Nerlinger: "Großkreutz hat uns motiviert"

München - Christian Nerlinger findet vor dem Top-Spiel lobende Worte für Borussia Dortmund, spricht über Bayern-Motivator Kevin Großkreutz und erklärt, warum der FCB die Nummer 1 ist.

Es sind noch genau 27 Stunden bis zum Mega-Duell gegen Dortmund. Doch Christian Nerlinger wirkt entspannt, als er die tz am Freitagnachmittag zum Termin in seinem Büro empfängt. Schnell bittet er seine Sekretärin vor dem Gespräch noch um einen Kaffee, „damit ich auch hellwach bin“, scherzt der Sportdirektor. Der 1:0-Sieg von Mailand verbreitet auch zwei Tage später noch gute Stimmung, Optimismus. „Ich bin davon überzeugt, dass unsere Mannschaft in den letzten Spielen wenig Punkte liegen lassen wird“, sagt Nerlinger voller Überzeugung. Das wohl wichtigste, auf jeden Fall aber prestigeträchtigste Liga-Duell steht am Samstag an: Der Kracher gegen Dortmund.

Bayern gegen BVB: Der Vergleich!

Bayern München will gegen Borussia Dortmund (Sa., 18.30 Uhr) den Angriff auf Platz 2 fortsetzen. Doch nicht nur das! Dem weit enteilten Tabellenführer aus Dortmund soll aufgezeigt werden, wer wirklich die stärkste Mannschaft der Bundesliga ist. Wir haben vorab die Spieler miteinander verglichen. Sehen Sie, wer mehr Punkte gesammelt hat und wer das Duell eigentlich gewinnen sollte. © Getty/Montage
TOR: Thomas Kraft (FC Bayern): Bayerns neue Nummer 1 hat gerade das Spiel seines Lebens hinter sich gebracht: Beim 1:0-Sieg in der Champions League bei Inter Mailand hielt der Keeper die Bayern mit mehreren Glanzparaden im Spiel. Hat Trainer Louis van Gaal das Vertrauen mit konstanten bis überragenden Leistungen zurückgezahlt - und auf Grund seines Alters (22) noch jede Menge Entwicklungspotenzial. © Getty
Mitchell Langerak (Borussia Dortmund): Am Freitag kam die Nachricht, dass Roman Weidenfeller definitiv ausfällt. Der Keeper leidet ann einer Innenbanddehnung und einem kleinen Kapseleinriss am linken Knie. Deswegen kommt Mitchell Langerak zu seinem Bundesliga-Debüt. Jürgen Klopp nennt ihn "einen der besten australischen Keeper". Nicht zuletzt weil Thomas Kraft (sechs Bundesliga-Spiele) mit dem Wind aus dem Mailand-Spiel in die Partie geht, gibt es einen Punkt für Bayern. Punktestand: 1:0. © Getty
ABWEHR: Philipp Lahm (FC Bayern): Der Kapitän der Bayern hat als Rechtsverteidiger zwar längst nicht so viele geniale Momente wie auf der linken Seite, hat nach schwächeren Wochen aber zuletzt wieder zu seiner Form gefunden. In Mailand einer der Aktivposten. Zudem als Spielführer eine wichtige Figur in der Team-Hierarchie. © Getty
Lukasz Piszczek (Borussia Dortmund): Der Pole kam zu Saisonbeginn von Absteiger Hertha BSC und profitierte bald von der Langzeitverletzung Patrick Owomoyelas. Piszczek arbeitet solide in der Defensive und setzt immer öfter auch Akzente nach vorne. Dennoch: Klarer Punkt für Bayern! Punktestand: 2:0. © Getty
Anatoli Timoschtschuk (FC Bayern): Der Ukrainer hat sich nach langem Warten endlich in die Stammformation gespielt, wenngleich auf der ihm ungeliebten Position in der Innenverteidigung. Doch Trainer van Gaal setzt auf die Qualitäten des 31-Jährigen im Spielaufbau und zieht ihn deshalb den gelernten Innenverteidigern van Buyten und Breno vor. © Getty
