Vor "Knaller": Großkreutz zurückhaltend

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Kevin Großkreutz hat viel Lob und Respekt für den FC Bayern München übrig.

München - Vor dem Topspiel hört man weder aus München noch aus Dortmund Kampfansagen - Zumindest eins ist aber klar: “Es wird ein Knaller.“ Was der Dortmunder vor dem Topspiel gegen die Bayern sagt:

Kevin Großkreutz ist bekannt für seine große Klappe: “Jetzt schlagen wir München, Bayern ist reif“, hatte der Dortmunder Mittelfeldspieler im vergangenen Jahr vor dem Gipfeltreffen bei Bayern München noch posaunt - neun Monate später traut sich aber selbst das Sprachrohr nicht mehr aus der Reserve. Überhaupt ist von verbalen Kampfansagen vor dem Topspiel zwischen Rekordmeister und Meister am Samstag (18.30 Uhr) nichts zu hören. Lobhudeleien aus Dortmund, Respektbekundungen aus München - nur innerlich brennt wohl jeder auf das “Spiel des Jahres“.

“Wir verlieren nicht, Punkt, aus“, sagte der 23-Jährige in dieser Woche ganz brav, und überraschte sogar seinen eigenen Trainer Jürgen Klopp: “Das Spiel wurde bisher gar nicht großartig aufgebauscht. Und wir werden den Teufel tun und irgendwelche Parolen raushauen“, sagte der 44-Jährige. Ganz ähnlich ging es am Freitag in München zu: “Dortmund ist zurecht Meister geworden, sie spielen erstklassigen Fußball. Aber wir sind diese Saison eine andere Bayern-Mannschaft“, sagte Trainerkollege Jupp Heynckes zurückhaltend und konnte sich ein müdes Lächeln nicht verkneifen.

Bayern unbezwingbar? “Die ganze Liga drückt uns die Daumen“

Dabei wäre dieses “Imagespiel“, wie es immerhin Bayerns Vorstandsvorsitzender Karl-Heinz Rummenigge vor wenigen Wochen noch genannt hatte, eigentlich prädestiniert für die Abteilung Attacke. Ein Duell der ewigen Rivalen, Tabellenführer gegen Verfolger, Meister gegen Rekordmeister: “Wenn wir 100 Prozent geben, gewinnen wir“, hört man stattdessen aber etwa von Mario Gomez. Es scheint, als wisse inzwischen jeder, dass die Bayern sich in dieser Saison nur selbst schlagen können.

Die Leihspieler der Bayern

Die Leihspieler der Bayern

Markus Babbel wurde von 1992 bis 1994 an den Hamburger SV ausgeliehen. Nach zwei Jahren kehrte der Verteidiger zu den Bayern zurück und wurde Nationalspieler. 2000 wechselte Babbel zum FC Liverpool. © Getty
Manfred Schwabl wurde von Januar 1993 bis 1994 an den 1. FC Nürnberg ausgeliehen. Anschließend verpflichteten ihn die Franken für 2 Millionen D-Mark. Später spielte Schwabl beim TSV 1860 (siehe Bild). © Getty
Stürmer Mazinho wurde von September 1993 bis 1994 an Inter Porto Alegre verliehen. Danach kehrte Mazinho zu den Bayern zurück. 1995 kehrte der Brasilianer den Bayern endgültig den Rücken.
Samuel Kuffour wurde von Januar bis Juli 1996 an den 1. FC Nürnberg ausgeliehen. Anschließend kehrte der Ghanaer zu den Bayern zurück und gewann unter anderem 2001 die Champions League. 2005 wechselte Kuffour zum AS Rom. © Getty
Markus Münch wurde zwischen 1994 und 1996 an Bayer Leverkusen ausgeliehen. Von Januar bis Juli 1998 spielte Münch zudem leihweise beim 1. FC Köln. 1998 wechselte der Linksfuß zu Genua 1893. © Getty
Christian Saba wurde von Januar bis Juli 1999 an Hertha BSC ausgeliehen. Unmittelbar danach kickte Saba für ein halbes Jahr bei Arminia Bielefeld ... © Getty
... ehe er zu den Amateuren des FC Bayern zurückkehrte. © Getty
Berkant Göktan (l.) wurde von Janar bis Juli 1999 an Borussia Mönchengladbach ausgeliehen ... © Getty
... im Anschluss daran spielte Göktan (r.) für eine Saison bei Arminia Bielefeld. Danach kehrte Göktan zu den Amateuren des FC Bayern zurück. © Getty
Philipp Lahm wurde von 2003 bis 2005 als Amateurspieler an den VfB Stuggart ausgeliehen und kehrte anschließend als Nationalspieler zu den Bayern zurück. Dort spielt Lahm noch heute. © Getty
Christian Lell spielte zwischen 2004 und 2006 für den 1. FC Köln und kehrte dann zu den Bayern zurück. Jetzt spielt er bei Hertha BSC und war dort in der Aufstiegssaison Vizekapitän. © Getty
Andreas Görlitz wurde von 2007 bis 2009 an den Karlsruher SC ausgeliehen. Seit 2010 spielt er für den FC Ingolstadt © Getty
Mats Hummels wurde von Januar 2008 bis Januar 2009 an Borussia Dortmund ausgeliehen. Anschließend sicherte sich die Borussia die Dienste des Defensivallrounders für 4,6 Millionen Euro. © Getty
Georg Niedermeier war seit Januar 2009 an den VfB Stuttgart verliehen und sollte im Sommer 2010 nach München zurückkehren. Doch der VfB sicherte sich im Februar die Dienste des Verteidigers bis 2014. © Getty
Toni Kroos war ab Januar 2009 an Bayer Leverkusen ausgeliehen. Kroos kehrte im Sommer 2010 nach München zurück © Getty
José Ernesto Sosa wurde im Oktober 2010 an Estudiantes de La Plata ausgeliehen. Anschließend wechselte der Argentinier zum SSC Neapel. © Getty
Luca Toni wurde im Januar 2010 an den AS Rom ausgeliehen. Er wechselte anschließend zum FC Genua © Getty
Andreas Ottl ließ sich im Januar 2010 für ein halbes Jahr an den 1. FC Nürnberg ausleihen und kehrte anschließend zu den Bayern zurück. Heute spielt Ottl beim FC Augsburg. © dpa
Breno ließ sich im Januar 2010 für ein halbes Jahr an den 1. FC Nürnberg ausleihen - nach seinem Kreuzbandriss kehrte er zurück. Nach einem verkorksten Jahr mit weiteren Verletzungen und Depressionen, steckte er seine Villa in Grünwald in Brand. Die Folge: eine Gefängnisstrafe für den Brasilianer. © dpa
Mehmet Ekici ließ sich im Sommer 2011 an den 1. FC Nürnberg ausleihen. Dort überzeugte der Türke so sehr, dass er anschließend für fünf Millionen Euro zu Werder Bremen wechselte. © Getty
David Alaba (l.) ließ sich im Januar 2011 zu 1899 Hoffenheim ausleihen. Nach seiner Rückkehr überzeugte der junge Österreicher zunächst im Mittelfeld und gegen Ende der Saison 2011/12 als linker Verteidiger. © Getty
Nils Petersen (l.) wurde vor der Saison 2012/13 an den SV Werder Bremen ausgeliehen. Dort soll der ehemalige Zweitliga-Torschützenkönig seine Bundesligatauglichkeit unter Beweis stellen. © dpa

“Die ganze Liga drückt uns die Daumen“, glaubt immerhin Großkreutz angesichts der Vorzeichen, die sich im vergangenen dreiviertel Jahr wieder verschoben haben. Damals, am 26. Februar, war Dortmund als Tabellenführer und 13 Punkte vor den strauchelnden Bayern an die Isar gereist und hatte 3:1 gewonnen. Jetzt schauen die Münchner von oben herab, “eine ganz andere Situation“, sagt Heynckes. Immerhin 50 Prozent glauben laut einer Umfrage des Fachmagazins “kicker“ dennoch an einen BVB-Sieg, nur 35 Prozent hingegen an die Bayern: “Es lesen wohl mehr Dortmund-Fans den 'kicker'“, sagte Klopp schmunzelnd.

Auch acht Punkte Vorsprung keine “Vorentscheidung“

Gewinnt Bayern heuer, droht der Meisterkampf schon von der Winterpause langweilig zu werden. Ein Münchner Sieg würde den Vorsprung des “Topfavoriten auf alles in der Liga“, wie Klopp den kommenden Gegner liebevoll umschreibt, auf acht Punkte wachsen lassen. Das wäre zwar “noch keine Vorentscheidung“, sagte Gomez: “Aber wir wissen alle, dass es ein sehr wichtiges Spiel gegen den ärgsten Konkurrenten ist“. Heynckes bezeichnete die Partie als “richtungsweisend für die kommenden Wochen, aber nicht für den Rest der Saison“. Sowieso haben die Bayern aber auch einen Fünf-Punkte-Vorsprung erst zweimal (92/93 und 95/96) verspielt.

Genau daraus ziehen die Dortmunder aber ihre Motivation. Neun Heimspiele in Folge haben die Bayern gewonnen, dazu 36:2 Tore erzielt. “Das ist reizvoll“, sagt Klopp, allerdings auch “sehr schwer. Wir sind uns völlig im Klaren, dass Bayern in einer Topverfassung und mit einer überragenden Einstellung mit uns zu Werke geht.“

Die Kompensation von Bastian Schweinsteigers Ausfall (Schlüsselbeinbruch) im ersten Spiel gegen einen Top-Gegner dürfte der Schlüsselpunkt im Bayern-Spiel werden. Zumal Heynckes in der Defensive auch noch auf den rot-gesperrten Anatolij Timoschtschuk verzichten muss. Sogar Kapitän Philipp Lahm sei nun als Alternative ins Gespräch.

Robben wieder im Kader, aber zunächst auf der Bank

Auch Dortmund muss ein wenig improvisieren: Für Neven Subotic (Mittelgesichtsbruch) spielt Felipe Santana, zudem droht der Ausfall von Linksverteidiger Marcel Schmelzer. Immerhin würde aber auch der mögliche Ersatzmann Chris Löwe nicht gleich auf den rekonvaleszenten Münchner Dauerpatienten Arjen Robben treffen. Der Niederländer steht zwar im Kader steht, wird aber zunächst auf der Bank Platz nehmen. “Aber auch von da kann er richtig stark sein“, weiß Klopp.

Auch wenn Gomez beteuert, dass das Gipfeltreffen für ihn “eine ganz normale Liga-Partie“ sei, heiß auf das Duell sind beide Mannschaften. Nur einen Satz hörte man wohl deshalb von beiden Trainern: “Es wird ein richtig gutes Fußballspiel. Ein Knaller.“ Immerhin.

AP

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