Und deutliche Worte in Richtung Hoeneß

Lahm wollte einfach nicht werden wie Nerlinger

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Philipp Lahm.

München - Philipp Lahm hat noch einmal klargestellt, warum er nicht Sportdirektor des FC Bayern werden will. Uli Hoeneß hat einfach zu viel Macht dafür.

Skifahren, Tennis, Golf, vielleicht ab und an mal eine kleine Runde laufen: So wird das Sportprogramm von Philipp Lahm ab Sommer aussehen. Spätestens nach 3. Juni, dem Tag des Champions League-Finals in Cardiff, ist der 33-Jährige Rentner, und einen kleinen Vorgeschmack gönnte sich der Kapitän des FC Bayern schon in der Länderspielpause. In Österreich, da, wo die frühlingshaften Temperaturen den Schnee noch nicht haben schmelzen lassen, ging er mit seinem Sohn Julian auf die Skipiste. Ein bisschen ausspannen, Kraft tanken, bevor ab Samstag neun Spiele in 28 Tagen anstehen. Weil er sich um die Zukunft seines Herzensklubs nicht mehr zu sorgen braucht, fällt die Freizeit doch deutlich üppiger aus als ursprünglich mal geplant.

Knapp zwei Monate ist es her, dass Lahm sich nach dem Bundesliga-Spiel gegen den VfL Wolfsburg vor die versammelte Medienschar gestellt und die Bayern-Bosse mit seiner öffentlichen Rücktritts- und gleichzeitigen Verzichtserklärung auf den vakanten Sportdirektor-Posten überrumpelt hat. Seitdem hat er zwar oft genug über seine Beweggründe gesprochen und seinen Unmut über die gescheiterten Verhandlungen auch nicht unbedingt versucht zu verstecken. So offen wie nun gegenüber dem stern hat er sich aber noch nie geäußert. Denn dass Präsident Uli Hoeneß der Hauptgrund für Lahms Absage war, liest sich aus dem Gespräch deutlich heraus. „Ich glaube, dass Uli Hoeneß noch zu tatkräftig ist, um loszulassen. Zu jung. Er will die Dinge selbst beeinflussen“, sagte Lahm dem Magazin.

Die mangelnde Bereitschaft der Bayern, Lahm als Sportdirektor einen Sitz im Vorstand zu überlassen, hat letztlich zum Abbruch der Gespräche geführt. Denn der ehemalige Nationalspieler hatte sich „aus Erfahrungen als Spieler und Kapitän“, aber auch aus „Erkenntnissen“, die er aus der Zusammenarbeit mit Christian Nerlinger (Sportdirektor) und Matthias Sammer (Sportvorstand) gesammelt hat, ein eigenes Anforderungsprofil für die Aufgabe des „Sportverantwortlichen“ erstellt. Seine Meinung: „Generell kann man nur Dinge rund um die Mannschaft beeinflussen, wenn man die Verantwortung hat.“ Heißt übersetzt: Nerlinger hatte im Team (noch) weniger zu sagen als Sammer. Und Lahm wollte nicht werden wie er.

Christian Nerlinger (l.) und Philpp Lahm.

Dass Hoeneß die Kompetenzen in der Führungsetage nicht neu verteilen wollte, nimmt er dem Präsidenten – zumindest offiziell – nicht übel: Selbst Einfluss zu nehmen, sagte Lahm, sei „auch sein gutes Recht, denn er ist Aufsichtsratsvorsitzender und hat Unglaubliches für den Klub geleistet“. Die Tür zurück zum FC Bayern ist derzeit verschlossen, beide Seiten aber haben sich darauf verständigt, dass sie zu einem späteren Zeitpunkt als den ursprünglich anvisierten 1. Januar 2018 leicht wieder aufgestoßen werden kann. Für den Moment sieht Lahm die Sache „ganz sportlich: Wir hatten verschiedene Vorstellungen von der Position, damit ist das Thema für mich abgehakt.“

Noch nicht ganz abgehakt ist die aktive Laufbahn. Und obwohl Lahm seinen vergleichsweise frühen Rücktritt damit begründet, „schon alles erlebt zu haben“, merkt man ihm das Bestreben nach einem letzten großen Titel an. „Intensiver als sonst“ geht er die verbleibenden Spiele an. Wenn die Bayern im Champions League-Viertelfinale bei Real Madrid antreten, „weiß ich, dass ich zum letzten Mal im Bernabeu auflaufen werde“. An einen Rücktritt vom Rücktritt – wie bei Bayern intern erhofft – ist aber nicht zu denken: „Tatsächlich habe ich das Gefühl, alles ausgereizt zu haben.“ Mit 33 fühle sich jeder Sprint anders an als mit 20, „und Sie sehen nicht, wie schwer es mir fällt, am Morgen nach einem Spiel aufzustehen“, sagte Lahm.

Nach China zu gehen, oder wie Bastian Schweinsteiger in die USA, war nie eine Option: „Das ist doch irreal, was da passiert. Ich hatte auch so das Glück, viel Geld zu verdienen.“ Und auch für die Zukunft plant Lahm keine großen Abenteuer. „Eine Weltreise beginnt für mich in München und endet am Tegernsee“, sagte er. Und wenn es dazwischen keinen Schnee gibt, kann man gerade noch bis nach Österreich fahren.

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