Neuer-Rückkehr: "Wollte mein Leben verändern"

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Manuel Neuer steht ein emotionaler Abend bevor.

Düsseldorf - Manuel Neuer kehrt am Freitag zum ersten Mal nach seinem Wechsel zum FC Bayern in sein Heimatstadion auf Schalke zurück. Der Torwart resümiert, wie es ihm seitdem ergangen ist.

Das EM-Quali-Spiel der deutschen Nationalmannschaft gegen Österreich am Freitag (Anstoß: 20.45 Uhr, live im ZDF) – es ist auch eine Rückkehr. Für Bayerns Nationaltorwart Manuel Neuer. Der kehrt zum ersten Mal seit seinem Wechsel zum FC Bayern in sein Heimatstadion zurück. Freunde und Familie freuen sich schon. Zwanzig Karten hat der 25-Jährige bestellt – unter anderem auch für seine Mutter Marita.„Ich denke, dass es ein schöner Freitag wird. Meine Familie freut sich, dass ich wieder mal da bin, und ich freue mich, wieder in der Arena zuspielen und viele alte Bekannte zu treffen“, sagt Neuer, der offenbar ganz cool bleibt.

Doch eine Frage bleibt: Wie werden sich die Schalke-Fans in der Arena verhalten? Wird Neuer etwa ausgepfiffen? „Ich weiß es natürlich nicht genau. Aber die deutschen Fans sollten bei einem Länderspiel die deutsche Mannschaft und den deutschen Torwart unterstützen“, sagt Neuer, der mit fünf Jahren erstmals zwischen den Schalke-Pfosten gestanden hatte.

Der Ärger über seinen Wechsel nach München ist jedenfalls noch nicht bei allen Schalke-Fans verraucht, wie auf der Facebook-Seite des Nationalkeepers deutlich wird. „Manu, du bist als Torwart ‚ne Eins, aber als Mensch eine Null“, lautet einer der Kommentare – und zählt damit noch zu den harmlosen. Es gibt aber auch Schalker, die hinter ihrem „Schnapper“ stehen. „Hoffentlich werden sie dich auf Schalke mit der Nationalmannschaft nicht ausbuhen. Sonst hast du 20 Jahre deines Lebens für eine Heuchlerbande investiert“, schreibt einer.

So drastisch drückt es Oliver Bierhoff natürlich nicht aus. Der Nationalmannschaftsmanager bittet die Fans aber ebenfalls um „einen fairen Umgang mit Manuel“.

Dass Neuer im DFB-Trikot und nicht im Bayern-Dress sein erstes Gastspiel auf Schalke nach seinem Wechsel gebe, sei ein Vorteil, sagte Bierhoff, „aber es wird für Manuel sicher sehr emotional“. Dass Neuer, der sich selbst als „coole Sau“ bezeichnet, so gelassen mit der Situation umgeht, beeindruckt nicht nur Bierhoff, sondern auch Bundestrainer Joachim Löw.

Wie es tatsächlich in Neuer aussieht, weiß aber niemand. Vor seinem 22. Länderspiel strahlt Neuer jedenfalls eine unglaubliche Ruhe aus. Das war offenbar auch so, als er in München ankam und ihm in München offene Abneigung entgegengebracht worden war. Das Spruchband im Trainingslager („Du kannst auch noch so viele Bälle parieren. Wir werden dich nie in unserem Trikot akzeptieren“) oder der Verhaltenskodex der Ultras brachten aber vor allem die Bayern-Bosse in Rage. Mittlerweile hat sich Neuer bestens in München eingelebt. „Ich wollte mein Leben verändern und habe mein Leben verändert. Ich muss mich jetzt selbst organisieren und bekomme das in München sehr gut hin. Seit ich bei den Bayern bin, habe ich keine unangenehmen Vorfälle mit Fans erlebt “, sagt Neuer.

