"Rafinha muss hier höllisch aufpassen"

Rafinha
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Rafinha im Trikot des FC Schalke - auch dort hat er für Ärger gesorgt

München - Ist der einstige Skandalprofi Rafinha wirklich geläutert? FC-Bayern-Legende Giovane Elber weiß um das Imageproblem seines Landsmannes - und spricht eine deutliche Warnung aus.

Zum Empfang gab es Churrasco. Das traditionelle lateinamerikanische Essen, bei dem Fleisch geschmort wird, sollte Rafinha am Montagabend stärken – schließlich hatte er einen langen Flug hinter sich. Am Dienstag dann stattete er seiner neuen sportlichen Heimat an der Säbener Straße einen Besuch ab. Für rund 5,8 Millionen Euro wechselt der brasilianische Nationalspieler an die Isar. Sportlich gibt es bei dem Schnäppchen wenig Zweifel. Aber passt Rafinha auch menschlich zum FC Bayern? Ist der einstige Skandalprofi wirklich geläutert?

Die Legionäre der Bayern aus den vergangenen 30 Jahren

In den vergangenen 30 Jahren streiften sich zahlreiche "Legionäre" das Trikot des FC Bayern über. Sehen Sie hier im Überblick, wieviele Spieler aus den verschiedenen Nationen seit der Saison 1981/82 an der Säbener Straße angestellt waren. Die Rangliste führt Brasilien mit zehn Spielern an. Mit eingerechnet ist dabei schon Neuzugang Rafinha. © Sampics
Brasilien (10): Breno, Luiz Gustavo, Lucio, Zé Roberto, Giovane Elber, Paulo Sergio (Bild), Jorginho, Mazinho, Bernardo, Rafinha , Dante © Getty
Niederlande (6): Arjen Robben, Edson Braafheid, Mark van Bommel, Roy Makaay (Bild), Jan Wouters, Raymond Victoria © Getty
Frankreich (6): Franck Ribéry, Willy Sagnol, Valerien Ismael, Bixente Lizarazu, Alou Diarra, Jean-Pierre Papin (Bild) © Getty
Italien (4): Luca Toni, Massimo Oddo, Antonio di Salvo, Ruggiero Rizzitelli (Bild) © Getty
Dänemark (4): Brian Laudrup, Allan Nielsen, Lars Lunde, Sören Lerby (Bild rechts) © Getty
Kroatien (4): Danijel Pranjic, Ivica Olic, Robert Kovac (Bild), Niko Kovac, Mario Mandzukic © Getty
Ghana (3): Sammy Kuffour (Bild), Emanuel Bentil, Christian Saba © Getty
Schweden (3): Patrik Andersson (Bild), Nisse Johansson, Johnny Ekström © Getty
Iran (3): Ali Karimi, Vahid, Hashemian, Ali Daei (Bild) © Getty
Türkei (3): Hamit Altintop, Mehmet Ekici, Berkant Göktan (Bild) © Getty
Belgien (3): Daniel van Buyten, Jean-Marie Pfaff (Bild ganz links), Robert Dekeyser © Getty
Österreich (3): David Alaba, Stefan Maierhofer (Bild), Harald Cerny © Getty
Schweiz (2): Ciriaco Sforza, Alain Sutter (Bild), Shaqiri © Getty
Bosnien-Herzegowina (2): Hasan Salihamidzic (Bild), Zvejzdan Misimovic © Getty
Peru (2): Claudio Pizarro, Paolo Guerrero (Bild) © Getty
Paraguay (2): Julio dos Santos, Roque Santa Cruz (Bild) © Getty
Argentinien (2): Martin Demichelis, José Ernesto Sosa (Bild) © Getty
Wales (1): Mark Hughes © Getty
Ukraine (1): Anatoli Timoschtschuk © Getty
Island (1): Asgeir Sigurvinsson (hier rechts im Dress des VfB Stuttgart) © Getty
Bulgarien (1): Emil Kostadinov © Getty
Kolumbien (1): Adolfo Valencia © Getty
Norwegen (1): Erland Johnsen © Getty
Schottland (1): Alan McInally © Getty
Guinea (1): Pablo Thiam © Getty
Polen (1): Slawomir Wojciechowski © Getty
Sambia (1): Andrew Sinkala © Getty
Tschechien (1): David Jarolim © Getty
Jugoslawien (1): Radmilo Mihajlovic © Getty
USA (1): Landon Donovan © Getty
Japan (1): Takashi Usami (auf Leihbasis) © ap
Kamerun (1): Louis Ngwat-Mahop © Getty
England (1): Owen Hargreaves © Getty
Russland (1): Alexander Karataev (kein Bild vorhanden) © sam

