Große Emotionen in Gladbach

Tränen und Tore zum Heynckes-Abschied

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Bei der Pressekonferenz nach dem Spiel kamen Bayern-Coach Jupp Heynckes die Tränen.

Mönchengladbach- Nach 48 Jahren und 1011 Begegnungen als Spieler und Trainer war der Auftritt in Mönchengladbach das letzte Bundesligaspiel für Jupp Heynckes. Nach dem 4:3-Erfolg des FC Bayern flossen die Tränen.

Erst stockte die Stimme, dann flossen die Tränen: Jupp Heynckes hat die Bühne Fußball-Bundesliga nach 48 Jahren und 1011 Begegnungen mit großen Emotionen verlassen. „Das ist ein bewegender Moment für mich. Die Borussen-Fans haben mir einen wunderbaren Abschied beschert. Das zeigt mir, dass das meine Heimat ist“, sagte Heynckes nach dem 4:3 (2:3)-Erfolg von Meister Bayern München bei Borussia Mönchengladbach - dann wurde der 68-Jährige von seinen Gefühlen übermannt.

Im Presseraum des Borussia-Parks brandete lautstarker Applaus auf, während Heynckes vergeblich gegen die Tränen ankämpfte.

Jupp Heynckes erlebte einen emotionalen Tag in Gladbach.

Jeder war sich der Bedeutung dieses Augenblicks bewusst: Ein ganz Großer seiner Zunft tritt ab. Auch die Spieler des FC Bayern wollten ihren Coach nach einer Saison der Rekorde, die schon vor Wochen mit dem Gewinn des 23. Meistertitels einen ersten Höhepunkt hatte, standesgemäß verabschieden. „Ich habe in der Kabine gesagt, dass es mir viel bedeuten würde, das letzte Spiel zu gewinnen. Ich habe gemerkt, dass sich die Spieler nachher gefreut haben, dass sie mir das Geschenk gemacht haben“, sagte Heynckes, der seine Mannschaft nach dem 29. Sieg im 34. Spiel zu Sauerbraten und Bier einlud.

