So tickt Matthias Sammer

Für Titel lässt er sich "A****loch" rufen

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Matthias Sammer interessiert nur Platz 1

München - Matthias Sammer hat in seinem Leben schon viele Sätze rausgehauen, bei denen die Taste für den Weichspülgang vorher nie gedrückt wurde. Wir erklären, wie der neue FC-Bayern-Vorstand tickt.

Matthias Sammer hat in seinem Leben schon viele Sätze rausgehauen, bei denen die Taste für den Weichspülgang vorher nie gedrückt wurde. Sein Motto: Immer drauf auf die Wunde, auch wenn’s noch so weh tut. Bisweilen reagieren die Leute verschreckt darauf, manche kommentieren es mit einem „Genau, recht hat er!“, dem einen oder anderen geht sein rechthaberisches Auftreten – vor allem als Sky-Experte – aber auch ganz einfach auf den Keks. Klar, einer wie Sammer, dessen Spitzname „Motzki“ passt wie der Deckel auf den Topf, muss polarisieren. Verbindlich zu sein, war nie sein Anliegen, und ob ihn die Leute jetzt lieben und verehren oder nicht, scheint ihm so was von egal zu sein. Nicht von ungefähr hat er mal gesagt: „Wenn ich am Ende als Nummer eins vorne stehe, dann können mich die Leute auch Arschloch rufen!“

Wie hätte er wohl in den letzten zwei, drei Monaten reagiert, wenn er schon beim FC Bayern in Amt und Würden gewesen wäre? Dreimal Zweiter! Für ihn der absolute Graus. Hätte er mitgeheult mit Robben und Schweinsteiger nach ihren Schicksalsschlägen, erlitten am Elfmeterpunkt? Wären Anatoli Timoschtschuk und Toni Kroos noch am Leben, nachdem sie sich im Champions-League-Finale strikt geweigert hatten, zum weißen Kreidepunkt zu gehen?

„Ich brauche Spieler, die auf dem Platz die Rute rausholen“, hat Sammer mal sein Anforderungsprofil gekennzeichnet – da gibt es einiges zu tun für ihn beim FC Bayern.

Sammer hat am gleichen Tag Geburtstag wie Paul Breitner (5. September), und genauso wie der 16 Jahre ältere Ex-Kapitän der Bayern und Weltmeister von 1990 hat auch er meist seinen Sturschädel durchgesetzt.

Sammer, so hat es den Eindruck, hat immer genau gewusst, was er will. Bis zum Alter von 22 wuchs er in der DDR auf, worin er auch die Ursache sieht, dass er nach wie vor ein misstrauischer Mensch ist. Er wurde ebenso wie sein Vater Klaus Meister mit Dynamo Dresden und Nationalspieler. Nach der Wende, als ihn viele Klubs gejagt haben, schloss er sich erstmal dem VfB Stuttgart an. Damals nicht die allerbeste Adresse, aber zwei Jahre später war er auch mit den Schwaben Meister.

Matthias Sammer und seine Karin: Bilder des Neu-FC-Bayern-Paars

Matthias Sammer und seine Karin

Seit 1985 (Debüt für Dynamo Dresden) steht Matthias Sammer im Rampenlicht, in vielen verschiedenen Posten (u.a. Nationalspieler, Trainer bei Borussia Dortmund und DFB-Sportdirektor). Jetzt ist er Sport-Vorstand beim FC Bayern. © dapd
Zum 1. Juli 2012 bekam beim FC Bayern auch die Riege der Spieler- und Funktionärsfrauen Zuwachs. Karin Sammer stärkt ihrem Mann den Rücken. Die beiden hatten sich einst in Stuttgart kennengelernt. Sie sind seit über 20 Jahren verheiratet und haben drei Kinder. Wir zeigen die Bilder des Paars. © Getty
1996 © Getty
1996 bei der Dortmunder Meisterfeier © Getty
1996 mit Steffen Freund und dessen Gattin Ilka © Getty
1996 bei der EM © Getty
1996 bei der EM © Getty
1997 bei der "Welt-Fußball-Gala" in München © Getty
1997 bei der "Welt-Fußball-Gala" in München © Getty
1998 bei einem Länderspiel © Getty
2000 beim DFB-Jubiläum © Getty
2000 beim Abschiedsspiel für Lothar Matthäus © Getty
2002 bei der Dortmunder Meisterfeier © Getty
2004 bei seiner Vorstellung als VfB-Trainer © dapd
2002 bei der Dortmunder Meisterfeier © Getty
2006 beim Laureus-Award © M.I.S.
2006 beim Laureus-Award © M.I.S.
2011 im österreichischen Going (Tirol) bei der 20. Weißwurstparty im Stanglwirt. © dpa
2011 im österreichischen Going (Tirol) bei der 20. Weißwurstparty im Stanglwirt. © Getty

Seine Station bei Inter Mailand war nur ein kurzes Intermezzo. Sammer merkte schnell, dass Italien nicht sein Ding war, und so ging’s ab nach Dortmund. Zweimal Deutscher Meister und einmal Champions-League-Sieger mit dem BVB, Europameister 1996, im gleichen Jahr zum „Fußballer Europas“ gewählt – es lief.

Dann das abrupte Ende: Eine Knieoperation inklusive bakterieller Infektion sorgte dafür, dass er am 4. Oktober 1997 sein letztes Spiel bestritt. Mit 33 wurde er Trainer, rettete zusammen mit Udo Lattek den BVB 2001 vor dem Abstieg und wurde ein Jahr später mit ihm Deutscher Meister. Typisch Sammer…

Belächelt wurde er hin und wieder wegen seiner Vorliebe für deutsche Schlager. Ist ihm auch egal. „Lieder wie Griechischer Wein oder Ein bisschen Frieden sind ein Traum“, sagte er kürzlich im Playboy.

Seit 2005 lebt er mit seiner Frau Karin und den drei Kindern in Grünwald, ein Jahr später wurde er gegen den Willen von Bundestrainer Jürgen Klinsmann als Sportdirektor beim DFB installiert.

Und jetzt also die Bayern. Langweilig wird’s nicht werden mit ihm…

tz

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