Overath & Netzer – klassische Zehner analysieren

Ribéry ist keine 10

Franck Ribéry
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Franck Ribéry - ist er wirklich eine Nummer Zehn?

München - Nach dem zweiten Spieltag ist es die wichtigste Diskussion bei den Bayern: Ist Ribéry wirklich eine Nummer Zehn? Oder ist er besser auf Linksaußen?

Er selbst sagt: „Ich ziehe es vor, auf links zu spielen. Ich fühle mich dort wohler, da habe ich mehr Platz.“ Sein Trainer Louis van Gaal aber will ihn als Regisseur im zentralen Mittelfeld einsetzen. Der Star gegen den Trainer – hier droht den Bayern der erste große van-Gaal-Zoff!

Auch unter Experten wird heiß diskutiert. Wolfgang Overath, zu seiner aktiven Zeit einer der besten Spielmacher Deutschlands, hält die Versetzung des Super-Dribblers in die Mitte für keine gute Idee. „Ich sehe ihn nicht in der Spielmacher-Rolle, denn er ist kein typischer Zehner. Auf der Außenbahn ist er viel besser aufgehoben. Wenn du so schnell bist wie er, brauchst du einfach mehr Raum. Denn dann kann er richtig auf den Mann losgehen, einen Trick – und er ist vorbei“, sagt Overath der tz.

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Und auch Ex-Nationalspieler Andy Möller ist skeptisch. „Ribéry muss da spielen, wo er am effektivsten für Bayern ist, und das war er bisher auf links. Ich weiß nicht, ob er das in der Mitte auch so gut kann. Ich würde ihn links spielen lassen“, meint Möller. Nach seiner Einwechslung am Samstag gegen Werder jedenfalls wich Ribéry immer wieder auf die Außen aus – dorthin, wo er sich wohlfühlt. Doch warum will van Gaal ihn unbedingt in der Mitte? Overath: „Vielleicht glaubt der Trainer, dass Ribéry so ein überragender Spieler ist, dass er noch mehr ins Spiel eingebunden werden muss und deswegen zentral spielen soll. Ich glaube aber nicht, dass das funktioniert, denn in der Mitte hat er einfach nicht so viel Platz wie außen. Er ist ein glänzender Solist, seine Stärke ist das Tempodribbling. Und das ist in der Mitte eben viel schwerer, weil nach einem gewonnenen Dribbling sofort ein anderer Gegenspieler aushelfen kann.“

Franck Ribéry: So zaubert, jubelt, scherzt und liebt der Bayern-Star

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Doch es gibt auch Befürworter der van-Gaal-Lösung. Günter Netzer: „Ich finde es einen sehr lobenswerten Versuch, einen Spieler mit diesen Fähigkeiten diese wichtige Aufgabe übernehmen zu lassen. Die Idee ist goldrichtig!“ Netzer glaubt: Franck kann’s! Doch er weiß auch: Wenn er in der Zentrale erfolgreich sein will, muss er seine Spielweise der Position anpassen. „Franck muss wissen, dass sich dort das Spiel verändert für ihn. Er hat mehr Verantwortung, er ist dann für das ganze Spiel verantwortlich. Er muss die Mitspieler in Position bringen“, so Netzer.

Doch warum schimpft Ribéry so wegen seiner Versetzung? „Es ist doch klar, dass er sich wehrt. Seine beste Position war bisher Linksaußen. Da fühlt er sich wohl, da hatte er seine größten Erfolge. Aber jetzt wird eben die optimale Lösung für die Mannschaft gesucht und nicht für den einzelnen Spieler“, so Netzer. Auch Andy Möller kann Ribérys Ärger nachvollziehen: „Ich hatte ein ähnliches Problem. Nevio Scala wollte, dass ich einzige Spitze spiele. Das hat nicht funktioniert, der Trainer hat es aber zehn Monate lang gegen meinen Willen versucht. Das war natürlich ein Dauer­thema, ständiger Diskussionsstoff. Resultat: Irgendwann war der Trainer weg! Wenn sie mich fragen: Das Problem sollten sie schnell lösen.“

Die Befürchtung: Der Konflikt zwischen Star und Trainer könnte sich zu einem Machtkampf ausweiten. Günter Netzers Tipp: „Franck sollte einfach versuchen, sich auf die Position einzulassen. Dann kann er auch Freude daran finden. Und dann muss man auswerten: Ist das gut für die Mannschaft? Und wenn nicht, muss man den Versuch abbrechen.“

jj

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