tz-Interview:

Marokko-Experte: "Chaos. Nichts als Chaos"

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Bouzrara (r.) mit mit Bayern-Star Franck Ribéry

München - Jalal Bouzrara ist Marokkos bekanntester Sportjournalist. Gegenüber der tz erklärt er, was die Klub-WM für sein Land bedeutet und warum Raja das Augsburg von Marokko ist.

Jalal Bouzrara ist Journalist beim Radiosender Medi 1, er produziert und moderiert die TV-SportsendungL’match, er gibt die Zeitschrift Stadium  heraus. Man könnte ihn als „Marokkos Monsieur Sport“ bezeichnen – als den wohl berühmtesten Sportjournalisten des Landes. Im Interview mit der tz erklärt der 46-Jährige, was die Klub-WM für die Menschen in seinem Land bedeutet, wieso trotz aller Begeisterung die Stadien meist nicht ganz voll sind und warum er Raja Casablanca für das Augsburg von Marokko hält.

Herr Bouzrara, das müssen gerade ziemlich spannende Tage für Sie sein, oder?

Bouzrara: Oh ja, vor allem Tage, mit denen hier niemand gerechnet hat. Wissen Sie, wie es hier vor der Klub-WM aussah? Ich sage Ihnen was: Die Nationalmannschaft Marokkos ist einfach nur ein Desaster, und das nun schon seit vielen Jahren. Bei der WM waren wir zuletzt 1998, beim Afrika Cup haben wir seit 2004 nicht mehr die erste Runde überstanden, und in der FIFA-Rangliste geht es kontinuierlich bergab. Das ist unglaublich bitter, weil die Menschen hier für ihre Nationalmannschaft leben! Und das ist leider noch nicht alles.

Was kann noch Schlimmeres kommen?

Bouzrara: Es gab erst vor fünf Wochen Neuwahlen im marokkanischen Fußballverband, doch die FIFA weigert sich, diese anzuerkennen. Sie akzeptieren den neuen Präsidenten nicht. Angeblich hat man sich bei der Wahl nicht an die Weisungen der FIFA gehalten. Und nun? Chaos. Nichts als Chaos.

Und mitten in dieses Chaos startet Raja Casablanca bis ins Finale durch.

Bouzrara: Ja, ja, aber das ist noch nicht alles. Raja hat bislang eine furchtbare Saison hinter sich. Letztes Jahr haben sie alles gewonnen hier in Marokko, jetzt sind sie fürchterlich gestartet. Die Folge: Sie haben ihren Trainer gefeuert, den absoluten Helden ihrer Geschichte. Eine Woche vor der Klub-WM! Und der neue Coach, gerade zwei Tage im Amt, wollte plötzlich auch nicht mehr. Also wurde es kurz vorher Faouzi Benzarti, ein Tunesier. Beim ersten Spiel von Raja gegen Auckland kannte er nicht mal die Namen von allen seinen Spielern.

Klingt alles in allem nach einem kleinen Wunder. Hatten Sie sich das erträumt, als Sie vor einigen Wochen die Auslosung zu dieser WM präsentiert hatten?

Bouzrara: Ich hatte gehofft, dass Raja das erste Spiel gewinnt, an mehr hatte ich nie glaubt. Das Schöne daran ist, sie haben sich das wirklich verdient. Casablanca hat bislang sehr gut gespielt.

Mit welchem europäischen Team würden Sie die Mannschaft vergleichen?

Bouzrara: Wenn ich den Spielstil anschaue, vielleicht mit dem FC Augsburg. Schnell, direkt, mit viel Einsatz. Das ist auch das, wofür man dieses Team liebt. Hier sagt man Raja-Fraja, Fraja bedeutet Show. Die Leute wollen ein Spektakel sehen, die Siege sind gar nicht so wichtig. Im Moment ist der Stil das komplette Gegenteil vom FC Bayern, um ehrlich zu sein. Der neue Trainer sagt einfach: Habt Spaß!

Könnte Raja in der Bundesliga mithalten?

Bouzrara:  Nein. Wohl nicht mal in der Zweiten Liga.

Würde in Ihrem Land auch so eine Begeisterung herrschen, wenn Raja früh ausgeschieden wäre?

Bouzrara: Sicher nicht. Natürlich freuen sich viele Fans über Stars wie Ribéry, wollen sie spielen sehen. Aber es wäre nicht das Gleiche.

In Agadir beim Halbfinale der Bayern war das Stadion gerade mal halb gefüllt. Woran liegt das? Sind die Ticketpreise zu hoch?

Bouzrara: Nein, das ist nicht der Grund. Das günstigste Ticket kostet 15 Euro, das ist machbar für die Menschen hier. Das Problem ist ein anderes: Die FIFA vertreibt die Eintrittskarten über das Internet, man benötigt einen Zugang, man benötigt eine Kreditkarte. Das überfordert viele Menschen. Sie wollen an einen Schalter gehen, die Karte kaufen, das Spiel sehen. Das geht leider nicht.

Herr Bouzrara, ist die Party morgen zu Ende, wenn der FC Bayern gewinnt?

Bouzrara: Nein. Raja hat mehr erreicht, als jemals zu erwarten war. In Marokko wird morgen gefeiert – so oder so.

Interview: mic.

Quelle: tz

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