Coach zeigte sich sportlich, aber adrett gekleidet auf dem Platz. © dpa
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Der Coach und sein Ersatztorwart: Jürgen Klinsmann und Hans-Jörg Butt. © dpa
Klinsmann macht einen entschlossenen Eindruck. © dpa
Viele Stars fehlen natürlich noch. Mark van Bommel, Christian Lell und Andreas Ottl (v.l.) stehen aber schon parat. © sampics
Ein Teil des neuen Teams Klinsmann: Torwarttrainer Walter Junghans (l.) und Assistenztrainer Martin Vasquez (r.). © sampics
Jürgen Klinsmann hat nichts verlernt. Am Ball nicht ... © sampics
... und auch grinsen ... © sampics
... und flachsen kann Klinsi noch par excellence. © sampics
Jürgen Klinsmann auf dem Bayern-Trainingsplatz - noch ist es ein ungewohnter Anblick. © sampics
Aber bald wird es Gewohnheit sein. © sampics
Der Tüftler wird auch den Routiniers (hier Hans-Jörg Butt) noch einiges zeigen können. © sampics
Verleiht er den Spielern sogar Flügel? © sampics
Die europäische Spitze wartet. © sampics

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Ein Plausch beim Espresso, dann ein gemeinsames Mittagessen, doch nach dem ersten Kennenlernen mit den nach der EM nur zwölf anwesenden Profis standen auf dem minutiös ausgearbeiteten Tagesplan bereits der Kraftraum und die erste Trainingseinheit an. “Wir werden über jeden Tag genau Buch führen“, kündigte Klinsmann auf der Homepage des deutschen Branchenprimus an. Künftig müssen die Bayern-Profis einen komplett durchgeplanten Acht-Stunden-Tag absolvieren, im neuen Leistungszentrum stehen auch Ruhezonen etwa mit einer Lounge zur Verfügung. Der erwartete Fan-Ansturm blieb am Montag aus, nur 600 Bayern-Anhänger verfolgten Klinsmanns Start in seine dritte Karriere.

Ziel sei es, die Profis voranzubringen, betonte Klinsmann, der am Montag auch Torhüter Hans-Jörg Butt als ersten Neuzugang begrüßen konnte. “Auf dem Platz mit einer sehr intensiven Trainingsarbeit, die andere ist außerhalb des Platzes, wo wir sie als Menschen weiterbringen möchten.“ Das neue Leistungszentrum sei einzigartig auf der Welt, betonte der Hoffnungsträger. “Das hat kein Real Madrid, kein FC Barcelona. Da sind wir echt stolz drauf.“

Frühzeitig hatte der FC Bayern Klinsmann im Januar als Nachfolger von Hitzfeld präsentiert und damit für einen Überraschungscoup gesorgt. Als Profi hatte der blonde Stürmer beim deutschen Rekordmeister von 1995 bis 1997 alles andere als eine glückliche Zeit erlebt. Auch in seiner Zeit als Bundestrainer gab es wiederholt Misstöne zwischen Klinsmann und dem FC Bayern.

Ausschlaggebend für die Verpflichtung des als Vereinstrainer noch unerfahrenen Klinsmann, der in München einen Zweijahresvertrag erhielt, war dessen ausgeprägter Reformwille. “Diesen Schritt sind wir bewusst gegangen. Wir brauchen einen Mann, der Veränderungen herbeiführt, der sich das traut. Jürgen ist der richtige Mann dafür“, erklärte jüngst Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge. “Wir haben einen Mann gesucht, der neue Wege geht“, beschrieb Manager Uli Hoeneß das Projekt Klinsmann als logische Fortsetzung der nach Jahren der Zurückhaltung nun offensiv ausgerichteten Vereinspolitik.

Zur Seite steht Klinsmann ein Team von zehn Spezialisten. Der Mexikaner Martin Vasquez ist Assistenzcoach, Ex-Profi Christian Nerlinger fungiert als Teammanager. Selbst an Hilfe für frustrierte Profis wie etwa Luca “Toni Torlos“ nach seinem EM-Debakel oder den in München unzufriedenen Lukas Podolski ist gedacht - mit dem früheren Bundesliga-Torhüter Philipp Laux steht ein Sportpsychologe bereit. Auch Hitzfelds langjährige rechte Hand ist mit an Bord: Michael Henke ist als Chefanalytiker für Spieler- und Spielbeobachtung zuständig.

Zum Einstand Klinsmanns gab es einen Vorgeschmack auf die künftige Öffentlichkeitsarbeit: Nur über die vereinseigene Homepage meldete sich Klinsmann zu Wort, erst bei einer Pressekonferenz am Mittwoch will sich der neue Coach den Medien stellen.

Quelle: tz

Quelle: tz

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