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Rummenigge enthüllt Hoeneß' einzige Schwäche

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Karl-Heinz Rummenigge bei seiner Laudatio © Getty

München - Bei der Feier zu Uli Hoeneß' 60. Geburtstag hielt Karl-Heinz Rummenigge eine große Laudatio. Er nannte Hoeneß "die Seele unseres Klubs", bot aber auch viel Anlass zum Schmunzeln: die wichtigsten Passagen aus der Rede.

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Was für ein Abend! Die Prominenz feiert einen der größten Fußball-Macher dieses Landes, den Manager der Bundesliga. Aus ganz Deutschland waren die Gäste gekommen, um anzustoßen auf den „Vater Theresa vom Tegernsee, den Nelson Mandela vom Ulmer Eselsberg“, wie Karl-Heinz Rummenigge ihn am Freitag liebevoll umschrieb. Der Vorstandsboss des FC Bayern und Weggefährte von Uli Hoeneß hielt eine lange, launige Rede auf das Geburtstagskind. Rummenigge: „Ich weiß, Du magst all diese Lobhudelei nicht. Deshalb will ich nur so viel sagen: Ohne Dich, lieber Uli, wärst Du heute nicht hier. Wir alle aber auch nicht.“ Was wirklich schade gewesen wäre. Denn neben gutem Essen, vielen Gesprächen und feucht-fröhlichen Einlagen gab es vor allem interessante Details aus der Karriere des großen Uli zu hören – ausgerechnet von Freund Kalle ausgeplaudert.

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…Uli Hoeneß und einem großen Irrtum:

„Es heißt ja immer, Uli Hoeneß wäre der Parade-Bayer schlechthin, kam aber irrtümlich in Baden-Württemberg zur Welt. Das ist falsch! Denn das Bundesland Baden-Württemberg wurde erst am 25. April 1952 gegründet, mehr als ein Vierteljahr nach der Geburt von Uli Hoeneß. Die Mutter aller Manager wurde quasi als Staatenloser in ein geographisches Vakuum hineingeboren.

Aber Bayern hat Uli mit offenen Armen aufgenommen. Es waren ja auch nur 3,4 Kilometer vom Eselsberg 1 an die Donau, nach Neu-Ulm, nach Bayern, an die Grenze des gelobten Landes.

Heute darf Uli Hoeneß als vollständig assimiliert gelten. Phäno­typisch bayerischer als er kann man gar nicht aussehen – wenn sein Labrador Kuno ein Dackel wäre, wäre das Bild perfekt.“

…Uli Hoeneß und seiner Beliebtheit in der Bevölkerung:

„Wenn man heute eine Umfrage machen würde, 99,9 Prozent würden Uli einen Gebrauchtwagen abkaufen. Die 0,1 Prozent ist Willi Lemke. Und 82 Prozent sogar eine Gebrauchtwurst. Wenn Uli seine Bereitschaft erklären würde, als Bundeswirtschaftsminister zu kandidieren, würde der Spiegel morgen mit einer Sonderausgabe erscheinen, auf deren Titel Helmut Schmidt verkündet: ‚Er kann es!’“

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…Uli Hoeneß und seiner einzigen Schwäche:

„Ich kenne Uli Hoeneß seit 38 Jahren. Und in all den Jahren hat er immer Schafkopf gespielt. Das Problem ist: Er schafkopft, wie er golft. Und er golft, wie er schafkopft. Verbesserungen finden statt, aber eher im Theoretischen. Ich werde ja immer wieder gefragt: Der Uli ist so ein sparsamer Mensch, wofür gibt er eigentlich sein Geld aus?

Die Antwort ist einfach: Sein Geld gibt er fürs Verlieren beim Schafkopfen aus. Uli Hoeneß ist an allen Schafkopftischen dieser Welt der gerngesehenste Gast. Das hat schon in den Siebzigern begonnen. Bernd Dürnberger soll beim Schafkopfen mit Uli mehr verdient haben als in seiner gesamten Karriere als Bayern-Spieler. Später haben sich Mehmet Scholl, Jens Jeremies, Manni Schwabl und viele andere mehr am Manager bereichert – alle Spieler nennen ihn übrigens bis heute „Manager“, auch als Präsident.

Was Ihr bloß nie verstanden habt, liebe Spieler: Bei seinem allerliebsten Kartenspiel, beim Vertragspokern, hat er sich das verlorene Geld um ein Vielfaches von Euch zurückgeholt.

