Kraft: Verlängert er trotz Neuer? Oder Wechsel zum HSV?

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Bald Konkurrenten im Bayern-Dress? Manuel Neuer (l.) und Thomas Kraft

München - Thomas Kraft erklärt, dass er sich auch im Fall einer Verpflichtung von Manuel Neuer einen Verbleib bei Bayern vorstellen könnte. Der Hamburger SV soll Interesse an dem Keeper haben.

Torhüter Thomas Kraft haben die Bayern angeboten, seinen auslaufenden Vertrag um zwei Jahre zu verlängern - obwohl sie weiter an einer Verpflichtung von Nationaltorwart Manuel Neuer von Schalke 04 interessiert sind. "Ich schließe nicht aus, dass ich bei Bayern bleibe, auch für den Fall, dass Neuer kommt", sagte Kraft der Sport Bild: "Solange mir eine Perspektive geboten wird, kann ich mir alles vorstellen."

Kraft/Neuer: Wer ist besser? Jean-Marie Pfaffs Analyse

Neuer oder Kraft, wer ist besser? Bayerns Torhüter-Legende Jean-Marie Pfaff analysiert die Stärken und Schwächen der beiden Konkurrenten. © Getty
Strafraumberrschung: Was das Abfangen von Hereingaben in den Strafraum angeht, zeigte Manuel Neuer (Foto) immer mal wieder Schwächen. Beispiel: Im ersten Rückrundenspiel gegen den HSV  tauchte er mehrfach unter dem Ball hindurch. Kraft hingegen wirkt gerade bei Ecken und Flanken stets sehr sicher. „Für mich hat Kraft bei hohen Hereingaben leichte Vorteile. Er kann die Flanken offenbar besser einschätzen, kommt nur dann raus, wenn er sich absolut sicher ist. Neuer ist manchmal etwas übereifrig“, sagt Pfaff. © Getty
Reflexe: Beide sind bekannt für ihre unglaublichen Reflexe. Sensationell, wie Neuer den Schalkern im vergangenen Jahr das Achtelfinale gegen Porto quasi im Alleingang gewann. Auch Thomas Kraft hatte in seinen wenigen Spielen bereits einige starke Reaktionen: zum Beispiel gegen Aachen oder Inter (Foto). Bayern-Legende Pfaff: „Sie haben beide super Reaktionen auf der Linie. Weil sie ständig unter Spannung stehen und sehr gut antizipieren. Bei diesem Kriterium sehe ich sie beide auf einem Level.“ © Getty
Ballbehandlung mit dem Fuß: Beide sind mitspielende Torhüter, haben die Aufgabe das Spiel mit aufzubauen. Neuer wurde in der Jugend schon beidfüßig trainiert. „Der könnte locker auch in der Regionalliga im Feld mitspielen.“, sagt Toni Schumacher ihn. Auch Kraft (Foto) ist mit dem Fuß sehr sicher, sein Linker ist aber etwas schwächer, besonders bei langen Bällen. „Ich habe das Gefühl, dass Neuer sicherer mit dem Fuß ist, als Kraft. Vor allem mit seinem Schwächeren“, urteilt Pfaff. © Getty