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Rafinha: Seine Begrüßung in München

Einer der den Ex-Schalker (153 Bundesligaspiele, 7 Tore) genau kennt, ist Giovane Elber. Der legendäre Bayern-Stürmer kommt wie der Neuzugang aus Londrina. Beide haben oft Kontakt, sind Mitveranstalter von Benefizspielen in Brasilien. „Gott sei Dank ist Rafinha endlich in München gelandet“, sagt Elber, als ihn die tz in seiner Heimat erreicht. „Für mich hat das zu lange gedauert. Er sollte ja schon im Sommer 2009 zu Bayern gehen, nicht zu Genua. Aber da hatte ein Herr ja etwas dagegen.“

Dieser Herr war Louis van Gaal. Der damals neue Bayern-Trainer ließ den fast sicheren Wechsel platzen, er wollte Rafinha nicht. „Ich habe damals schon mit den Verantwortlichen vom FC Bayern gesprochen“, erklärt Elber, „als Rechtsverteidiger kam für mich nur Rafinha in Frage“. Nun wurde der Wunsch des Ex-Stürmers erfüllt.

Doch auch Elber weiß um das Imageproblem seines Landsmannes. Der ehrgeizige, 1,72 Meter-Mann sorgte während seiner Zeit auf Schalke für Skandale – und wurde zu Rüpel-Rafinha. So reiste er 2008 ohne Erlaubnis seines Arbeitgebers zur brasilianischen Olympia-Auswahl ab. Sein Abschiedsgeschenk an Fans und Journalisten: Der Mittelfinger…

Auch Fotos vom feiernden Rafinha tauchten auf, Nachbarn beschwerten sich über wilde Party-Nächte. Deswegen warnt Elber den Außenverteidiger eindringlich. „Rafinha muss in Zukunft höllisch aufpassen“, warnt der ehemalige Publikumsliebling: „In München darf er keine Scheiße bauen, sich nichts erlauben!“ Denn Party-Eskapaden lassen sich hier nicht geheimhalten. „Rafinha muss wissen, wann er hier feiern darf“, meint Elber, „nach Titeln beschwert sich auch in München niemand, wenn man mal die Sau rauslässt. Aber ansonsten sollte er sehr vorsichtig damit sein.“

Wenn der Neuzugang das beherzigt, ist Elber davon überzeugt, dass er die Bayern weiterbringt. „Maicon ist der beste Rechtsverteidiger Brasiliens und natürlich gibt es Dani Alves“, spricht Elber die Starspieler von Inter Mailand und dem FC Barcelona an. „Aber Rafinha hat das Zeug dazu, genauso gut zu werden. Es fehlt ihm nicht mehr viel. Was er dringend gebraucht hat, ist ein europäischer Spitzenverein – und in dem ist er jetzt gelandet.“

 Elber ist überzeugt: „Wenn Rafinha bei Bayern regelmäßig spielt, dann kann er das Niveau von Maicon oder Alves erreichen. In Brasilien hat er schon jetzt einen großen Namen.“ In München will Rafinha nun wieder wirbeln – auf dem Platz, versteht sich…

Tobias Altschäffl

Quelle: tz

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