Remis im direkten Duell

Schalke und Eintracht: Bayern-Jagd beendet

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Armin Veh

Gelsenkirchen - Die Bayern-Jäger Schalke und Frankfurt nahmen sich beim 1:1 gegenseitig die Punkte weg. Eine Frage, die sich auf die Münchner bezog, beantworteten beide Trainer wortkarg.

Armin Veh schmunzelte amüsiert, neben ihm setzte Huub Stevens seine finsterste Knurrer-Miene auf. „Die Frage kann nur einem Trainer gelten“, sagte Eintracht Frankfurts Coach Veh nach dem 1:1 (1:1) bei Schalke 04 und blickte erwartungsvoll in Richtung seines Kollegen Stevens, der grimmig entgegnete: „... und das kannst nur Du sein, Armin.“ Danach herrschte Schweigen.

In der Frage ging es um Spitzenreiter Bayern München, der in der Tabelle den beiden Verfolgern auf zehn Punkte enteilt ist, und um Meister Borussia Dortmund, der an dem Duo auf Platz zwei vorbeizog. Während beide schwiegen - Veh mit einem Lächeln, Stevens mit blitzenden Augen - erweckten beide Trainer durchaus glaubhaft den Eindruck, als sei ihnen nach dem rassigen Spitzenspiel der Blick auf die Tabelle tatsächlich völlig egal gewesen.

Veh, dessen Mannschaft eine beeindruckende erste Halbzeit hingelegt hatte, ließ sich zumindest entlocken, auch nach dem Punktgewinn beim Champions-League-Teilnehmer und mit 24 Zählern nach 13 Spieltagen auf dem Konto am Saisonziel Klassenerhalt nicht rütteln zu wollen. „Das Ziel bleibt so, weil es vernünftig ist. Wenn die Mannschaft das schafft, hat sie richtig was geleistet.“

Die Schalker Ansprüche sind andere, doch die Meisterschaft, die ohnehin für die Königsblauen allenfalls intern ein Thema gewesen ist, wurde spätestens am Samstag endgültig abgehakt. „Wir sollten nicht träumen, die Bayern spielen eine Supersaison“, sagte Mittelfeldspieler Jermaine Jones: „Wir sollten uns auf unser Ziel konzentrieren, und das bedeutet internationales Geschäft.“

Sportdirektor Horst Heldt verwies zaghaft darauf, dass Dortmund und Bayern ja am kommenden Samstag aufeinanderträfen, zur Tabellensituation wollte auch er sich nicht äußern: „Dazu wurde schon alles gesagt.“ Man denke perspektivisch, ergänzte Heldt, und lasse sich an guten Tagen „auf keinen Hype ein“ und begehe an schlechten „keinen Trauertag“.

Heldt gab sich viel Mühe, dem Eindruck entgegenzuwirken, sein Team durchschreite angesichts von nur vier Punkten aus den letzten vier Ligaspielen eine Talsohle. „Das ist mir egal“, sagte Heldt ungewohnt giftig, „ich weiß, was die Mannschaft geleistet hat, und ich lasse es mir nicht gefallen, dass sie schlecht wegkommt. Sie hat es verdient, dass man sie verteidigt.“

In der Tat gab es die Möglichkeit, das 1:1 gegen den starken Aufsteiger aus Hessen positiv zu sehen. Vor der Pause hielt man trotz Überlegenheit einer bärenstarken Eintracht nach Treffern von Klaas-Jan Huntelaar (11.), der nach 590 Minuten seine Torflaute in der Liga beendete, und Stefan Aigner (13.) ein Unentschieden.

In der zweiten Halbzeit hatten die Königsblauen, die erst am Mittwoch beim 1:0 gegen Olympiakos Piräus in der Champions League noch voll gefordert waren, die Eintracht im Griff und drängten auf den Siegtreffer. Doch Frankfurts Torwart Kevin Trapp, der kurz vor Schluss mit einer Glanzparade einen Schuss von Teemu Pukki entschärfte, hielt den Punkt für die Gäste nach einer Gelb-Roten Karte gegen Stürmer Karim Matmour (87.) in Unterzahl fest.

Es war beiden Teams und dem phasenweise hochklassigen Spiel zu verdanken, dass ein von langer Hand vorbereitetes Feuerwerk in der Halbzeitpause das Duell nicht überschattete. Schalker Ultras hatten in ihrem Fanblock etwa zwei Dutzend Bengalos gezündet, die Abdeckung zu einem Ausgang geriet dabei in Brand.

„Das war eine traurige Angelegenheit. Wir haben von etwa 60 Personen die Personalien festgestellt und werden gegen diese auch Strafverfahren einleiten“, sagte Polizeisprecher Konrad Kordts: „Wir haben die Aktion videografiert und die Personen identifiziert. Dann haben wir sie nach dem Spiel abgefangen.“

„So etwas ist absolut zu verurteilen. Ich denke, unsere Fans haben die richtige Anwort gegeben“, sagte Schalkes Sportdirektor Horst Heldt. Er lobte damit das ohrenbetäubende Pfeifkonzert und die Sprechchöre („Wir sind Schalker, und ihr nicht“), die die paar Dutzend zündelnder Ultras als das brandmarkten, was sie in der mit 61.673 Zuschauern ausverkauften Arena waren: Außenseiter.

