Titan im tz-Interview

Kahn: "Sepp hat ja das Torwarttraining erfunden"

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München - Zum letzten Mal bei einem Bayern-Spiel im Stadion war Sepp Maier 2008. Damals hatte Oliver Kahn noch ein Mal die Torwarthandschuhe übergestreift und verabschiedete sich von der Fußballbühne.

Zum letzten Mal bei einem Bayern-Spiel im Stadion war Sepp Maier 2008. Damals hatte sein Musterschüler noch ein Mal die Torwarthandschuhe übergestreift – Oliver Kahn verabschiedete sich von der Fußballbühne. Seither ist Maier nur noch am Fernseher dabei, die Arena-Dauerkarten werden in der Familie herumgereicht. Oliver Kahn trifft er aber noch regelmäßig, sogar auf dem grünen Rasen. Allerdings auf dem, auf dem Golf gespielt wird.

Herr Kahn, was wünschen Sie Ihrem ehemaligen Lehrmeister?

Kahn: Ich wünsche ihm, dass er die richtigen Golfschläger für das passende Alter findet! Der Seppi spielt nämlich immer noch mit den gnadenlosen Stahlschätzchen, die eigentlich für 20- bis 25-Jährige bestimmt sind. Aber das macht er immer noch erstaunlich gut!

Die entspannten Golf-Tage hat er sich verdient – nach all den Jahren mit Ihnen an der Säbener Straße...

Kahn: Ja, na klar. Und das geht ja auch schon eine Weile so. Wenn wir zusammen gespielt haben, gab es zudem immer interessante Geschichten zu berichten. Haben wir uns zum Beispiel an Loch eins getroffen und begrüßt, dann haben wir den zweiten Satz erst an Loch 18 gewechselt – weil sowohl er als auch ich sehr ehrgeizige Golfspieler waren (lacht). Ich glaube, die Leute, die mit uns gespielt haben, haben nicht so viel Freude gehabt. Mittlerweile spielen wir ja nur noch aus Spaß.

Wie war er denn als Trainer? Neben dem Platz kommt er ja locker daher.

Kahn: Das täuscht! Nach außen war er entspannt, ja. Aber wenn es um das Torwarttraining ging, war er absolut konzentriert und unglaublich verlässlich. Er war immer verfügbar, und er war sehr, sehr kreativ. Er hat das Torwarttraining ja fast erfunden, er hat es professionalisiert. Eine Menge Leute haben sich das Training von ihm abgeschaut! Bei uns ist über 14 Jahre nicht nur ein Verhältnis zwischen Trainer und Torwart entstanden, sondern auch eine Freundschaft, die bis heute anhällt.

Hat er Ihnen eine Weisheit mit auf den Weg gegeben?

Kahn: Ja. Die lautete: „Genieß die Zeit! Denn es ist schneller vorbei, als du dir denken kannst!“ Ich habe immer gedacht, was meint er denn jetzt? Und ja, mittlerweile haben wir 2014, meine Karriere ist seit sechs Jahren beendet – und ich habe diesen Spruch noch immer in den Ohren, den er mit vor 15 Jahren eingeflüstert hat. Also: Die Zeit rast, vor allem in diesem Geschäft.

