„Sehen positive Entwicklung“

Politische Lage in Katar: Das sagt Rummenigge der tz

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Karl-Heinz Rummenigge im Jahr 2013 mit WM-OK-Chef Hassan al Thawadi.

Der FC Bayern tritt wieder sein schon zur Tradition gewordenes Winter-Trainingslager in Katar an. In der tz spricht Vorstandsboss Karl-Heinz Rummenigge über die politischen Bedenken.

Katar-Quickie für die Titel-Mission! Am Dienstag um zehn Uhr hebt der FC Bayern ab, um sich auf die Rückrunde vorzubereiten. Ziel: Katar. Zum achten Mal hintereinander findet dort das Winter-Trainingslager in Doha statt, mit dessen Flughafen der FCB im Jahr 2016 einen lukrativen Sponsoren-Vertrag abgeschlossen hat. Seit dieser Saison ist der Flughafen zudem Ärmel-Sponsor. 

Darum steht der deutsche Rekordmeister auch immer wieder in der Kritik, wenn Katar Menschenrechtsverletzungen im Land vorgeworfen werden - vor allem mit Blick auf die Austragung der WM 2022 und den Arbeitsbedingungen auf den Stadion-Baustellen. Karl-Heinz Rummenigge äußert sich in der tz über das anstehende Trainingslager in Katar, der Vorstandsboss des FC Bayern sagt: „Wir bereiten uns seit 2011 in der Aspire Academy auf die Rückrunde vor. Die Aspire Academy ist die beste Trainingsanlage im Weltfußball. Trainingsplätze, Rehazentrum, Hotel - alles auf einer für Fußball optimal gebauten Anlage der kurzen Wege. Doha bietet im Januar ein ideales Klima, und es gibt quasi keinen Zeitunterschied. So schlecht ist es für uns seither nicht gelaufen. Ich gehe davon aus, dass wir auch dieses Mal von der, wenn auch nur kurzen, Vorbereitung im Aspire profitieren.“ 

Auch in Sachen gesellschaftlicher Entwicklung notiert Karl-Heinz Rummenigge vielversprechende Anzeichen: „Was die Lage in Doha insgesamt betrifft, sehen wir hier eine positive Entwicklung. Das hat die Arbeitsorganisation der Vereinten Nationen im November bestätigt und ihre Untersuchungen gegen Katar wegen der Arbeits- und Lebensbedingungen der Gastarbeiter offiziell eingestellt. Das kritisierte Arbeitsrecht, die Kafala, soll nun schrittweise abgebaut werden. 

Außenminister Sigmar Gabriel hat mir neulich bestätigt, dass sich die Situation der Arbeiter in Katar durch den Fußball verbessert habe, auch wenn sie natürlich immer noch besser werden könne. Der FC Bayern steuert hier als ein Vertreter der gesamten Fußballfamilie seinen Teil bei. Wir stehen in einem globalen Wettbewerb mit den besten europäischen Klubs. Aber unsere Partner in Doha kennen auch unsere Überzeugungen. Darüber sprechen wir vertraulich, und mit jedem Gespräch wächst ein Stück Vertrauen. Das ist die Voraussetzung für Veränderung.“ 

Alle Infos zum Winter-Trainingslager des FCB in Doha/Katar

Die Aspire-Academy bietet den Bayern-Profis luxuriöse Bedingungen auf und neben dem Fußballplatz.

Veränderung hat auch Sylvia Schenk im Hinblick auf das kritisierte Kafala-System festgestellt. Die ehemalige Leichtatlethin und Chefin des Bundes Deutscher Radfahrer beschäftigt sich bei der Organisation Transparency International mit Korruption im Weltsport und erklärte kürzlich im tz-Interview: „Es hat sich gerade in Katar durch die WM sehr viel bewegt, jetzt wird auch das Kafala-System weitgehend reformiert. Die FIFA arbeitet eng mit der internationalen Gewerkschaft zusammen, das ist eine positive Entwicklung.“ Auch Human Rights Watch hat diese Fortschritte registriert, kritisiert vor allem aber „die teils unmenschlichen Arbeitsbedingungen wegen der enormen Hitze auf den WM-Baustellen.“ 

Katar: Sport als Investment

Mit 129 726 US-Dollar (Stand: 2016) hat Katar das größte Pro-Kopf-Einkommen weltweit und gehört damit zu den reichsten Ländern auf dem Globus. Das liegt vor allem an den enormen Öl- und Gasvorkommen, auf denen das Land gebaut ist. Da die Kataris aber umtriebige Geschäftsleute sind, schauen sie sich nach weiteren Einnahmequellen um - allen voran Staatsoberhaupt Tamim bin Hamad Al Thani. Der Emir weiß, dass seine kostbaren Bodenschätze irgendwann versiegen und will mit dem millardenschweren Staatsfonds „Qatar Investment Authority“ vorsorgen. Darum ist Katar unter anderem mit ungefähr 15 Prozent größter privater Aktionär der VW-Gruppe und hält große Beteiligungen an der Deutschen Bank und Siemens. 

Der Hang zum Luxus schlägt sich auch in den neuen Märkten nieder: Das Emirat hat neben den englischen Traditionskaufhäusern Harrods und Sainsbury’s auch die französischen Luxusartikel-Hersteller LVMH und den Juwelier Tiffany im Staatsfonds-Portfolio. Das liebste Kind Katars ist seit ein paar Jahren aber ein anderes: der Sport. „Sport ist der beste Weg, um jedermann auf dem Globus zu erreichen“, lautet die Devise von Scheich Al Thani. Darum werden jährlich große Sport-Veranstaltungen in der Wüste abgehalten, wie beispielsweise ein ATP-Tennisturnier, ein hochdotiertes Golfturnier, das Radrennen Tour de Katar und im Jahr 2022 die Fußball-Weltmeisterschaft.

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