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Uli-Hoeneß-Prozess spaltet die FCB-Fans

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Uli Hoeneß
Ein Archivfoto - doch die meisten Fans stehen weiterhin zu Uli Hoeneß. © dpa

München - Der Prozess um Uli Hoeneß spaltet die Fans des FC Bayern, der Tenor lautet Daumen drücken, doch Solidaritätsbekundungen sind nicht geplant. Kommt er zum Spiel gegen Arsenal?

Eigentlich ist ihm diese Kultur als bodenständigem Bayern fremd, doch irgendwie kriegt man sie immer mit, die Büttenreden da oben in den Karnevalshochburgen am Rhein. Hansi Gehrlein ist ein bajuwarischer Gegenentwurf zum Kölner Jecken, aber er hat trotzdem am Fernseher zugeschaut, wenn ein Clown eine Rede hielt – und festgestellt, dass heuer das Thema Uli Hoeneß/Steuern ein beliebtes Motiv gewesen ist.  Super fand er das nicht, als Bayern-Fan, aber er sagt auch: „Der Uli hat selber selten ein Blatt vor den Mund genommen, da muss er durch. Und mit uns als Fans schafft er das schon.“ Gehrlein meint die Büttenreden – und den Prozess, der am Montag startet.

Dass ein Gericht die Frage erörtert, wie zu sanktionieren ist, dass der Präsident des FC Bayern Steuern am Fiskus vorbeigeschleust hat, spaltet sogar die Fans. „Einige sagen schon: ,Sauerei’, die finden das wirklich nicht lustig“, sagt Gehrlein, seit Jahren ein Sprachrohr des Anhangs. Seine Meinung lautet: „Echte Fans fallen ihrem Präsidenten nicht in den Rücken.“

Uli-Hoeneß-Prozess im Live-Ticker

Fan: "Was man so liest und hört – es wird eng" für Uli Hoeneß

Ein Mitglied der Ultra-Szene, das nicht genannt werden will, skizziert die Szene so: „Sofern Uli Hoeneß nicht verurteilt wird, darf er auf jeden Fall der ,Präse’ bleiben. Aber es ist nicht denkbar, einen Präsidenten zu haben, der in Stadelheim oder so sitzt. Wie sollte er denn sein Amt von der Zelle aus ausüben? Dann wäre er kein würdiger Präsident mehr.“ Uli Hoeneß’ Verdienste seien unumstritten, „die nimmt ihm keiner, die macht ihm keiner streitig. Aber die Bayern sagen ja bei Auseinandersetzungen mit den Ultras auch gerne mal überspitzt, Kriminelle hätten im Stadion nichts zu suchen.“

Stichwort Stadion: Am Tag nach dem Prozessstart steht das Champions League-Spiel gegen den FC Arsenal an. Solidaritätsbekundungen sind keine geplant, heißt es in der Szene („ist nichts im Busch“), auch wenn der Tenor Daumen drücken lautet. Ob Hoeneß gegen die Briten in der Arena seinen angestammten Platz einnehmen wird? „Ich hoffe es, wir brauchen ihn“, sagt Gehrlein, „aber ich denke, es wird stark auf den ersten Prozesstag ankommen. Es heißt doch: Vor Gericht und auf hoher See weißt du nie, was passiert. Der Franz Beckenbauer hat das ganz gut gesagt: Wir können nur helfen, indem wir den Uli in unsere Abendgebete einschließen.“ Ein richtig gutes Gefühl habe er nicht, „was man so liest und hört – es wird eng“.

Uli Hoeneß war "in einem Hamsterrad, dann hat er sich übernommen"

Dabei stellt Gehrlein bei allen Überlegungen immer den Mensch in den Mittelpunkt. „Es ist doch so: Keiner von uns ist frei von Fehlern – so ist der Mensch.“ Was in Hoeneß gefahren ist, erklärt er sich so: „Der war plötzlich in einem Hamsterrad, dann hat er sich übernommen – aber ich finde, ein schlechter Mensch ist er deswegen jetzt nicht. So redet ein Bayern-Fan, glauben Sie mir, so reden und denken in meinem Umfeld alle.“

Aber nicht wirklich alle. Es war ein Gespräch mit Hoeneß und Rummenigge nötig, nach den ersten paar Spieltagen, als die Atmosphäre mit den Ultras vergiftet war. „Der Klub hat uns als Stimmungsdienstleister gesehen, da haben wir mal auf stur geschalten“, so einer aus der Szene. Nach der Bekanntgabe, dass Hoeneß der Prozess gemacht werde, sangen die gegnerischen Fans „Hoeneß in den Knast“, und es war gut zu hören, weil der eigene Anhang schwieg. Bei einem Treffen mit den Ultra-Vertretern war der Verein auf einmal kooperationsbereiter: Freie Blockwahl hinter dem Tor, Fanzäune halbiert, Extra-Tickets für Nebenränge, Maßnahmen, die Stadionkapazität zu erhöhen – plötzlich war viel möglich. „Das waren Zuckerl“, so ein Ultra, damit waren wieder höhere Dezibelzahlen von den eigenen Fans garantiert.

"Muss Uli Hoeneß ins Gefängnis, hat sich seine Präsidentschaft erledigt"

Uli Hoeneß
Uli Hoeneß kamen bei der Jahreshauptversammlung des FC Bayern die Tränen. © dpa

Im Dezember auf der Jahreshauptversammlung erklärte Hoeneß unter Tränen der Rührung – er war zuvor gefeiert worden –, er werde im Falle einer Verurteilung auf einer Außerordentlichen Versammlung abstimmen lassen, ob er im Amt bleiben soll. „Was soll da passieren, da hat er nichts zu befürchten“, ist die Meinung in der Ultra-Szene. „Es gibt ja nicht viele Möglichkeiten“, sagt Gehrlein: „Muss er ins Gefängnis, hat sich seine Präsidentschaft erledigt. Bei Freispruch bleibt er. Bei einer Bewährungsstrafe kommt es drauf an. Mein Gefühl sagt mir, dass die Leute dann sagen: ,Das ist unser Uli, der 30, 40 Jahre lang alles für diesen tollen Verein gegeben hat. Den behalten wir.“ Da können die Jecken in ihrem Karneval noch so blöd spotten. „Im Gegenteil: Mia san mia, jetzt erst recht“, so Gehrlein.

Andreas Werner

Kann es für Hoeneß noch ein gutes Ende geben? Fragen und Antworten zum Prozess

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