Der Star der Stadt ist er immer noch

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Schwerpunkt-Tätigkeit Benefizaktionen: Luca Toni und Franck Ribery sind diese Saison vor allem in ihren Nebenrollen in Erscheinung getreten.

München - Am Donnerstag endet der Sonderurlaub für Luca Toni . Dann soll der Italiener beim FC Bayern wieder ins Training einsteigen. Kommt der Weltmeister noch einmal in die Gänge – oder wird doch der Abschied bis Schließung des Transfermarkts am 31. August eingeläutet?

Seit dem 16. Juli 2009 sind ins Bildarchiv dieser Zeitung 152 Fotos mit Luca Toni drauf eingestellt worden. Eine Aufnahme muss man abziehen, sie zeigt den Komiker Matze Knop als Luca Toni verkleidet – wie er in Mailand den Lottoschein hoch hält, mit dem er den italienischen Super-Jackpot knacken wollte. Also: 151 Mal Luca Toni in gut einem Monat.

Die wertvollsten Bayern-Spieler

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Motiv-Spitzenreiter ist mit 47 Fotos Luca Toni in der Münchner Edelpizzeria „H’ugo“, 36 Bilder entstanden im Rahmen der Mannschaftsfoto-Aufnahmen an der Säbener Straße, wo die Spieler auch mit Sponsoren-Produkten posieren, neunmal sitzt Toni auf der Tribüne der Allianz Arena (beim Audi-Cup war er nur Zuschauer), und auf drei Fotografien ist er als Werbebotschafter für seine Heimat, die Emilia Romagna , zu sehen. Der Text zu einem Bild lautet: „Als Handwerker gar nicht so ungeschickt: In Santarcangelo lernte Luca Toni die alte romagnolische Rostdruckkunst kennen.“ Aber was ist mit dem Fußballer Toni? Ja, es gibt ein paar wenige Bilder aus dem Bayern-Training – von Ende Juli. Eigentlich fühlt es sich so an, als wäre Toni gar nicht mehr im Bayern -Kader. Was ist los? Und wie geht es weiter?

Toni, der Spätstarter: Dass er in die Saison nicht in bestem Zustand geht, das hat Tradition. In seinem ersten Bayern-Jahr (2007/08) verletzte Toni, aufgrund einer Leisten-Operation in Italien eh beeinträchtigt, sich in der Vorbereitung, dass ihn der damalige Trainer Ottmar Hitzfeld im ersten Bundesligaspiel (4:0 gegen Rostock) dennoch brachte, war ein Überraschungscoup.

Doch die Fitness musste der Weltstar sich im Spielbetrieb holen. Erst kurz vor Ende der Vorrunde hatte Toni so weit aufgeholt, dass ihn Hitzfeld grundsätzlich 90 Minuten durchspielen ließ. Auch 2008/09 (Trainer: Jürgen Klinsmann ) verpasste Toni den ersten Spieltag – Nachwirkungen der EM. Vom 9. bis 11. sowie 21. bis 25. Spieltag fiel er erneut aus. Die zweite Fehltzeit resultierte aus den Achillesbeschwerden, die Toni auch jetzt heimsuchen.

Bayern gegen Werder: Die Bilder

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Toni, der Nationalspieler: Seit fast zwei Jahren eine zunehmend traurige Angelegenheit. Mit zwei Toren (beim 3:0 gegen die Ukraine) hatte er noch zum Gelingen der WM 2006 beigetragen, er stand in der Final-Elf, war Weltmeister. Fünf Tore steuerte er für die Qualifikation zur EM 2008 bei, bei der Italien dann unterging. Das EM-Tor im Gruppenspiel gegen Frankreich war sein bis heute letztes für die Squadra Azzurra. 14 Monate ist das her. Toni wurde in der italienischen Presse verrissen – wegen seiner Fehlschüsse, wegen seines Schnurrbarts, den er sich während des frustigen Turniers stehen ließ.

Toni verlor auch die private EM-Torwette gegen seinen Bayern-Kollegen Miroslav Klose, der preisgab, was der Italiener ihm in den SMS verriet: „Luca hat mir getextet, er hat ein Problem mit seinem kleinen Freund, dem Ball.“

Den Stammspielerstatus hat Toni in Italiens Nationalelf verloren. Sechs WM-Qualifikationsspiele – er wurde zweimal ein-, viermal ausgewechselt. Die drei Partien beim Confederations Cup in Südafrika – zweimal rein, einmal raus. Torlos. Toni ist 32 und eine der Symbolfiguren der Überalterung in seiner Nationalmannschaft. Die WM ist für ihn in Gefahr.

Tonis Status bei Bayern : Man hat Mario Gomez geholt, der so ähnlich spielt wie er, aber neun Jahre jünger und technisch versierter ist. Klose zog in der internen Hierarchie wieder an Toni vorbei. Neuzugang Ivica Olic, im Teamkreis liebevoll „Ivi“ genannt, hat sich mit seiner Emsigkeit bei den Fans gut eingeführt. Nachwuchsstürmer Thomas Müller hat sich in der Saisonvorbereitung eher als vollwertige Kraft denn als Ergänzung für die Kaderliste etabliert. Der FC Bayern hätte also auch ohne Luca Toni vier Stürmer – einen mehr als im Vorjahr, wo man feststellte: Drei reichen nicht.

Hochgeschätzt ist Luca Toni beim FC Bayern wegen seines sozialen Engagements. „Wir haben jede Woche kranke Kinder zum Training da, manche nehmen sogar einen Liegendtransport durchs ganze Land auf sich“, erzählt Sportdirektor Christian Nerlinger und lobt: „Toni und Ribery sind da sehr gefragt, sie nehmen sich immer Zeit.“

Toni, der Münchner: Er hat sich die Stadt in zwei Jahren untertan gemacht, er ist ein Star der Society. Außerhalb Italiens für ihn der beste Ort zu leben. Kein Vergleich zu Locations in England, wo Toni als Kandidat gilt bei Tottenham Hotspur und West Ham United. Monaco ginge als Alternative noch. Doch eigentlich ist klar: Wenn er wechselt, will der 32-Jährige in ein Wohlfühl-Biotop: nach Italien.

Tonis Preisschild: 11 Millionen Euro hat der FC Bayern vor zwei Jahren an den AC Florenz entrichtet. Die Internet-Börse „Transfermarkt.de“ sieht den Wert Tonis (Vertrag bis 2010) bei 16 Millionen. Unter den derzeitigen Umständen wohl utopisch.

Von Günter Klein

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