„Tuchel ist Tuchel, Klopp ist Klopp“

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Favoritenschreck? Mainz-Trainer Thomas Tuchel (35) will das Bruchwegstadion wieder zur Festung machen: „Es muss für die großen Vereine eine Strafe sein, hier zu spielen“.

Mainz - Vor dem Spiel der Bayern am Bruchweg in Mainz hat sich die tz mit dem Trainer des Aufsteigers, Thomas Tuchel, unterhalten.

Herr Tuchel, Sie sind jetzt seit knapp drei Wochen Bundesligatrainer. Wie fühlt es sich an?

Tuchel: Sehr, sehr gut, auch wenn es stressig ist, vor allem, was das Medieninteresse angeht. Aber ich lebe meinen Traum, nämlich Tag für Tag auf dem höchsten Level als Trainer zu arbeiten.

Ist der Job schon ein bisschen Normalität geworden?

Tuchel: Ein Stück weit ja, vor allem, wenn man auf dem Trainingsplatz steht und die fußballbezogene Routinearbeit auf einen wartet. Es gibt sehr viel zu tun. Da bleibt wenig Zeit zum Reflektieren.

Sie sagten, das Stadion am Bruchweg müsse wieder ein Ort werden, zu dem die großen Klubs mit Unbehagen fahren sollen.

Welche Promis unterstützen welchen Club?

fpotje

Tuchel: Ja, das müssen wir schaffen. Und zwar mit einem offensiven Stil, viel Laufarbeit und einem aggressiven Verhalten im Spiel gegen den Ball. Das trifft den Nerv des Mainzer Publikums. Wir wollen eine Spielweise praktizieren, die es jenen Teams schwer macht, die meinen, sie könnten die Aufgabe hier allein mit technischen Mitteln lösen. Es muss für die großen Vereine eine Strafe sein, hier zu spielen.

Glauben Sie, die Bayern-Stars reisen mit dem von Ihnen gewünschten unguten Gefühl an?

Tuchel: Das weiß ich nicht. Die Bayern kennen die Situation, dass der Gegner gegen sie alles gibt. Aber man hat beim FC Bayern sehr wohl verfolgt, wie schwer sich Leverkusen am ersten Spieltag gegen uns getan hat.

Was verlangen Sie von Ihren Spielern?

Tuchel: Sehr, sehr viel – und das jeden Tag. Sie müssen bereit sein, sich ständig zu verbessern. Und ich erwarte von Ihnen auch eine gewisse Demut gegenüber der Tatsache, den Beruf des Fußballprofis ausüben zu dürfen.

Wie würden Sie Ihren Führungsstil beschreiben?

Tuchel: Kommunikativ. Ich spreche viel mit den Spielern. Und ich stehe für Teamwork. Dass das mit der Philosophie des Vereins übereinstimmt, ist ein großes Glück.

Mit 35 Jahrern vom A-Jugendtrainer zum Chefcoach eines Bundesliga-Klubs – das ist einmalig im deutschen Profifußball. Wäre es nicht besser gewesen, alles wäre ein bisschen langsamer gegangen?

Tuchel: Ich weiß nicht. Es gibt keinen Plan dafür. Wenn man von einem Verein das Vertrauen erfährt, eine Erstligamannschaft führen zu dürfen, dann ist es nicht angebracht, darüber nachzudenken, ob es nicht besser wäre, noch ein Jahr in der 3. Liga Trainer zu sein. Man kann sich den Zeitpunkt für so einen Einstieg nicht aussuchen. Aber ein Job als Cheftrainer im Profifußball war immer mein Ziel. Deshalb war ich auch darauf vorbereitet.

Jürgen Klopp ist die Trainerfigur schlechthin beim FSV Mainz. Nervt Sie der Klopp-Vergleich, der allzu gerne bemüht wird?

Tuchel: Wenn die Leute das so sehen, dann dürfen sie das gerne. Beeinflussen kann ich das sowieso nicht.

Wie viel Klopp steckt denn in Ihnen?

Tuchel: Das kann ich nicht sagen, weil ich noch nicht im Klub gearbeitet habe, als Jürgen Klopp hier war. Ich habe anfangs im Scherz gesagt, dass der Präsident vielleicht einfach jemanden haben wollte, der sich genauso schlecht rasiert wie Klopp. Aber im Ernst: Thomas Tuchel ist Thomas Tuchel, Jürgen Klopp ist Jürgen Klopp. Wenn Leute Ähnlichkeiten erkennen und die positiv sind, dann wehre ich mich nicht dagegen.

Interview: ­Roland Wiedemann

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