Löw rüffelt Lahm: Das steht ihm nicht zu!

+
Jogi Löw (r.) rüffelt Philipp Lahm

Düsseldorf - Bundestrainer Joachim Löw hat Philipp Lahm für sein Buch "Der feine Unterschied" nochmals in einem persönlichen Gespräch kritisiert, Konsequenzen aber erneut ausgeschlossen.

Lesen Sie dazu:

Bestseller-Liste: Lahm stößt "Schoßgebete" von Platz 1

Irgendwas ist anders. Der Bundestrainer, ansonsten stets freundlich lächelnd, wirkt verkrampft, beinahe verkniffen. Sein Kapitän Lahm geht ein paar Meter hinter ihm. Auch er kleinangespannt, mit düsterer Miene. Beide sind auf dem Weg zur „gemeinsamen“ Pressekonferenz. Der Pressekonferenz nach dem großen Krach um Lahms Buch. Auf dem Podium nimmt Lahm in auffällig großem Abstand zum Bundestrainer Platz.

Ein symbolisches Bild: Zwischen Löw und Lahm gibt es einen Graben,

die Distanz ist spürbar. Und legt Löw los: „Ich finde es nicht glücklich, dass Philipp als aktueller Spieler über ehemalige Trainer in der Öffentlichkeit urteilt. Das steht niemandem zu! Das finde ich nicht glücklich!“ Rumms!

Am Montag trafen sich Löw, sein Trainerstab sowie Oliver Bierhoff bei einem Werbetermin für Adidas in Oberhaching – schon dort hatte sich Lahm von den DFB-Verantwortlichen deutliche Worte anhören müssen. Auch vor dem Spielerrat muss er sich in den nächsten Tagen erklären. Kein Wunder – hatte Lahm doch Details aus dem Innenleben auch der Nationalmannschaft preisgegeben. Zum Beispiel hatte Lahm die EM-Mannschaft von 2008 einen „zerstrittenen Haufen“ genannt.

Eine Darstellung, die beim DFB niemandem gefallen konnte. So wurde sogar spekuliert, ob Löw seinen Kapitän des Amtes entheben würde. In dieser Hinsicht aber wiegelt Löw ab. „Wir sind der Meinung, dass keine Interna aus der Mannschaft herausgegeben wurden. Auch ich habe 2008 in einer Pressekonferenz gesagt, dass der Umgangston beim Kroatien-Spiel nicht in Ordnung war. Es waren also keine Interna – von daher gab es keine Diskussionen, dass man ihn als Kapitän absetzt.“

Lahm bleibt also Löws Spielführer – das Vertrauensverhältnis scheint aber gestört. Auf der Pressekonferenz: Kein Blick, kein Wort, kein Kontakt. Eiszeit. Löw stört vor allem, dass mit der Buch-Affäre wieder Unruhe in die DFB-Delegation gekommen ist. „Es stört mich, dass wir bei der Nationalmannschaft ständig andere Themen diskutieren!“ Für Lahm ein ordentlicher Schuss vor den Bug. Und der Nationalverteidiger gibt sich kleinlaut. „Der Trainer hat klargestellt, dass er es nicht gut findet, wenn ein aktueller Spieler so über Trainer urteilt. Wenn der Trainer das will, dann werde ich mich daran halten, ganz klar“, sagt Lahm, der auch offen zugab, von der Heftigkeit der Reaktionen auf sein Buch überrascht worden zu sein.

Dennoch setzt sich der Bayern-Star in zwei Punkten zur Wehr. Zum einen, gegen den öffentlich entstandenen Eindruck, er habe Interna ausgeplaudert. „Das würde ich nie machen, weil sich das nicht gehört innerhalb einer Mannschaft, vor allem nicht vom Kapitän!“, sagt Lahm. Und zum anderen, gegen die Art und Weise, in der die Bild-Zeitung Auszüge aus dem Buch vorab druckte. „Die Darstellung hat mir nicht gepasst. Man hat nur kleine Auszüge genommen. Wenn man das Buch ganz liest, sieht man aber, dass es ein leichtes Buch ist, eine Erklärung, was im Fußball gefordert ist. Es ging mir nicht darum, Trainer in die Pfanne zu hauen. Das ist eine Darstellung, wie ich sie nicht gewollt habe.“

Aber warum hat er das nicht verhindert? Immerhin hatte er den Vorabdruck ja exklusiv an die Bild-Zeitung vergeben. Lahm: „Ich kann ja niemandem vorschreiben, was er druckt und was nicht. Aber wenn sie das Buch ganz lesen, dann werden sie sehen, das die Darstellung im Buch eine andere ist.“

Dennoch: Löw ist über die Ganze Sache not amused. Zumal er das Buch nicht vorher lesen konnte: „Ich sollte eigentlich vor ein paar Monaten einen Einblick bekommen. Das hat aber aus irgendwelchen Gründen nicht geklappt.“ Es scheint, als sei das Thema längst noch nicht gegessen: „Es wird sicher die Gelegenheit geben nochmal zu sprechen und da besteht auch von unser Seite noch Gesprächsbedarf.“

Jan Janssen

Auch interessant

Meistgelesen

Allianz Arena in München: Das ist das Fußball-Stadion des FC Bayern
Allianz Arena in München: Das ist das Fußball-Stadion des FC Bayern
FC Bayern München: Gigantische Geldquelle plötzlich in Gefahr? Große Debatte in der Bundesliga
FC Bayern München: Gigantische Geldquelle plötzlich in Gefahr? Große Debatte in der Bundesliga
Planstelle im Mittelfeld: Tolisso weg, Brozovic zum FC Bayern? Tausch-Deal mit Inter im Gespräch
Planstelle im Mittelfeld: Tolisso weg, Brozovic zum FC Bayern? Tausch-Deal mit Inter im Gespräch
FC Bayern: Nach vielsagender Instagram-Story - Münchner planen künftig wohl mit Ibrahimovic
FC Bayern: Nach vielsagender Instagram-Story - Münchner planen künftig wohl mit Ibrahimovic

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion