Jahreshauptversammlung des FC Bayern

Uli Hoeneß dankt ab - Am Ende gibts noch einen Seitenhieb gegen Olli Kahn

Uli Hoeneß hört auf als Präsident des FC Bayern. Sein Nachfolger wird Herbert Hainer. Bei seiner Abschiedsrede lässt sich der scheidende Präsident zu einem Seitenhieb gegen Kahn hinreißen. 

  • Nach fast einem halben Jahrhundert beim FC Bayern verabschiedet sich Uli Hoeneß.
  • Er hat den Verein in den unterschiedlichsten Positionen geprägt.
  • Sein Nachfolger als Präsident wird Herbert Hainer.

München - Uli Hoeneß kämpfte mit den Tränen. Schon zu Beginn der großen Abschiedsshow nach fast einem halben Jahrhundert als prägendste Persönlichkeit des FC Bayern presste der 67-Jährige auf dem Podium die Lippen fest zusammen. Der scheidendePräsident verneigte sich vor tausenden Mitgliedern, die ihn mit einem donnernden undnicht enden wollenden Applaus feierten. „Vielen, vielen Dank“, sagte der ergriffene Hoeneß, der tief durchatmen musste. Zum neuen Präsidenten sollte im Verlauf der Versammlung der frühere Adidas-Chef Herbert Hainer gewählt werden. Der 65 Jahre alte Niederbayer soll Hoeneß auch als Vorsitzender des Aufsichtsrates der FC Bayern München AG ablösen.

Hoeneß bedankt sich bei den Fans: „Sie haben mir wunderbare Jahre geschenkt“

Ohne die Mitglieder und deren überwältigende Unterstützung, das betonte Hoeneß am Freitagabend gleich zu Beginn in der Münchner Olympiahalle, wäre er nach seiner Zeit im Gefängnis nicht mehr an die Spitze seines Herzensclubs zurückgekehrt. „Sie haben mir wunderbare Jahre geschenkt“, sagte der Vereinspatron. Sein zum Nachfolger erkorener Freund Herbert Hainer konnte da einmal mehr fühlen, welchen „riesigen Fußspuren“ er folgt.

„Uli Hoeneß, du bist der beste Mann“, schallte es durch die Halle. Bei pompösen Klängen trugen die nicht mehr für den FC Bayern aktiven Topspieler Franck Ribéry (AC Florenz) und Arjen Robben (Karriereende) Meisterschale und DFB-Pokal auf die Bühne. Basketball-Geschäftsführer Marko Pesic brachte deren Meistertrophäe mit. Es folgten herzliche Umarmungen mit Hoeneß. Die Überraschung sei geglückt, schwärmte Hoeneß.

Hoeneß mit Seitenhieb gegen Kahn: „Da hast du viel Arbeit“

Frenetisch gefeiert wurde auch Oliver Kahn, der an der Seite vonSportdirektor Hasan Salihamidzic applaudierte. Der frühere Kapitän und Torhüter Kahn wird im kommenden Jahr Vorstandsmitglied und soll dann zum Nachfolger von Karl-Heinz Rummenigge (64) als künftiger Chef aufgebaut werden. Kahn genoss den Riesenjubel - von Hoeneß bekam er schon vor dem Amtsantritt Aufgaben mit auf den Weg.

„Da hast du viel Arbeit, um diesen Vorschusslorbeeren gerecht zu werden“, erklärte Hoeneß. Den „Bis-auf-Weiteres“-Coach Hansi Flick begrüßte Hoeneß als „Cheftrainer“. „Wer den Mitgliedern so ein wunderbares Fußballspiel wie Samstag schenkt, hat diesen Beifall verdient“, sagte der Noch-Präsident. 4:0 hatten die Münchner zuletzt im Bundesliga-Topspiel gegen Borussia Dortmund gewonnen.

Ebenfalls einen Seitenhieb einstecken mussten die Zweitligisten aus Sandhausen und Aue. Vor allem Erzgebirge reagierte frech auf die mokierende Aussage von Uli Hoeneß.

Hoeneß prägte den deutschen Fußball-Rekordmeister ein halbes Jahrhundert

In drei verschiedenen Positionen prägte Hoeneß den deutschen Fußball-Rekordmeister ein halbes Jahrhundert: Erst als erfolgreicher Stürmer und Weltmeister von 1974, dann 30 Jahre als Manager und in den letzten zehn Jahren mit einer Unterbrechung wegen einer Haftstrafe als Präsident und Aufsichtsratschef. Sein Mandat im Aufsichtsrat will er bis ins Jahr 2023 weiter ausüben.

In den vergangenen Tagen war Hoeneß von Größen aus dem Fußball und der Politik gewürdigt worden. Ob EhrenpräsidentFranz Beckenbauer, Bundestrainer Joachim Löw oder Triple-Trainer Jupp Heynckes - alle hoben die Einzigartigkeit und Größe von Hoeneß‘ Lebenswerk hervor.

Hoeneß steigerte den Umsatz in seiner Zeit als Verantwortlicher von zwölf Millionen Mark auf 750 Millionen Euro

Mit zwölf Millionen Mark Umsatz und sieben Millionen Mark Schulden legte Hoeneß als 27-Jähriger am 1. Mai 1979 als Manager beim FC Bayern los. An seinem groß zelebrierten Abschiedsabend durfte er sich einmal mehr über imposante Wirtschaftsdaten freuen. Der Umsatz stieg auf den Rekordwert von 750,4 Millionen Euro in der abgelaufenen Spielzeit. Der Gewinn nach Steuern betrug 52,5 Millionen Euro. Mit 336,2 Millionen Euro war der Personalaufwand der größte Posten auf der Ausgabenseite.

Alle Details zur Jahreshauptversammlung des FC Bayern können Sie in unserem Live-Ticker nachlesen.

Zu einer kuriosen Szene kam es auf der JHV zwischen Rummenigge und Hoeneß. Sie gipfelte in dem Satz: „Verarschen kann ich mich selbst!“ Ernster wurde die Stimmung im Saal, als es um die Rolle von „Brazzo“ ging.

Rubriklistenbild: © dpa / Tobias Hase

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