Heynckes: Sein 1000. Spiel in der Bundesliga

Lattek über Jupp: "Baut ihm ein Denkmal"

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Udo Lattek gratuliert Jupp Heynckes.

München - Am Samstag beim Spiel gegen Werder Bremen feiert Jupp Heynckes sein 1000. Spiel als Profi und Trainer in der Bundesliga. In der tz gratulieren dem Bayern-Trainer alte Weggefährten.

Drei Jahre lang, von 1975 bis 1978, hieß der Trainer von Jupp Heynckes Udo Lattek. Mit 45 Toren in 65 Bundesliga­spielen sorgte Heynckes dafür, dass er und Lattek zweimal gemeinsam Meister mit Borussia Mönchengladbach wurden (1976, 1977). Aber auch eine große Enttäuschung galt es für beide zu verkraften: 1977 verlor Gladbach das Finale im Europacup der Landesmeister 1:3 gegen Liverpool. Die tz sprach mit Lattek, der heute in der Arena sitzt, über Heynckes.

1000 Spiele in der Bundesliga – was sagen Sie zu diesem außergewöhnlichen Jubiläum?

Lattek: Gratulation. Es ist die Anerkennung für eine großartige Leistung über viele Jahre hinweg. Ob als Torjäger oder später als Trainer.

Wie war das, als Sie sich im Sommer 1975 kennengelernt haben? Sie kamen ja vom FC Bayern, mit dem Sie dreimal Meister und einmal Europacupsieger geworden waren. Wurde man da von einem wie Heynckes, der schon 30 war und viele Erfolge feiern konnte, sofort akzeptiert, weil man vom großen Rivalen kam?

Lattek: Ach, das war am Anfang eine ganz schwierige Geschichte. Ich wurde ja sehr argwöhnisch beobachtet und immer wieder ausgetestet, wie ich auf gewisse Sachen reagiere. Einer wie Jupp Heynckes ist ja über viele Jahre von meinem Vorgänger Hennes Weisweiler geprägt worden, ich dagegen bin mit Franz Beckenbauer groß geworden.

Hört sich so an, als sei Heynckes ein schwieriger Spieler gewesen…

Lattek: Jupp ist immer seinen eigenen Weg gegangen und hat dabei auch keinen schweren Weg ausgelassen. Und er war darauf bedacht, dass er im Mittelpunkt stand und seine vielen Tore entsprechend gewürdigt wurden.

Allein fünf hat er 1978 am letzten Spieltag beim legendären 12:0 gegen Dortmund geschossen. Trotzdem wurde der 1. FC Köln aufgrund des besseren Torverhältnisses Deutscher Meister. Ihre Erinnerungen daran?

Lattek: Dass wir noch höher gewonnen hätten, wenn wir komplett gewesen wären. Aber es war in Ordnung so. Es wäre nicht verdient gewesen, wenn wir Meister geworden wären.

Jupp Heynckes wurde in der Saison danach Ihr Co-Trainer. Auf Ihren Wunsch?

Lattek: Das war der Wunsch von Borussia Mönchengladbach. Man wollte verdiente Spieler weiter an den Verein binden. Wir haben normal zusammengearbeitet. Es ist ja so, dass Jupp und ich nie Freunde gewesen sind. Erst vor einem Jahr sind wir uns beim 60. Geburtstag von Uli Hoeneß in den Armen gelegen. Unsere Frauen übrigens auch.

1989 haben Sie sich zusammen mit Christoph Daum als Vertreter des 1. FC Köln beim legendären Wortgefecht im Sportstudio mit Uli Hoeneß und Heynckes ja sehr gezofft. Unvergesslich, oder?

Lattek: Ja, da wurde der Jupp ganz schön in den Boden gestampft. Aber ich habe mich eher rausgehalten.