Neven Subotic (Borussia Dortmund): Seit seinem Wechsel vom FSV Mainz 05 nach Dortmund im Jahr 2008 ist der Serbe bei der Borussia im Abwehrzentrum gesetzt. Subotics Stärken liegen im Kopfball- und Stellungsspiel, zudem verfügt der 22-Jährige über eine feine Technik. Subotic gehört zu den besten Verteidigern der Liga. Punkt für Dortmund. Punktestand: 2:1. © Getty
Holger Badstuber (FC Bayern): Nach seiner überragenden ersten Saison bei den Bayern hat der Linksfuß in dieser Saison Probleme, seinen eigenen Ansprüchen zu genügen. Zuletzt wackelte Badstuber in Köln gewaltig, auch beim CL-Spiel in Mailand war bei dem Youngster die eine oder Unsicherheit zu erkennen. Trainer van Gaal hält aber an seinem Zögling fest und baut voll auf den 21-Jährigen. © Getty
Mats Hummels (Borussia Dortmund): Wie auch Badstuber ging Hummels durch die Schule von Amateurtrainer Hermann Gerland - und genau wie sein Gegenüber profitierte der 22-Jährige immens davon. Ebenso wie Badstuber hat Hummels den Sprung in die Nationalmannschaft geschafft. Sein Nebenmann Neven Subotic adelte ihn jüngst als "den besten Innenverteidiger der Bundesliga". Knapper Punkt für Borussia Dortmund. Punktestand: 2:2. © Getty
Danijel Pranjic (FC Bayern): Heimlich, still und leise hat der Kroate den Sprung in die Stammelf bei den Bayern geschafft. Dabei kommt dem Linksfuß seine Vielseitigkeit zugute. Zumeist wird der 29-Jährige derzeit auf der Linksverteidigerposition oder im defensiven Mittelfeld eingesetzt. Beeindruckte beim Sieg in Mailand vor seiner verletzungsbedingten Auswechslung (38. Minute) durch das geschickte Zusammenspiel mit Franck Ribéry. © Getty
Marcel Schmelzer (Borussia Dortmund): Der 23-Jährige gilt als das Talent schlechthin auf der Linksverteidigerposition. Findet meist die richtige Balance zwischen Defensive und Offensive und hat jüngst seinen Vertrag bis 2014 verlängert. Auch hier ein knapper Punktgewinn für Borussia: Punktestand: 2:3. © Getty
MITTELFELD: Luiz Gustavo (FC Bayern): Der 15-Millionen-Neuzugang durfte in seinem ersten Champions-League-Spiel in Mailand erstmals über fast die komplette Distanz auf seiner Lieblingsposition im defensiven Mittelfeld ran. Dabei hatte der Brasilianer so gut wie keine Anpassungsprobleme und lieferte seine bisher beste Vorstellung im Bayern-Dress ab. © Getty
Sven Bender (Borussia Dortmund): Der ehemalige Sechzger, der von seinen Kollegen "Manni" genannt wird, gehört in dieser Saison zu den Leistungsträgern des BVB. Der 21-Jährige räumt im Mittefeldzentrum nahezu alles ab, was da so kommt, und hält so seinem Kollegen Nuri Sahin den Rücken frei. Punkt für beide: Punktestand: 3:4 © Getty
Bastian Schweinsteiger (FC Bayern): Endlich, endlich darf Schweinsteiger wieder auf der "Sechs" ran. Seitdem der Nationalspieler wieder von der "Zehn" abgezogen und auf seine Lieblingsposition vor der Abwehr positioniert wurde, läuft's wieder bei den Bayern. Zeigt stets enorme Präsenz. Balleroberer- und Verteiler zugleich. Weltklasse! © Getty
Nuri Sahin (Borussia Dortmund): Der Deutsch-Türke verleiht dem Spiel des Tabellenführers Leben und Kreativität. Schlägt immens gefährliche Standards. Dennoch: Gegen Schweinsteiger hat er keine Chance. Punkt für Bayern. Punktestand: 4:4. © Getty
Arjen Robben (FC Bayern): Seit er wieder zurück ist, läuft's. Einer der besten Spieler der Welt, mehr Worte sind nicht erforderlich. Den Punkt hat Bayern schon in der Tasche, es sei denn bei den Dortmundern spielt plötzlich Messi ... © Getty