Die Eckdaten der Bundestrainer-Ära Jogi Löw

30.07.2004: Zum 40. Geburtstag schenkt der DFB Bundestrainer Jürgen Klinsmann die Verpflichtung seines Favoriten Joachim Löw als Co-Trainer. Die “Schwaben-Connection“ ist perfekt. “Er ist für mich alles andere als ein Hütchenaufsteller“, sagt Klinsmann über Löw. © Getty
12.07.2006: Nach dem Rücktritt des “ausgebrannten“ Klinsmann wird Löw zum Chef der Nationalelf befördert. Der 46-Jährige bekommt einen Zweijahresvertrag und sagt: “Wir wollen Europameister 2008 werden.“ © Getty
16.08.2006: Löws Bundestrainer-Premiere wird in Gelsenkirchen zum rauschenden Fest - 3:0-Sieg beim Test gegen Schweden. © Getty
06.09.2006: Der höchste Sieg in der Amtszeit von Löw: 13:0 gegen Fußball-Zwerg San Marino vor nur 5019 Zuschauern in Serravalle. © Getty
28.03.2007: Erste, unbedeutende Niederlage im 9. Spiel: 0:1 gegen Dänemark beim Debütanten-Ball mit sechs DFB-Neulingen in Duisburg. © Getty
13.10.2007: Schon im viertletzten Qualifikationsspiel löst Löw mit einem 0:0 in Irland das Ticket für die EM 2008. © Getty
16.05.2008: Bei der Nominierung des EM-Kaders auf der Zugspitze sorgt Löw für Paukenschläge. Er bootet im Tor Timo Hildebrand aus, holt dafür René Adler und beruft 26 Akteure. Marko Marin, Jermaine Jones und Patrick Helmes schickt er nach der Vorbereitung nach Hause. © Getty
16.06.2008: Beim 1:0 im Vorrunden-Finale gegen Österreich wird Löw auf die Tribüne verwiesen. Ballacks Freistoß-Tor bejubelt er dort. © Getty
29.06.2008: Geplatzter Titeltraum. Spanien gewinnt durch ein Tor von Torres das EM-Finale in Wien mit 1:0. “Man muss die Qualität der Spanier anerkennen“, erklärt Löw als fairer Verlierer. © Getty
08.08.2009: Löw startet den Umbruch. 40 Tage nach dem verlorenen EM-Finale beendet Torhüter Jens Lehmann seine Länderspiel-Karriere. © Getty
11.10.2008: Deutschland siegt 2:1 im WM-Quali-Gipfel gegen Russland. Reservist Kevin Kuranyi flüchtet zur Halbzeit aus dem Stadion in Dortmund. Am Tag danach verbannt Löw den Schalker aus dem DFB-Team. © Getty
31.10.2008: Löw und Ballack schließen nach einem Streit Frieden. Der Kapitän hatte den Führungsstil des Bundestrainers kritisiert und sich für seinen Kumpel Frings stark gemacht. “Dafür habe ich mich bei Joachim Löw entschuldigt“, sagt Ballack. Der Kapitän darf bleiben. © Getty
10.10.2009: Trotz Platzverweis für Debütant Jérome Boateng gewinnt die DFB-Elf das “Endspiel“ in Moskau gegen Russland dank Klose 1:0. Das WM-Ticket ist gelöst, Löw lobt das “Sieger-Gen“ der Spieler. © Getty
10.11.2009: Der Selbstmord von Torhüter Robert Enke versetzt die Nationalelf in einen Schockzustand. Das geplante Länderspiel gegen Chile in Köln wird abgesagt. “Ich denke, wir hätten Robert nicht von seinem Vorhaben abbringen können“, sagt Löw nach Tagen der Trauer. © Getty
17.12.2009: Auf einer Israel-Reise verkündet DFB-Chef Zwanziger einen Handschlag-Vertrag mit Löw bis zur Europameisterschaft 2012 - selbst der Bundestrainer wird davon überrascht. © Getty
04.02.2010: Der Handschlag-Vertrag ist null und nichtig. Der DFB lehnt Löws und Bierhoffs Forderungen ab. Es kommt zum Zerwürfnis. © Getty
09.02.2010: Eiszeit beendet - in Frankfurt schließen Löw, Zwanziger & Co. WM-Frieden. “Was sind wir Hornochsen“, sagt Generalsekretär Wolfgang Niersbach nach dem schädlichen öffentlichen Streit. © Getty
06.05.2010: Löw beruft 27 Akteure in den vorläufigen WM-Kader und überrascht mit den beiden Länderspiel-Neulingen Badstuber und Aogo. Als dritter Torwart darf nach Adlers Verletzung Jörg Butt mit. © Getty
17.05.2010: Das Ballack-Aus für die WM. “Wir waren geschockt, keine Frage“, sagt Löw. Der Kapitän fällt wegen einer Fußverletzung aus. © Getty
28.05.2010: Löw ernennt Philipp Lahm zum WM-Kapitän und Manuel Neuer zur Nummer 1. Tim Wiese ist der Verlierer im Torhüter-Duell. © Getty
13.06.2010: 4:0 - ein WM-Traumstart gegen Australien. Es folgen ein 0:1 gegen Serbien und ein 1:0 gegen Ghana. Dann die Höhepunkte: Im Achtelfinale 4:1 gegen England, danach 4:0 gegen Argentinien. © Getty
07.07.2010: Löw ist “traurig und enttäuscht“. Wieder ein 0:1 gegen Spanien, im Halbfinale platzt der Traum vom 4. deutschen WM-Titel. © Getty
10.07.2010: Bronzenes Ende: 3:2 im Spiel um Platz 3 gegen Uruguay. © Getty
20.07.2010: Neun Tage nach dem WM-Abpfiff verlängern Löw, Manager Bierhoff, Co-Trainer Flick und Torwart-Coach Köpke ihre Verträge. © Getty
03.09.2010: Mit einem 1:0-Sieg in Belgien gelingt der Start in die Qualifikation für die EM 2012. Es folgen drei weitere Siege gegen Aserbaidschan (6:1), Türkei (3:0) und in Kasachstan (3:0). Damit liegt Deutschland als Tabellenführer klar auf EM-Kurs. © Getty
15.03.2011: Der DFB verlängert vorzeitig die Verträge mit Cheftrainer Löw, Manager Bierhoff, Co-Trainer Flick und Torwartcoach Köpke vorzeitig um zwei Jahre bis zur WM 2014 in Brasilien. © Getty
11.10.2011: Die deutsche Nationalmannschaft qualifiziert sich unter Bundestrainer Jogi Löw mit zehn Siegen in zehn Spielen für die EM 2012 in Polen und der Ukraine. So etwas hatte zuvor noch kein deutsches Team geschafft. © dpa

Wenn ihn nun auch noch die Schalker freundlich empfangen, freut sich auch Mama Marita. So richtig kann sich Neuer üble Pfiffe auch nicht vorstellen. „Ich weiß nicht genau, was mich erwartet. Aber ich glaube, dass deutsche Fans nicht gegen Spieler im deutschen Trikot pfeifen. Sie sollten bei einem Länderspiel die deutsche Mannschaft und den deutschen Torwart unterstützen.

Jan Janssen

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