„Oliver war stets authentisch“

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Oliver Kahn betont emotional.

Lange Jahre galt Oliver Kahn als erfolgshungrige Profi-Maschine. Aus dem knurrigen Titan ist der Keeper der Herzen geworden. Am Ende seiner einzigartigen Karriere zeigt der 38-Jährige Gefühle. Die tz sprach mit Kahns Vater Rolf (64).

Herr Kahn, sind Sie stolz auf Ihren Sohn?

Kahn:Selbstverständlich. Aber mit einer gewissen Gelassenheit, ohne damit zu kokettieren.

Ihr Sohn wirkt ausgeglichen, nicht mehr so gehetzt. Hat er seinen Frieden geschlossen?

Er weiß halt, dass es langsam zu Ende geht. Selbstverständlich genießt er nun die Augenblicke, so wie am Samstag in Berlin. Aber ich kann Ihnen versichern: Mein Sohn hat sich nicht verändert.

Tatsächlich?

Olli wurde in der Öffentlichkeit oft als der Böse dargestellt, weil sich das besser verkauft. Er hat nie ein Leben vorgespielt, das er nicht geführt hat. Er war stets authentisch. Er ist ein Typ, von denen es nicht mehr so viele gibt im Fußball.

Jetzt trauern sogar die Kritiker, dass seine Karriere sich dem Ende zuneigt.

Vielleicht haben sich damals ein paar Menschen neu profilieren wollen.

Meinen Sie Jürgen Klinsmann?

Auch Oliver ist ein wenig traurig darüber, dass er an einem bestimmten Augenblick einem Menschen begegnete, der ihn nicht so brauchen konnte, wie er war.

Sie spielen auf die Degradierung Ihres Sohnes vor der WM 2006 in Deutschland an?

Ich sage nur: Es spricht doch nichts dagegen, wenn ein neuer Trainer kommt, andere Ideen hat und danach handelt. Hätte man Oliver 2004 gesagt, wie man vermutlich gedacht hat, wäre alles kein Problem gewesen. So war das nicht in Ordnung.

Warum hat Ihr Sohn nicht auf die WM verzichtet?

Weil er ehrgeizig ist, weil er dachte, dass Umstände eintreten könnten, doch noch gebraucht zu werden. Ich möchte auch betonen: Es geht nicht um das Thema Jens Lehmann. Er ist ein sehr guter Torwart, auch Oliver denkt das. Jens wird eine tolle EM spielen. Aber das ändert nichts daran, dass man mit Oliver nicht fair umgegangen ist. Er hatte nie eine richtige Chance. Er war nie die Nummer eins, er war immer nur „die Nummer eins und Jens der Herausforderer“. Da steckt ein leicht durchschaubarer Unterschied drin.

Hätte Ihr Sohn etwas anders machen sollen?

Es gibt nichts zu korrigieren.

Interview: Thomas Gassmann

Quelle: tz

Quelle: tz

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