Jakub Blaszcykowski (Borussia Dortmund): Nein, Messi spielt nicht beim BVB, aber dafür "Kuba". Der Pole kickt bereits seit vier Jahren beim BVB und hat sich kontinuierlich entwickelt. Saß allerdings in der Hinrunde öfters auf der Bank, als Kagawa noch fit war. Gegen Robben ohne Chance. Punkt für Bayern. Punktestand: 5:4. © Getty
Thomas Müller (FC Bayern): Wie auch Schweinsteiger musste Thomas Müller in den vergangenen Wochen auf einer ungeliebten Position spielen. Jetzt darf der Nationalspieler wieder hinter den Spitzen ran - und überzeugt als Torschütze und Vorbereiter. Fast unersetzlich im Bayern-Spiel. © Getty
Mario Götze (Borussia Dortmund): Genau so verhält es sich mit Mario Götze bei Borussia Dortmund. Götze kann trotz seiner jungen 18 Jahre am Ball schon alles, verfügt über glänzende Übersicht und ist der Dreh- und Angelpunkt im Dortmunder Spiel. Hat zwar noch nicht so viel Erfahrung wie Müller, auf Grund seiner glänzenden Saison gibt's aber trotzdem einen Punkt. Genau wie für Müller. Unentschieden. Punktestand: 6:5. © Getty
Franck Ribéry (FC Bayern): War am vergangenen Spieltag in Mainz der beste Bayern-Spieler, als er vor Spielfreude nur so sprühte. In Mailand dagegen mit Licht und Schatten. Trotzdem: Ribéry profitiert enorm davon, dass Robben wieder dabei ist und ist noch nicht einmal im Vollbesitz seiner Fitness. © Getty
Kevin Großkreutz (Borussia Dortmund): Zugegeben, Kevin Großkreutz spielt eine sensationelle Saison. Der Neu-Nationalspieler wirbelt auf den Außen fast im Stile eines Robben oder Ribéry. Aber nur fast. In einer anderen Kategorie hat der 22-Jährige seine prominenten Kollegen längst abgehängt: Im Sprücheklopfen. Mal sehen, ob Großkreutz' Wort ("Wir verlieren in der Rückrunde kein Spiel mehr") auch nach dem Bayern-Spiel noch Bestand hat. Punkt für Bayern. Punktestand: 7:5. © Getty
STURM: Mario Gomez (FC Bayern): 18 Bundesliga-Tore in 21 Spielen - Mario Gomez steuert geradewegs auf die Torjägerkanone zu. Trifft nicht nur in der Bundesliga, sondern auch in DFB-Pokal und Champions League. In beeindruckender Form. © Getty
Lucas Barrios (Borussia Dortmund): Was den Bayern ihr Gomez, ist den Dortmundern im Barrios. Anderer Spielertyp als Gomez. Lässt sich mehr zurückfallen und hat weniger die Brecherqualitäten des Münchners. Der einstige Welttorjäger ist für Borussia Gold wert, aber Gomez ist derzeit eben eine Klasse besser. Punkt für Bayern. Punktestand: 8:5. © Getty
RESERVEBANK FC Bayern: Sind alle fit, dann werden hier Butt, Breno, van Buyten, Altintop, Ottl, Klose, Kroos und Contento Platz nehmen. © Getty
RESERVEBANK Borussia Dortmund: Bei den Borussen nehmen Langerak, Sobiech, Santana, Dede, Feulner, da Silva, Lewandowski und Stiepermann Platz. Punkt für Bayern. 9:5. © Getty
TRAINER: Louis van Gaal hat den Bayern in nur eineinhalb Jahren seinen Stempel aufgedrückt. Bayerns Spielstil ist ganz eng mit dem Namen van Gaal verknüpft. In einem Interview sagte der Niederländer kürzlich: "Bis zu meinem Karriereende werde ich immer offensiv spielen lassen, und nichts anderes." Steht auf Grund seines selbstbewussten Auftretens oft in der Kritik, hat aber die vergangenen 20 Jahre den europäischen Vereinsfußball mitgeprägt. © Getty
"Kloppo" ist nicht erst seit seiner Zeit als ZDF-Experte so etwas wie "Everybodys darling". Führt seine Mannschaft mit modernen Methoden und vermittelt seiner jungen Truppe vor allem eines: Spaß am Fußball. Er ist der Trainer der Zukunft - vielleicht eines Tages auch beim FC Bayern. Unentschieden. ENDSTAND: 10:6 für Bayern. © Getty

