Matthäus prophezeit eine schwere Saison – und adelt Ribéry

Toni ist keine Garantie!

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Lothar Matthäus spricht im tz-Interview über Spitzenfußball in Europa, Luca Toni und die kommende Saison.

München - Er ist Deutschlands Rekordnationalspieler (150 Einsätze) und war zu Spielerzeiten eine Bayern-Ikone. Im Gespräch mit der tz spricht Lothar Matthäus über Spitzenfußball in Europa, Luca Toni und die kommende Saison.

Herr Matthäus, England dominiert den Klub-Fußball – wird die Bundesliga je aufschließen können?

Matthäus: In England spielen die besten Spieler, weil da mehr Geld ist. Jetzt waren mit ManU und Chelsea zwei englische Teams verdient im Champions-League-Finale – Deutschland wird noch lange warten müssen. Man wird auf kurz oder lang an einer Änderung nicht vorbeikommen in dem Punkt, dass man die Vereine an Privatinvestoren verkaufen muss.

Im Champions-League-Finale standen sich in Michael Ballack und Owen Hargreaves zwei Ex-Bayern gegenüber. Muss man die Bundesliga verlassen, um ein Großer zu werden?

Matthäus: Das war bei uns auch so. Ich war beim FC Bayern, der zu den Top 5 in Europa gehört, aber man will sich mit den ganz Großen messen. Die spielen nicht in Deutschland. In der Bundeliga haben wir gute Spieler, aber international gibt es halt einen Cristiano Ronaldo.

Philipp Lahm hat Offerten von Barcelona und ManU ausgeschlagen. Richtig oder falsch?

Matthäus: Für die Bundesliga und den FC Bayern ist das gut, aber für die Entwicklung eines jungen Spielers wäre es sicher kein Fehler, einmal zu einer wirklich großen Mannschaft zu gehen. Das hätte nicht geschadet und wäre sicher ein Reifeprozess gewesen. Das war bestimmt auch eine Frage des Marktes. Er hatte ein Super-Angebot, ich gehe davon aus, dass sich die Bayern an die Offerte von Barcelona angepasst haben.

Lukas Podolski grübelt, ob er sich den Kampf beim FC Bayern weiter zumuten soll. Muss er wechseln, um weiterzukommen?

Matthäus: Wichtig ist, wie ehrlich diese Gespräche mit Jürgen Klinsmann waren. Ich kann natürlich als Trainer sagen: ,Du, ich bau’ auf dich.’ – und dann sieht es doch anders aus. Das muss ein glaubhaftes Gespräch sein. Wenn das Gespräch etwas gebracht hat für Podolski, sollte er es noch einmal beim FC Bayern probieren. Er ist ein guter Spieler. Im letzten Jahr hat er das Vertrauen nicht so bekommen, weil Ottmar Hitzfeld auf Toni und Klose gesetzt hat. Der Erfolg hat Ottmar Recht gegeben. Wenn es nächstes Jahr für Lukas besser aussehen würde, würde ich mich für ihn freuen. Aber dann beißt ein anderer in den sauren Apfel.

Luca Toni oder Miro Klose . . .

Matthäus:. . . Toni ganz sicher nicht. Aber dann soll es ein offener Kampf werden, und der Bessere soll spielen.

Toni war eine Verstärkung auf Top-Niveau. Doch die Bayern haben es nicht leicht, Kaliber dieser Größe zu verpflichten. Nun sagte Gennaro Gattuso ab.

Matthäus: Toni hätte letztes Jahr auch zu Milan gehen können. Der FC Bayern ist nach wie vor eine gute Adresse. Ich mische mich nicht in die Vereinspolitik des FC Bayern ein. Aber ich sehe auch andere Spieler, die auf dieser Position spielen können. Wenn man schon auf der „6“ einen Spieler sucht, der die Mannschaft mit Blick auf die Zukunft verbessern sollte, wäre Anatoliy Timoshchuk von St. Petersburg sicher nicht schlechter als Gattuso. Allein sein Alter und sein gutes Passspiel sprechen für ihn. Aber das ist meine persönliche Meinung, ich will mich bei den Bayern nicht einmischen. Ich habe den Nemanja Vidic empfohlen (wurde am Mittwoch mit ManU Champions-League-Sieger/Anm. d. Red.) – darauf hat man auch nich gehört.

Die Bayern wollen in der Champions League angreifen. Doch das 0:4 gegen St. Petersburg hat Zweifel aufkommen lassen.

Matthäus: Ein einmaliger Ausrutscher war das ganz sicher nicht. Das haben die anderen Spiele im Uefa-Cup gezeigt. Man hätte schon gegen Getafe den Kürzeren ziehen können. Die Bayern haben in Europa nicht so überzeugend gespielt, wie man sich das erhofft hat. Und nächstes Jahr ist der Druck aufgrund der Verpflichtung des neuen Trainers noch größer.

Es wird viel diskutiert, ob es ein Problem ist, dass Klinsmann noch keine Erfahrung als Vereinstrainer hat. Ihre Meinung?

Matthäus: Da müssen Sie den Uli Hoeneß fragen.

Was ist drin für den FC Bayern in der Königsklasse?

Matthäus: Ich möchte keine Prognose abgeben. Es ist ein Neuanfang für den FC Bayern. Man muss erst schauen, wie alles zusammenpasst.

Ist es zu wenig, sich nur auf Toni/Ribéry zu verlassen?

Matthäus:Auch ein Luca Toni kann nicht immer die Tore garantieren. Ich freue mich für ihn, weil er ein super Typ ist, aber trotz allem ist die Garantie nicht da. Er ist auch nicht mehr der Jüngste, und die Konkurrenz hat sich nächstes Jahr auf ihn eingestellt – genauso wie auf Franck Ribéry. Vielleicht kommen dann andere mehr ins Spiel, es war ja nicht jeder beim FC Bayern mit seiner persönlichen Leistung zufrieden. Wenn man ganz oben angreifen will, braucht man sicher noch ein oder zwei echte Verstärkungen.

Womöglich wird man bei der EM fündig. Wer kann der Star des Turniers werden?

Matthäus: Cristiano Ronaldo ist zurzeit in Europa unerreicht. Was er kann, wie er spielt – er hat alle Möglichkeiten, der Superstar der EM zu werden. Er ist gerade der beste der Welt.

Und Ribéry?

Matthäus:Wenn er spielt wie dieses Jahr bei Bayern, ist er ein Ausnahmespieler wie Ronaldo. Genauso wie Luca Toni.

Interview: Mario Volpe

Quelle: tz

Quelle: tz

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