tz-Besuch im Internat des FC Bayern: Hier reifen die Stars von morgen

Die tz durfte das Internat des FC Bayern besuchen: Das Klingelschild mit dem Namen Alaba existierte da noch. Doch das Zimmer war geräumt, Alaba wohnt nicht mehr an der Säbener Straße. © sampics
Hier sehen Sie weitere Bilder aus dem Jugendhaus © sampics
Vom Aufenthaltsraum aus hat man einen guten Blick auf den Trainingsplatz der Profis © sampics
Gertrud Wanke (l.) ist die Heimleiterin © sampics
Sie ist zudem die gute Seele des Jugendhauses. Sie kümmert sich um die Zimmer der angehenden Profis, wäscht deren Wäsche © sampics
Jugend-Abteilungsleiter Werner Kern erklärt tz-Reporter Tobias Altschäffl den Tagesablauf © sampics
Das Jugendhaus von außen. © sampics
Hier ist eine Menge zu tun © sampics
Schließlich kommen fast täglich neue schmutzige Trikots rein. © sampics
Der Medizin-Raum des Internats. An der Wand ein Trikot vom Regionalliga-Titel 2004 © sampics
Die Kabine © sampics
Raum zum Relaxen © sampics
Hier reiften heutige Stars wie Schweinsteiger und Lahm © sampics
Im Taktik-Besprechungszimmer werden die Spiele per Video­analyse aufgearbeitet © sampics
Natürlich gehört auch ein Fitnessraum zur Ausstattung des Internats © sampics
Jugend-Abteilungsleiter Werner Kern © sampics
Im Eingangsbereich hängen zur Motivation die Profi-Trikots ehemaliger Internatsschüler © sampics

Er selbst hat über sich gesagt: „Ich werde der erste Mensch der Welt sein, der in seinem Leben nichts falsch gemacht hat.“ 

Kahn (lacht): Das ist ein mutiger Spruch. Das kann ich gar nicht beurteilen. Ich kenne ja nur seine sportliche Laufbahn, und da hat er sicherlich nicht viel verkehrt gemacht, immerhin hat er alles gewonnen. Alles andere wage ich nicht zu beurteilen, so gut kenne ich sein ganzes Leben nicht.

Er hat auch gesagt, dass Deutschland mit Sepp Maier und Oliver Kahn 2006 Weltmeister geworden wäre...

Kahn: Na ja, so ist der Seppi. Das war alles ein wenig ungut, wie das gelaufen ist – sein Abschied aus der Nationalmannschaft war fast unwürdig. So geht man nicht mit einem verdienten Mann um. Aber so eine Aussage ist natürlich hypothetisch und schwierig zu beurteilen. Ich glaube, der Jens Lehmann hat seine Sache während der WM super gemacht. Da macht es keinen Sinn, nachzukarten.

Interview: mic

"So ein Schleimer"

Sepp Maier bildete als Torwarttrainer auch beim DFB von 1988 bis 2004 eine Generation von Weltklasse-Keepern aus – bis er von Jürgen Klinsmann abserviert wurde. Eine Trennung, die bei Maier Wunden hinterließ, wie er damals im FaS-Interview durchblicken ließ.

„Es hat sich ja gezeigt: Wer Klinsmann widerspricht, ist weg. Der Einzige, den er nicht abgesägt hat, ist eigentlich der Koch“, so Maier. Er vermutete im Vorfeld der WM 2006 eine Intrige, mit der sein Schützling Oliver Kahn zum Ersatzmann von Jens Lehmann degradiert werden sollte. Insgeheim hätten einige gehofft, dass Kahn aufhört. „Als Klinsmanns Wahl öffentlich wurde, habe ich Kahn eine SMS geschrieben“, erinnert sich Maier. „Der erste Satz war nicht schön, den kann ich nicht zitieren. Der zweite Satz war, du kannst dir doch von diesem schwäbischen Dingsbums da deine zwölf Jahre als Weltklasse-Torhüter nicht kaputtmachen lassen.“

Doch Kahn machte weiter. Maier: „Ich habe das Fernsehinterview gesehen, Klinsmann am Strand, im Trainingsanzug. So ein Schleimer. Der hätte ja bloß sagen brauchen, mich freut’s, dass Kahn sich durchgerungen hat. Aber er hat ihn eingesalbt. Die Mannschaft kann auf ihn nicht verzichten, er ist so ein Vorbild.“ Dass ihm später Lehmann die Kompetenz in Sachen Fußball absprach, erzürnte Maier: „Und dann sagt da so ein Rotzlümmel, der versteht nix von Fußball.“

Quelle: tz

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