Nach den Scharmützeln im Vorfeld schlägt der gebürtige Dortmunder Nerlinger zu Beginn des Gesprächs versöhnliche Töne an. „So wie die Dortmunder sich in der Vorrunde präsentiert haben, muss man ihnen ein Kompliment machen. Das war überzeugender Fußball“, lobt der 37-Jährige die Schwarz-Gelben.

Da schau an! Respekt für das Auftreten der Dortmunder – auf dem Platz, wohlgemerkt. Denn die Sprüche waren Nerlinger zuletzt einen Tick zu offensiv. „Am Samstag wird man sehen, was davon zu halten ist, wenn es hart auf hart kommt“, sagt Nerlinger – mit Grüßen an Kevin Großkreutz. Nerlinger: „Er hat momentan einen positiven Lauf. Auf jeden Fall hat er aber unser Team motiviert…“

Großkreutz ist einer der vielen jungen Wilden des BVB. Die Mannschaft hat Potenzial. Wächst da ein Konkurrent auf viele Jahre heran? „Dortmund hat eine sehr klug zusammengestellt Mannschaft“, sagt Nerlinger, schränkt aber auch ein: „Der BVB spielt in der Bundesliga ein sehr gutes Jahr, aber kein gutes, was DFB-Pokal und Euro League betrifft.“ Da schied Dortmund kläglich aus.

Wer in Deutschland das Sagen hat, steht für ihn sowieso außer Frage: „Nicht nur der Verein als Ganzes, sondern auch die Mannschaft sehe ich als die Nummer eins in Deutschland. Wir haben eine international hochkarätige Mannschaft, die zu den Top Five in Europa gehört.“ Das stellten die Bayern nicht zuletzt beim großen Sieg gegen Mailand unter Beweis.

Ruhe ist deswegen noch lange nicht garantiert an der Säbener – denn das wichtigste Ziel bleibt die direkte Quali für die Champions League. „Ich kann erst ruhig schlafen, wenn wir endlich den zweiten Platz gesichert haben“, mahnt Christian Nerlinger. „So selbstverständlich ist das nicht, Leverkusen macht einen sehr gefestigen Eindruck.“

Für diese Stabilität muss nun auch van Gaal sorgen. Denn dass es die Bayern können – sogar in der sonst so wackligen Defensive! – haben sie in Mailand bewiesen. Die große Aufgabe für den Trainer, der intern mit seinem Selbstbewusstsein weiter aneckt: Konstanz in die Auftritte bringen, Platz zwei erobern – und Diskussionen um Jürgen Klopp beenden. Den hatte zuletzt Franz Beckenbauer als Nachfolger ins Gespräch gebracht. „Klopp passt hervorragend nach Dortmund, er ist ein sehr intelligenter Mensch. Er ist ein exzellenter Trainer“, lobt Nerlinger. Klingt fast nach mehr als den üblichen Nettigkeiten…

ta

Quelle: tz

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