Diese Erfolge feierte Jupp Heynckes mit den Bayern

Diese Erfolge feierte Jupp Heynckes mit den Bayern

Am 24. März 2011 war's offiziell: Jupp Heynckes unterschreibt zum dritten Mal einen Vertrag als Trainer beim FC Bayern München. Am 30. Juni 2013 ist wieder Schluss, dann endet nach 1011 Bundesliga-Spielen als Spieler und Trainer eine beeindruckende Karriere. Wir werfen einen Blick zurück auf die Laufbahn von "Don Jupp". © sampics
Nach acht Jahren bei Borussia Mönchengladbach - ohne Titel - löste Jupp Heynckes zur Saison 1987/1988 beim FC Bayern den Meistertrainer Udo Lattek ab. Lattek feierte in München insgesamt sechs Meisterschaften. Uli Hoeneß, damaliger Bayern-Manager, erhoffte sich vom gebürtigen Gladbacher eine erfolgreiche Ära. Auf nationaler Ebene konnte Heynckes die Ansprüche des FC Bayern erfüllen. © getty
In seiner ersten Saison wurde er aber "nur" Zweiter hinter Bremen. © getty
In seinen vier Jahren der ersten Amtszeit kam er als Chef-Trainer des FC Bayern international sowohl im UEFA Cup als auch im Europapokal der Landesmeister nie über das Halbfinale hinaus. Der Weltmeister von 1974 wurde in München dafür 1989 und 1990 Deutscher Meister. Dazu kommen zwei Vizemeisterschaften in seiner "Ära". © getty
In seiner fünften Saison wurde Jupp Heynckes nach einer 1:4-Heimniederlage gegen die Stuttgarter Kickers entlassen. Die Tabellensituation war bedrohlich, da die Münchner nur Zwölfter waren. Der Vorstand musste handeln. Hoeneß nannte den Rauswurf seines Freundes im Nachhinein seinen "größten Fehler". © sampics
Diese Freundschaft war auch ausschlaggebend, dass Heynckes aus seinem Ruhestand zurückkehrte und die Bayern übernahm, nachdem Jürgen Klinsmann 2009 entlassen wurde. Jupp war zufällig zu Besuch bei Hoeneß in München - sah sogar die letzte Partie Klinsmanns gegen Schalke - und paar Tage später saß er zum zweiten Mal beim FC Bayern auf der Trainerbank. © sampics
Heynckes sicherte dem Rekordmeister die direkte Qualifikation für die Champions League und feierte damit seine dritte Vizemeisterschaft mit den Münchnern. Zur Meisterschaft fehlten den Münchnern zwei Punkte. © getty
In den letzten fünf Spielen holte der ehemalige Meistertrainer vier Siege und ein Remis. © getty
Zum 34. Spieltag gegen Stuttgart (Endstand 2:1) gab es für den 66-Jährigen einen Blumenstrauß zum Dank für die "Hilfe". Nach der Saison rechnete er mit seinem Vorgänger Klinsmann ab: "Sie können nicht am offenen Herzen operieren, wenn Sie noch nie an einem Operationstisch gestanden haben." © getty
Gerade aufgrund seiner ehrlichen und familiären Art sowie als Motivator schätzen ihn seine Spieler. Des Weiteren schafft es Heynckes, aus einer sicheren Defensive ein schönes Offensivspiel spielen zu lassen. Dieses Gesamtpaket sicherte den Bayern 2009 noch die Teilnahme an der Champions League. © getty
Durch die Arbeit bei seiner zweiten Amtszeit in München hat sich Heynckes neue Motivation und Begeisterung für weitere Engagements geholt. Dass er mit Stars umgehen kann, bewies er nicht nur bei Real Madrid 1997/98. Auch bei seinem Intermezzo bei den Bayern hatte er die "Diven" Ribéry und Toni im Griff. © getty
An der Säbener Straße war er sich, auch als Chef-Trainer, für nichts zu schade - auch nicht für das Bälle tragen während des Trainings. © getty
Ein jubelnder Jupp Heynckes ist keine Seltenheit. Der Taktikfuchs geriet mit seinem Intimfeind Christoph Daum während des Meisterkampfes in der Saison 1988/1989 vor dem entscheidenden Spiel in Köln im Aktuellen Sportstudio aneinander. Am Ende gewann Jupp mit den Bayern 3:1 im Müngersdorfer Stadion und drei Spieltage später seinen ersten Titel überhaupt. © getty
Aber nicht nur im Inland feierte der Routinier Erfolge. Jupp Heynckes durfte 1997/1998 einen der größten Klubs der Welt trainieren. Durch seine gute Arbeit in Bilbao (von 1992 bis 1994 und 2001 bis 2003) und Teneriffa (1995 bis 1997) wurde der Champions-League-Rekordsieger auf den Westfalen aufmerksam. © getty
Und prompt in seiner ersten und auch letzten Saison bei Real feierte Heynckes seinen einzigen internationalen Titel als Trainer. Der Champions-League-Titel bewahrte ihn aber nicht vor dem Rauswurf, da Madrid in der Liga "nur" Platz 3 erreichte. Ein Jahr darauf hatte Heynckes eine kurze Amtszeit bei Benfica Lissabon. © getty
Im Juli 2003 holte der FC Schalke 04 Heynckes zurück nach Deutschland, um nach 2001 wieder um die Meisterschaft mitzuspielen. Allerdings blieb der Gladbacher in eineinhalb Jahren erfolglos. Man warf ihm vor, er würde nur noch von seinen alten Triumphen vorschwärmen und zu wenig auf die Spieler eingehen. © getty
Nach seinem misslungenen Comeback 2006 bei Mönchengladbach (Tabellen-16. nach 18 Spieltagen) entschied sich Heynckes, sich zur Ruhe zu setzen, um mehr Zeit mit der Familie verbringen zu können - bis sein alter Kumpel aus München anrief. © getty
Von dem Intermezzo in München angeregt, ging es für Heynckes 2009 direkt weiter: Leverkusen wollte für seinen unglücklichen Versuch mit Bruno Labbadia einen "Fußballlehrer" und fand ihn im neu motivierten Heynckes. Die Bayer-Elf blieb in der Saison 2009/2010 24 Spieltage ohne Niederlage und holte sich den Herbstmeistertitel. Am Ende gelang immerhin noch der Sprung in die Europa League. © getty
Der alte und der neue Bayern-Trainer. Louis van Gaal (r.) und Jupp Heynckes (l.) beim 1:1 in Leverkusen 2010. In der Saison 2010/2011 ist Leverkusen die einzige Mannschaft, die den überragenden Dortmundern "folgen" kann. Diese erfolgreiche Arbeit überzeugte auch die Bayern-Bosse, weshalb sie Heynckes für zwei Jahre verpflichteten. © getty
Seine dritte Amtszeit bei den Bayern ab 2013 könnte mit dem totalen Triumph enden. © MIS
Nach drei zweiten Plätzen 2012 spielten die Bayern 2012/2013 eine phantastische Bundesliga-Saison und knackten einen Rekord nach dem anderen. Die Meisterschaft sicherten sich die Münchner so früh wie noch kein Team zuvor - am 28. Spieltag! © M.I.S.
Die Bierdusche, verpasst von Anatoli Timoschtschuk bei der Meisterfeier, hatte sich Heynckes redlich verdient. © dpa

Eine große Feier gab es bereits am Freitagabend. Heynckes traf sich mit der Gladbacher Pokalsiegermannschaft von 1973. „Das war wunderbar. Ich hatte einige Spieler 40 Jahre nicht gesehen“, sagte Heynckes, der sich dafür entschuldigte, dass er sein Team einen Tag vor dem Spiel alleine ließ: „Normalerweise mache ich so etwas nicht.