Diese Erfolge feierte Jupp Heynckes mit den Bayern

Diese Erfolge feierte Jupp Heynckes mit den Bayern

Am 24. März 2011 war's offiziell: Jupp Heynckes unterschreibt zum dritten Mal einen Vertrag als Trainer beim FC Bayern München. Am 30. Juni 2013 ist wieder Schluss, dann endet nach 1011 Bundesliga-Spielen als Spieler und Trainer eine beeindruckende Karriere. Wir werfen einen Blick zurück auf die Laufbahn von "Don Jupp". © sampics
Nach acht Jahren bei Borussia Mönchengladbach - ohne Titel - löste Jupp Heynckes zur Saison 1987/1988 beim FC Bayern den Meistertrainer Udo Lattek ab. Lattek feierte in München insgesamt sechs Meisterschaften. Uli Hoeneß, damaliger Bayern-Manager, erhoffte sich vom gebürtigen Gladbacher eine erfolgreiche Ära. Auf nationaler Ebene konnte Heynckes die Ansprüche des FC Bayern erfüllen. © getty
In seiner ersten Saison wurde er aber "nur" Zweiter hinter Bremen. © getty
In seinen vier Jahren der ersten Amtszeit kam er als Chef-Trainer des FC Bayern international sowohl im UEFA Cup als auch im Europapokal der Landesmeister nie über das Halbfinale hinaus. Der Weltmeister von 1974 wurde in München dafür 1989 und 1990 Deutscher Meister. Dazu kommen zwei Vizemeisterschaften in seiner "Ära". © getty
In seiner fünften Saison wurde Jupp Heynckes nach einer 1:4-Heimniederlage gegen die Stuttgarter Kickers entlassen. Die Tabellensituation war bedrohlich, da die Münchner nur Zwölfter waren. Der Vorstand musste handeln. Hoeneß nannte den Rauswurf seines Freundes im Nachhinein seinen "größten Fehler". © sampics
Diese Freundschaft war auch ausschlaggebend, dass Heynckes aus seinem Ruhestand zurückkehrte und die Bayern übernahm, nachdem Jürgen Klinsmann 2009 entlassen wurde. Jupp war zufällig zu Besuch bei Hoeneß in München - sah sogar die letzte Partie Klinsmanns gegen Schalke - und paar Tage später saß er zum zweiten Mal beim FC Bayern auf der Trainerbank. © sampics
Heynckes sicherte dem Rekordmeister die direkte Qualifikation für die Champions League und feierte damit seine dritte Vizemeisterschaft mit den Münchnern. Zur Meisterschaft fehlten den Münchnern zwei Punkte. © getty
In den letzten fünf Spielen holte der ehemalige Meistertrainer vier Siege und ein Remis. © getty
Zum 34. Spieltag gegen Stuttgart (Endstand 2:1) gab es für den 66-Jährigen einen Blumenstrauß zum Dank für die "Hilfe". Nach der Saison rechnete er mit seinem Vorgänger Klinsmann ab: "Sie können nicht am offenen Herzen operieren, wenn Sie noch nie an einem Operationstisch gestanden haben." © getty
Gerade aufgrund seiner ehrlichen und familiären Art sowie als Motivator schätzen ihn seine Spieler. Des Weiteren schafft es Heynckes, aus einer sicheren Defensive ein schönes Offensivspiel spielen zu lassen. Dieses Gesamtpaket sicherte den Bayern 2009 noch die Teilnahme an der Champions League. © getty
Durch die Arbeit bei seiner zweiten Amtszeit in München hat sich Heynckes neue Motivation und Begeisterung für weitere Engagements geholt. Dass er mit Stars umgehen kann, bewies er nicht nur bei Real Madrid 1997/98. Auch bei seinem Intermezzo bei den Bayern hatte er die "Diven" Ribéry und Toni im Griff. © getty
An der Säbener Straße war er sich, auch als Chef-Trainer, für nichts zu schade - auch nicht für das Bälle tragen während des Trainings. © getty
Ein jubelnder Jupp Heynckes ist keine Seltenheit. Der Taktikfuchs geriet mit seinem Intimfeind Christoph Daum während des Meisterkampfes in der Saison 1988/1989 vor dem entscheidenden Spiel in Köln im Aktuellen Sportstudio aneinander. Am Ende gewann Jupp mit den Bayern 3:1 im Müngersdorfer Stadion und drei Spieltage später seinen ersten Titel überhaupt. © getty
Aber nicht nur im Inland feierte der Routinier Erfolge. Jupp Heynckes durfte 1997/1998 einen der größten Klubs der Welt trainieren. Durch seine gute Arbeit in Bilbao (von 1992 bis 1994 und 2001 bis 2003) und Teneriffa (1995 bis 1997) wurde der Champions-League-Rekordsieger auf den Westfalen aufmerksam. © getty
Und prompt in seiner ersten und auch letzten Saison bei Real feierte Heynckes seinen einzigen internationalen Titel als Trainer. Der Champions-League-Titel bewahrte ihn aber nicht vor dem Rauswurf, da Madrid in der Liga "nur" Platz 3 erreichte. Ein Jahr darauf hatte Heynckes eine kurze Amtszeit bei Benfica Lissabon. © getty
Im Juli 2003 holte der FC Schalke 04 Heynckes zurück nach Deutschland, um nach 2001 wieder um die Meisterschaft mitzuspielen. Allerdings blieb der Gladbacher in eineinhalb Jahren erfolglos. Man warf ihm vor, er würde nur noch von seinen alten Triumphen vorschwärmen und zu wenig auf die Spieler eingehen. © getty
Nach seinem misslungenen Comeback 2006 bei Mönchengladbach (Tabellen-16. nach 18 Spieltagen) entschied sich Heynckes, sich zur Ruhe zu setzen, um mehr Zeit mit der Familie verbringen zu können - bis sein alter Kumpel aus München anrief. © getty
Von dem Intermezzo in München angeregt, ging es für Heynckes 2009 direkt weiter: Leverkusen wollte für seinen unglücklichen Versuch mit Bruno Labbadia einen "Fußballlehrer" und fand ihn im neu motivierten Heynckes. Die Bayer-Elf blieb in der Saison 2009/2010 24 Spieltage ohne Niederlage und holte sich den Herbstmeistertitel. Am Ende gelang immerhin noch der Sprung in die Europa League. © getty
Der alte und der neue Bayern-Trainer. Louis van Gaal (r.) und Jupp Heynckes (l.) beim 1:1 in Leverkusen 2010. In der Saison 2010/2011 ist Leverkusen die einzige Mannschaft, die den überragenden Dortmundern "folgen" kann. Diese erfolgreiche Arbeit überzeugte auch die Bayern-Bosse, weshalb sie Heynckes für zwei Jahre verpflichteten. © getty
Seine dritte Amtszeit bei den Bayern ab 2013 könnte mit dem totalen Triumph enden. © MIS
Nach drei zweiten Plätzen 2012 spielten die Bayern 2012/2013 eine phantastische Bundesliga-Saison und knackten einen Rekord nach dem anderen. Die Meisterschaft sicherten sich die Münchner so früh wie noch kein Team zuvor - am 28. Spieltag! © M.I.S.
Die Bierdusche, verpasst von Anatoli Timoschtschuk bei der Meisterfeier, hatte sich Heynckes redlich verdient. © dpa
Wie bewerten Sie die Trainerkarriere von Heynckes?