sid

Wurfgeschosse in Stadien: Bierbecher, Sellerie, eine Katze und Dildos

Wurfgeschosse in Stadien: Bierbecher, Sellerie, eine Katze und Dildos

1.4.2011: Beim Spiel St. Pauli gegen den FC Schalke 04 wurde Schiedsrichter-Assistent Thorsten Schiffner von einem Bierbecher getroffen. Das Spiel wurde abgebrochen. Hier sehen Sie weitere Geschosse, die auf Spielfelder jeglicher Sportarten geworfen wurden. Einige davon sind sehr skurril - aber gefährlich sind die meisten allemal. Also: Bitte nicht nachmachen! © Getty
Thorsten Schiffner war nicht der erste Schiedsrichter-Assistent, der von einem Becher getroffen wurde. 2006 streckte Kai Voss beim DFB-Pokal-Spiel zwischen Stuttgarter Kickers und Hertha BSC ein Bierbecher nieder. © getty
Deutschlands Torhüter bei der Weltmeisterschaft 1974 wurde von einem Gymnasiasten 1971 mit einem Messer beworfen. Er wurde aber - zum Glück - nicht getroffen. © dpa
Ein Motorroller im Stadion (hier mit Uli Hoeneß am Steuer) ist schon ungewöhnlich. Erst recht beim Mailänder Derby 2001: Dort versuchten Stadionbesucher einen Roller von der Tribüne zu werfen. © getty
Frank Baumann (M.) erwischte es während eines Bundesligaspiels. Er wurde im November 2008 von einem Handy-Akku getroffen. © getty
Im Carling-Cup-Finale 2007 zwischen dem FC Chelsea und dem FC Arsenal flog Sellerie von den Rängen. Arsenals Fabregas kann es nicht verstehen. Die Fans des FC Chelsea sangen bei fast jedem Spiel ein nicht jugendfreies Lied, in dem auch das Gemüse vorkommt. © getty
Beim UEFA-Cup-Spiel zwischen NEC Nijmegen und dem HSV traf Schiedsrichter Darko Ceferin ein undefiniertes Wurfgeschoss am Kopf. Das Spiel musste unterbrochen werden. © getty
Anders Frisk wurde beim Champions-League-Spiel zwischen AS Rom und Dynamo Kiew von einem Wurfgeschoss getroffen und musste mit einer Platzwunde vom Platz. © getty
Oliver Kahn traf am 12. April 2000 in Freiburg ein Golfball. Blutüberströmt musste er von Uli Hoeneß zurückgehalten werden, da er völlig außer sich war. © ap
FC Liverpool - AFC Sunderland im Oktober 2009: Ein großer roter Strandball wurde aufs Spielfeld geworfen. Dort landete er im Liverpooler Strafraum, wo der Ball einen Schuss unhaltbar für José Reina abfälschte. Das Spiel endete 0:1. © getty
Halbfinale UEFA-Cup: Hamburger SV gegen Werder Bremen: Stand 1:2 für Bremen. Diese Papierkugel lenkte einen Ball entscheidend zur Ecke ab, die prompt das 1:3 für die Werderaner brachte. Trotz des Anschlusstreffers drei Minuten vor Schluss schied Hamburg aus. © dpa
Auch Toilettenpapier fliegt regelmäßig auf den Rasen. Hier beim Spiel FC Bayern gegen den 1. FC Nürnberg. Raphael Schäfer, Torhüter des "Clubs", zeigte sich aber unbeeindruckt. © getty
Im Carling-Cup-Halbfinale gegen den Ortsrivalen ManU wurde Craig Bellamy 2010 von einer Münze am Kopf getroffen. Eine heranfliegende Bierflasche flog knapp an ihm vorbei. © getty
Mailänder Derby 2005: Im Champions-League-Viertelfinale wurde AC Milans Torhüter Dida von Leuchtraketen getroffen und sank zu Boden. Das Spiel wurde abgebrochen. © dpa
Neben Leuchtraketen und einer Rumflasche warfen Zuschauer 2006 auch eine Katze auf das Spielfeld: Geschehen beim Derby zwischen Real Betis und FC Sevilla. © dpa
Viele Ratten wurden bei den Florida Panthers ab 1992 aufs Spielfeld geworfen. Grund: Scott Mellanby tötete eine Ratte in der Kabine mit dem Stock und traf danach zwei Mal. 1996 wurde diese Sitte verboten. © dpa
Super-League-Spiel zwischen Luzern und Basel am 7.November 2010: Fans des FC Basel warfen Tennisbälle auf das Spielfeld. Damit sollte gegen die frühe Anstoßzeit der Partie protestiert werden, welche auf Druck des Schweizer Fernsehens und wegen des Finals der Swiss Indoors in Basel vorverlegt wurde. © dpa
Ein Schweinekopf flog im Camp Nou beim "Clasico" zwischen Real Madrid und FC Barcelona aufs Spielfeld. Damit wollten die Fans von Barca ihre Meinung zum Wechsel von Luis Figo von Barcelona zu Real zeigen. © dpa
Stadionsitze sind, besonders in Südamerika, beliebte Wurfgeschosse. Allerdings auch in Europa kommt es vor, dass Sitze aufs Spielfeld fliegen, so auch 2000 beim Spiel Sevilla gegen Atletico Madrid. © dpa
Paul hatte Glück, in einem Aquarium zu leben. In der NHL wurden bei Siegen der Detroit Red Wings Tintenfische regelmäßig aufs Eis geworfen. Das hatte Tradition, da 1952 ein Besitzer eines Fischlokals immer ein Oktopus aufs Feld warf, der für die Play-offs einen Sieg bescheren sollte. Das schwerste Tier wog 25 Kilo. © dpa
Zahlreiche Dildos flogen im Oktober 2008 im Spiel zwischen AIK Stockholm gegen Leksand aufs Eis. Die Fans des Stockholmer Eishockey-Klubs zeigten damit ihren Unmut über Jan Huokko, der sich zum Jahresanfang einen Sexskandal leistete. © dpa

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