Emotionen gab es auch schon vor dem turbulenten Spiel an seiner alten Wirkungsstätte. Von der Gladbacher Vereinsführung erhielt Heynckes Blumen und eine Foto-Collage, vor der Fankurve hing ein Spruchband mit der Aufschrift "Ein echtes Fohlen dreht seine letzte Runde - Mach' gut, Jupp!". "Es wäre nur noch emotionaler geworden, wenn es am Bökelberg gewesen wäre“, sagte Heynckes in Erinnerung an die fantastischen und unvergesslichen Momente im alten Gladbacher Stadion. "Wenn Fans dich feiern, ist das etwas ganz Besonderes. Denn für die Fans ist der Fußball ja Lebensinhalt. Gerade hier in Mönchengladbach ist das ganz extrem – das war überwältigend und ich habe mich wahnsinnig darüber gefreut!", so Heynckes bei LIGA total!.

Bevor sich der Weltmeister von 1974 aber vielleicht endgültig in den Ruhestand verabschiedet, will er seine Trainerkarriere mit dem Triple krönen. Mit dem Champions-League-Finale am 25. Mai in London gegen Borussia Dortmund und mit dem DFB-Pokalfinale am 1. Juni in Berlin gegen den VfB Stuttgart hat Heynckes mit dem Rekordmeister noch zwei große Ziele vor Augen. Er könnte sich in München mit zwei Siegen ein Denkmal setzen und Nachfolger Pep Guardiola ein schweres Erbe hinterlassen.

Einmal die eins, einmal die fünf: Bilder und Noten zum Bayern-Sieg in Gladbach

Einmal die eins, einmal die fünf: Bilder und Noten zum Bayern-Sieg in Gladbach

Zum letzten Spiel seiner Bundesliga-Karriere verschafften die Bayern ihrem scheidenden Trainer Jupp Heynckes ein spannendes Spiel, das alles hatte, was man sich als Fan wünscht. Die Bilder zu diesem wahnsinnigen Spiel. © AP
Zum letzten Spiel seiner Bundesliga-Karriere verschafften die Bayern ihrem scheidenden Trainer Jupp Heynckes ein spannendes Spiel, das alles hatte, was man sich als Fan wünscht. Die Bilder zu diesem wahnsinnigen Spiel. © dpa
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Manuel Neuer: Note 4 © dpa
Philipp Lahm: Note: 2 © dpa
Jerome Boateng: Note 4 © dpa
Dante: Note 5 © dpa
David Alaba: Note: 3 © dpa
Javi Martinez: Note 3 © dpa
Bastian Schweinsteiger: Note 3 © dpa
Arjen Robben: Note 2 © dpa
ab 81. Xherdan Shaqiri: o.B. © dpa
Thomas Müller: Note 2 © dpa
ab 81. Claudio Pizarro: o.B. © dpa
Franck Ribéry: Note 1 © dpa
Mario Mandzukic: Note 3 © dpa
ab 75. Mario Gomez: o.B. © dpa

Es sei einfach so, dass alles um das Champions-League-Finale kreise, sagte Heynckes, der in Gladbach einen guten Gegner sah, „um für Wembley zu üben.“ Mit den ersten zehn Minuten mit Gegentreffern von Martin Stranzl (4.), Mike Hanke (5.) und Havard Nordtveit (10.) war Heynckes natürlich nicht zufrieden. „Ich hatte das Gefühl, dass die Mannschaft noch bei der Meisterfeier war“, meinte der Bayern-Coach, der im Anschluss aber ein stark spielendes Team der Gäste sah, das durch Javi Martinez (7.), den überragenden Franck Ribery (18. und 53.) und Arjen Robben (59.) das Spiel - fast problemlos - drehte.

So interessierten im Anschluss weniger die 90 Minuten als vielmehr die Zukunft des Hauptdarstellers. Einen Funktionärsposten schloss Heynckes erneut aus („Das kommt für mich nicht in Frage“), bleibt ein erneuter Wechsel ins Ausland. „Ich werde jetzt das Champions-League-Finale und das Pokalendspiel mit meiner Mannschaft bestreiten, und dann werde ich bekannt geben, was ich mache oder was ich nicht mache“, meinte Heynckes, der eine Entscheidung in den ersten Juni-Wochen öffentlich machen will.

Doch egal, wo Jupp Heynckes vielleicht noch hingehen wird, emotionaler als der Abschied bei seiner alten Liebe Mönchengladbach kann es kaum mehr werden.

sid

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