Viele meinen ja: Mit seiner Intelligenz müsste Uli Hoeneß eigentlich viel besser schafkopfen. Ich halte viel von dieser Theorie. Wenn er sich mehr bemühen würde, wäre die Schafkopf-Champions-League in Griffweite, er könnte beinahe der Lionel Messi des Schafkopfens sein, das Schafkopf-Barça. Aber er freut sich einfach so, dass er Teil der Gemeinschaft ist, seiner Bayern-Familie, dass er vor lauter Begeisterung beim Schafkopfen das Schafkopfen meistens vergisst.“

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…Uli Hoeneß und seinen kleinen Ticks:

„Ich kann Ihnen verraten: Der junge Hoeneß hatte Marotten, es war zum Totlachen. Jung-Siegfried, so nannte ihn der Franz, kämpfte beispielsweise permanent gegen Haarausfall. Er hat 378 Mittelchen ausprobiert, um diesen Haarausfall zu stoppen. Paul Breitner hatte die Haare, die Uli nie hatte. Uli hat dagegen angekämpft wie ein Verrückter. Heute hat er den Kampf längst verloren und trägt seine Niederlage mit großer Würde.

Seine Fußballschuhe waren seine zweite Marotte. Uli hat noch in Schuhen gespielt, die von Adi Dassler persönlich auf Maß gefertigt wurden, eine Riesenehre. Damals gab es das Känguruhleder, das geschmeidigste Leder schlechthin. Uli bestand auf Schuhen, die eine halbe Nummer zu klein waren, und auf extra dünnen Stutzen. Damit die Schuhe schön weich wurden, musste man warten, bis es schifft, also regnet. Und als nächsten Schritt, ich kann es nicht anders ausdrücken, musste man es selbst schiffen lassen – ein besseres Mittelchen, um seine Schuhe geschmeidig zu bekommen, gab es nicht. Uli beherrschte alle Tricks.“

…Uli Hoeneß und seinen ersten Versuchen als Geschäftsmann:

„Als ich Uli Hoeneß kennengelernt habe, war ich 18, ein blutjunger Bursche aus Lippstadt. Und ich habe mehr als einmal über diesen Kerl gestaunt, mit dem ich ein Doppelzimmer geteilt habe. Er immer links im Bett, ich immer rechts, wie ein altes Ehepaar. Das erste prägende Erlebnis, an das ich mich erinnern kann, war gleich nach der WM 1974 in Deutschland. Ich war vier Wochen beim FC Bayern, Uli war frischgebackener Weltmeister – und sein WM-Buch war so erfolgreich, dass eine Neuauflage gedruckt wurde, die man beim Aldi kaufen konnte.

Wir lagen also am Freitagabend im Bachmair im Bett, er links, ich rechts, und haben den Kommissar im ZDF angeschaut. Uli Hoeneß hat nebenbei geschrieben und geschrieben. Es war nämlich so: Er musste jeden einzelnen Umschlag seines Buches eigenhändig unterschreiben. Irgendwann habe ich ihn gefragt: „Sag mal, Uli, nervt Dich das nicht?“ Und er hat geantwortet: „Weißt Du was, für jede Unterschrift kriege ich eine Mark.“ Zwei- bis zweieinhalbtausend Unterschriften hat er geschafft an einem Abend – während wir den Kommissar angeschaut haben. Man kann also mit Fug und Recht behaupten: Uli Hoeneß war der Erste im deutschen Fußball, der mit Fernsehen so richtig Geld verdient hat. Der Weg vom Spieler zum Dealer war vorgezeichnet.“

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…Uli Hoeneß und seinen späteren Manager-Qualitäten:

„1999 wollten wir Roque Santa Cruz kaufen und haben den ganzen Tag in Paraguay im Wohnzimmer des Präsidenten von Olympia Asunción zugebracht, mit dem kompletten Santa-Cruz-Clan im Zimmer, mit Sicherheitskräften samt Pumpgun vor der Tür. Der Verein wollte zehn Millionen Dollar Ablöse, damals gut 16, 17 Millionen Mark – wir wollten aber nur zehn Millionen Mark zahlen.

Nach mehreren Stunden Verhandlung waren wir keinen Schritt weiter. Da meinte Uli: Ich hab eine Idee! Also hat er den Südamerikanern per Dolmetscher erzählt, dass wir zuhause einen Beirat im Nacken sitzen haben – und wenn wir auch nur elf Millionen Mark bezahlen, besteht akute Gefahr, dass uns dieser Beirat morgen hochkant rauswirft. Uli hat wortreich erklärt, wer alles in diesem Beirat sitzt, Stoiber, Markwort, Franz Beckenbauer. Die Leute aus Paraguay haben beinahe selber Angst bekommen vor diesem furchterregenden Beirat, und uns Roque für zehn Millionen D-Mark überlassen.“

Am Ende war es eine richtig runde, schöne Laudatio auf den Gastgeber. Rummenigges Fazit: „Der FC Bayern und Uli Hoeneß sind untrennbar miteinander verbunden. Du bist die Seele unseres Klubs. Und der FC Bayern und du sind alles. Nur nicht seelenlos und bloß nicht langweilig.“

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