Spieleröffnung: Neuers (Foto) Spezialität. „Das macht er fantastisch. Er kann abgefangene Bälle punktgenau nach vorne in die Füße der Stürmer bringen, leitet so Gegenangriffe ein. Egal ob mit einem weiten Abwurf über die Mittellinie oder mit einem schnellen, flachen Abstoß aus der Hand. Das ist sehr wichtig“, so Pfaff. Hier kann Kraft am meisten dazulernen. © Getty
Körperliche Voraussetzung: Vor der Robustheit her sind sich beide ähnlich, doch ist Neuer mit 1,93 Metern rund sechs Zentimeter größer als Kraft. Ein Längenvorteil, der entscheidend sein kann? „Quatsch! Die paar Zentimeter machen überhaupt nichts aus. Das macht Kraft (Foto) mit Cleverness und Geschmeidigkeit wieder wett“, sagt Pfaff. © Getty
Eins-gegen-Eins: Auch hier hat Neuer (Foto) leichte Vorteile. „Auch wenn es einfach klingt: Ich bemühe mich immer, mich selbst möglichst groß und das Tor möglichst klein zu machen“, sagt Neuer. „Das gelingt ihm sehr gut. Er bleibt sehr lange stehen, wirft sich erst ganz zum Schluss in den Schuss. Kraft ist mir da manchmal zu ungestüm, er muss das noch abgebrühter werden“, urteilt Pfaff. © Getty
Abwehrorganisation: „Neuer (Foto) ist durch die WM zu einem gestandenen, respektierten Nationalspieler geworden. Er dirigiert lautstark, seine Abwehr hört auf ihn. Das ist wichtig“, sagt Pfaff. Und: Er ruft nur, was sinnvoll ist, überflüssige Wutausbrüche spart er sich. „Kraft ist viel ruhiger, sehr zurückhaltend. Das ist zum Teil seine Persönlichkeit, aber auch weil er noch neu ist. Das muss er jetzt schnell ablegen“, sagt Pfaff. © Getty
Erfahrung: Hier hat Neuer einen enormen Vorteil. Fast 150 Bundesliga-Spiele, eine WM als Stammtorhüter. Kraft hat gerade mal sieben Erstligaspiele gemacht. „Das ist schnell aufgeholt. Wenn Kraft regelmäßig spielt, hat er schnell genug Erfahrung. Ich sehe das nicht so dramatisch“, sagt Pfaff. © Getty
Vereinstreue: Am 1. März feierte Neuer (Foto von 2003) das 20-jährige Jubiläum seiner Vereinszugehörigkeit. Früher stand er im Block, er ist Mitglied der Schalker Ultra-Vereinigung. Buerschenschaft. Deswegen lieben ihn die Schalker Fans – und deswegen lehnen ihn Teile der Bayern-Fans ab. Ein Argument gegen seinen Wechsel? Pfaff: „Das darf keine Rolle spielen. Man muss Respekt vor den Fans haben, aber jeder hat seine eigene Karriere. Das werden die Fans akzeptieren“, sagt Pfaff. © Getty
Fortsetzung zum Thema "Vereinstreue": Kraft genießt bei den Bayernfans große Akzeptanz. Er ist seit 2004 im Verein, spielte für die Amateure. © sampics
Fazit von Pfaff: „Auch wenn Neuer noch einen Tick besser ist – wenn Kraft so weiter macht, brauchen die Bayern Neuer nicht zu holen. Dann hat Kraft das Zeig ein ganz Großer zu werden. Eine Legende, wie Maier, Kahn oder ich.“ © Getty

Sollte der FC Bayern einen fairen Konkurrenzkampf zwischen ihm und Neuer ausrufen, wäre Kraft offenbar bereit, sich diesem zu stellen. Zudem enthält der ausgearbeitete Zweijahres-Vertrag laut Sport Bild eine Sonderklausel: Sollte Kraft eine gewisse Einsatzmarke nicht erreichen, könnte er den Verein schon nach einer weiteren Saison verlassen.
"Beide Seiten haben miteinander gesprochen, und wir werden in den kommenden Tagen wieder sprechen", kündigt Kraft an.
Unterdessen berichtet das Hamburger Abendblatt, der Hamburger SV habe Verhandlungen mit Kraft aufgenommen. Bei den Hanseaten könnte Kraft in der nächsten Saison Frank Rost als Keeper beerben. Der 37-Jährige ist in der Führungsetage des HSV schon länger nicht unumstritten. Seine öffentliche Kritik am Vorstand nach dem Spiel in Mönchengladbach hat zudem für weiteres Ungemach gesorgt. Der selbstbewusste Sachse gilt auch in der Mannschaft nicht als durchweg beliebt. Rost ist auch bei Hertha BSC im Gespräch.

Diese Spieler wechselten zwischen dem FC Bayern und dem HSV

Armin Eck verließ 1989 den FC Bayern nach 39 Bundesliga-Spielen (zwei Tore) in Richtung Norden. 1995 (nach 129 Bundesliga-Spielen und 19 Toren) ging Eck dann zu Arminia Bielefeld. © AP
Markus Babbel ließ sich 1992 als 20-Jähriger für zwei Jahre zum HSV ausleihen, um Spielpraxis zu sammeln. 1994 kehrte Babbel, nach 60 Bundesliga-Spielen für die Hamburger, als fertiger Spieler nach München zurück. © dpa
Hasan Salihamidzic spielte in der Jugend des Hamburger SV und dann drei Jahre bei den Profis (72 Bundesliga-Spiele, 19 Tore). 1998 schnappten die Bayern zu und verpflichteten „Brazzo“. Das Bürschchen blieb bis 2007 in München (234 Bundesliga-Spiele, 30 Tore). © Schlaf Marcus
Niko Kovac wechselte 2001 vom HSV zu den Bayern. Der Kroate blieb zwei Jahre in München (34 Bundesliga-Spiele, 3 Tore) und wechselte 2003 zu Hertha BSC. © AFP
Stephan Kling spielte bei den Bayern-Amateuren und wechselte ohne Bundesliga-Einsatz im Jahr 2002 zum HSV. Dort kam der Abwehrspieler in zwei Jahren auf 26 Bundesliga-Spiele. Anschließend ging Kling zum 1. FC Saarbrücken. © dpa
Piotr Trochwoski ist gebürtiger Hamburger, spielte aber in der Jugend des FC Bayern. Nach dem Sprung zu den Profis bestritt „Troche“ für die Bayern 13 Bundesliga-Spiele, ehe er 2004 zum HSV wechselte. Dort wurde der Mittelfeldspieler zum Nationalspieler. 2011 wechselte er nach Spanien zum FC Sevilla. © dpa
Daniel van Buyten avancierte seit seinem Wechsel von Manchester City zum HSV im Jahr 2004 zu einem der besten Verteidiger der Bundesliga. Die Bayern schnappten 2006 zu und verpflichteten den Belgier für zehn Millionen Euro. 2014 beendete van Buyten seine Karriere beim FC Bayern nach insgesamt 158 Spielen. © afp
Paolo Guerrero ging den ähnlichen Weg wie Piotr Trochwoski. Nach dem Sprung aus der Jugend zu den Bayern-Profis (27 Spiele, 10 Tore) wechselte der Peruaner 2007 zum HSV. Dort blieb der "Krieger" bis 2012 (134 Spiele, 37 Tore). © picture alliance / dpa
Marcell Jansen spielte nach seinem Wechsel von Borussia Mönchengladbach nur eine Saison beim FC Bayern (Saison 2007/2008: 17 Bundesliga-Spiele) und ging dann für zehn Millionen Euro in den Norden. © picture alliance / dpa
Ivica Olic kam im Sommer 2009 zum Nulltarif von Hamburg nach München. Zwischen Februar 2007 und Juli 2009 bestritt der Kroate 78 Bundesliga-Spiele (29 Tore) für die Hanseaten. Für die Bayern erzielte er zwischen 2009 und 2012 13 Tore in 55 Spielen. © dpa
Ze Roberto spielte zwei Mal bei den Bayern (2002 bis 2006 und 2007 bis 2009). In dieser Zeit absolvierte der filigrane Brasilianer 169 Bundesliga-Spiele (14 Tore). Der HSV bot dem Mittelfeldspieler im Sommer 2009 einen Zwei-Jahresvertrag, die Bayern nur einen über ein Jahr: So wechselte Zé nach Hamburg. Dort blieb der Brasilianer bis 2011. © dpa
Julian Green wurde zu Beginn der Saison 2014/2015 für ein Jahr vom FC Bayern an den Hamburger SV verliehen. © MIS

Eine Verpflichtung des 22 Jahre alten Kraft würde in Hinblick auf die angestrebte Verjüngung des HSV-Kaders Sinn machen. Der Vertrag des Torwarts in München läuft überdies zum Saisonende aus, sodass er ablösefrei wäre.

sid/al.

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