Lattek: Angefangen hat er natürlich mit Fehlern, wie viele andere Trainer auch. Aber was er jetzt beim FC Bayern zeigt, ist unglaublich. Eine große Sensation. Ich hätte ja auch nie geglaubt, dass er nach Spanien gehen würde, dafür war er eigentlich gar nicht der Typ.

Soll er weitermachen mit bald 68?

Lattek: Da rate ich nichts. Von der körperlichen Verfassung her wäre es möglich. Aber eins hat er sich jetzt schon verdient: ein Denkmal.

tz

Eichin: "Ich habe viel von Jupp gelernt"

Herr Eichin, die erste Woche bei Werder ist rum. Wie gefällt Ihnen Bremen?

Thomas Eichin (46), Manager SV Werder: Ich bin eigentlich nur im Hotel und auf der Geschäftsstelle. Aber was ich gesehen habe: schön.

Wie ist denn Ihr Erkenntnisstand bis heute?

Eichin: Ich beschäftige mich ja nicht erst seit letztem Donnerstag mit dem Verein. Ich möchte erst mal gut reinkommen, fahre hier jetzt nicht mit dem Bagger rein. Ich erledige das Tagesgeschäft, ansonsten geht es darum, mir einen umfassenden Eindruck von allen Abläufen und den Strukturen bei Werder zu verschaffen. Und ich möchte nah an der Mannschaft sein.

So wie heute auf der Bank in der Allianz Arena. Freuen Sie sich auf Jupp Heynckes?

Eichin: Ja, sehr! Seit er nach München gegangen ist, habe ich ihn nicht mehr gesehen. Er ist ein ganz großer Trainer!

Und Ihr erster.

