Comeback als Gastkommentator

TV-Kritik zu Marcel Reif beim Pokalfinale: Ein wenig Galle ins Brause-Fernsehen

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Marcel Reif

Und es kommt doch noch Gutes aus Österreich! Zum Pokalfinale in Berlin landete der herzige Red-Bull-Sender ServusTV einen ganz besonderen Coup: Die Ösis haben Marcel Reif mit vielen guten Argumenten aus der Rente gelockt.

Der Altmeister kommentierte noch einmal 90 Minuten lang Fußball. Das passte zwar zum landlustigen Senderumfeld wie ein galliger Text von Ludwig Hirsch zu einem bärigen Hansi-Hinterseer-Jodler, war aber ein großes Vergnügen für Fernseh-Fußball-Feinschmecker. Der Bayern-Sieg mit Marcel Reif – eine prächtige Erholung von den Banal-Plauderern, die ihm nachzufolgen versuchen.

Das Drumrum: ServusTV-Sportchef Christian Nehiba erwähnte in seinen Vorberichten auch andere Spieler als David Alaba und die Leipzig-Ösis, aber nur selten. Experte Steffen Freund belobigte brav Nationalheld Alaba als „wundervollen Linksverteidiger“. In einer schockierenden Fußballpause schickte sich ServusTV-Intendant Ferdinand Wegscheider dann als wenig wundervollen Rechtsverteidiger selbst auf den Bildschirm – und hetzte als Strache-Versteher gegen die „linke Journalistenblase“. Das war gruselig, zeigte aber wenigstens, wie gut wir es in Deutschland haben, wo keine Limofabrikanten die öffentliche Meinung bilden. Viel schöner war die Werbung mit unseren bayerischen Herzibopperln Christian Neureuther und Rosi Mittermaier. Sie himmelten sich an, während der Christian begeistert ein Stamperl des Fitnessgesöffs KnobiVital exte und verriet: „Wir trinken’s jeden Abend.“ Die Rosi störte sich nicht am Knoblauch-Odeur vom Christian und ergänzte: „Weil’s wirklich wirkt.“ So schön kann Romantik sein, wenn zwei sich lieben und beide nach KnobiVital duften.

Reif wirkte frisch wie der junge Frühling

Der Reif-Kickoff: Eine gute Stunde vor dem „Kickoff“ (Anstoß auf Österreichisch) meldete sich Marcel Reif im Alpen-Fernsehen. Er hat sein KnobiVital brav getrunken und wirkte deshalb frisch wie der junge Frühling. Moderator Nehiba pries ihn so ausführlich als „Kult“ und „Legende“ an, dass es sogar Reif zu viel wurde. Er wehrte die ärgsten Ovationen ab: „Danke für die Legende. Leb ich noch? Sagt mir bitte Bescheid.“

Lesen Sie auch: Ticker: FC Bayern feiert - Hoeneß mit klaren Ansagen zu Kovac, Sané und Boateng

Das Reif-Spiel: Und dann kommentierte er nach drei Jahren Pause, wie eben nur Marcel Reif kommentiert. Klug, süffisant, amüsant, mit der Weisheit eines alten Indianers – und den Fußball so angemessen ernst und unernst nehmend, wie es dieser aus den Fugen geratene Sport eben verdient. Seine Analyse der schwachen Bayern-Anfangsphase: „Das nervt und nervt und nervt, wie die Leipziger den Bayern auf den Pelz rücken. Das ist, wie wenn ein Nachbar ins eigene Wohnzimmer kommt und sich breitmacht.“ Sein Bonmot zu Zweikämpfen mit Riese Niklas Süle: „Da kommt aus der Seitenstraße ein Bus.“ Und herzhaft über schöne Tore jubeln kann er auch noch. Bei Lewandowskis Mega-Kopfball zum 1:0: „Guckt euch das an! Das ist ja Uwe Seeler, und Gerd Müller, und alle Granden auf einmal!“ Dazwischen gab’s genüssliches Bundestrainer-Bashing: „Hummels! Was für ein Solo, Herr Löw! Zu alt.“ Und beim Bayern-Jubel mit Hoeneß und Rummenigge spöttelte Reif über die legendäre Meinungsvielfalt der FCB-Oberen: „Oh, die hätten sich fast berührt eben gerade.“ Nachdem ServusTV jetzt für drei Jahre die Rechte am DFB-Pokal gekauft hat, dauert es hoffentlich nicht bis 2022 bis zum nächsten Reif-Spiel.

Marcel Reif wird beim Sport1-Doppelpass deutlich und schießt heftig gegen einen FCB-Star. Er rät den Münchner zu einem Wechsel.

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