Eichin: Richtig, das war 1986 oder 87. Ich habe viel von ihm gelernt, obwohl er das vielleicht gar nicht so bewusst wahrgenommen hat. Ich kam als 18-Jähriger mit einer gewissen badischen Gelassenheit nach Gladbach in sein Team – und wenn ich da mal ein Trainingsspielchen verloren hatte, war das gar nicht so tragisch für mich. Er aber hat mir eingeimpft, dass es wichtig ist, jeden Tag Vollgas zu geben! Das habe ich verinnerlicht.

Von Tschik Cajkovski bis Jupp Heynckes - Die Trainer des FC Bayern

Von Tschik Cajkovski bis Jupp Heynckes - Die Trainer des FC Bayern

Bei Nils Petersen ist es ähnlich. Er lernte bei Heynckes, trifft nun für Werder.

Eichin: Absolut. Ich denke, da wird sich nun auch die Gelegenheit ergeben, mit den Verantwortlichen des FC Bayern über ihn zu sprechen. Richtig geklärt wird es aber sicher später, da haben wir keinen Zeitdruck.

mic

Das sagen weitere Weggefährten:

Santiago Canizares (unter Heynckes Torhüter bei Real Madrid): "Es sind viele Jahre vergangen, seit Jupp Heynckes mein Trainer bei Real Madrid war. Dennoch habe ich ihn immer in guter Erinnerung behalten. Jupp war immer eine sehr seriöse Person. Meiner Meinung nach musste er 1998, nachdem wir die Champions League gewonnen hatten, zu Unrecht gehen. Das war nicht normal, der letzte Champions-League-Sieg von Real Madrid lag damals 30 Jahre zurück.

Jupps starker Charakter hat ihn aber weiter angetrieben und dazu geführt, dass er mit anderen Mannschaften Erfolge feiern durfte. Mit ihm sind die Bayern ja in der Bundesliga und in der Champions League obenauf. Ich erinnere mich noch, dass Jupp Heynckes sich damals zwischen mir und Bodo Illgner im Tor entscheiden musste. Für mich war es eine tolle Erfahrung, in der selben Mannschaft zu spielen mit einem Weltklasse-Torwart wie Bodo Illgner. Dass sich Jupp am Ende für Bodo entschieden hat, hatte wohl auch damit zu tun, dass mein Vertrag auslief und ich nicht verlängert hatte. Trotzdem: Ich erinnere mich sehr gerne an die Zeit unter Jupp zurück. Er war ein toller Trainer, ich wünsche ihm nur das Beste."

Auge: "Geradlinig und ehrlich"

Herr Augenthaler, Sie wurden als Spieler mit Trainer Heynckes bei Bayern Meister. Wie war er damals, wie ist er heute?

Klaus Augenthaler (55), Ex-Bayern-Kapitän: Vom Wesen her ist er über die Jahre hinweg der Gleiche geblieben. Er war ein junger Trainer, als er zum FC Bayern kam. Und schon da hat er gewusst, dass nur Titel zählen und kein dritter Platz. Das hat er verinnerlicht. Wir haben nach wie vor Kontakt, mal telefonisch und mal bin ich auch am Trainingsplatz, dann unterhalten wir uns dort. Jupp ist am Boden geblieben. Ich wünsche ihm das Beste.

Also Titel.

Augenthaler: Die Meisterschaft ist ja so gut wie sicher. Ein Highlight wäre aber die Champions League, so könnte er wohl am besten von der ganz großen Bühne abtreten.

Alle kennen Heynckes als Trainer, aber wie ist der Mensch?

Augenthaler: Geradlinig und ehrlich. Das sieht man ja jetzt bei dem großen, qualitativ guten Kader. Er spielt keine Spielchen, sondern spricht mit den Spielern. Einfach ist es nicht, diese Hochkaräter bei Laune zu halten. Er schafft es aber.

Wie war es nach der ersten Meisterschaft 1989?

Augenthaler: Bei der Übergabe der Meisterschale im Rathaus standen wir auch im Europacup im Halbfinale, und dann hat der Jupp den 20 000 Bayernfans mehr oder weniger den Europapokal versprochen. Da wäre ich fast vom Balkon gefallen.

Bayern schied im Achtelfinale aus – Abschlussfrage: Macht Heynckes weiter?

Augenthaler: Ich kann dem Jupp zwar nichts raten, aber ich kann es mir beim besten Willen nicht vorstellen.

Interview: lop

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