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Vor zehn Jahren: Das dramatischste Saisonfinale der Liga

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Auf Schalke flossen Tränen, beim FC Bayern war der Jubel riesig © Getty

Gelsenkirchen - Vor genau zehn Jahren lieferten sich Schalke und Bayern das dramatischste Saisonfinale der Bundesliga. Für 4:38 Minuten war Schalke deutscher Meister - und dann kam Patrik Andersson.

Es ist 17.21 Uhr, als im Gelsenkirchener Parkstadion der Ausnahmezustand ausgerufen wird. Tausende Fans des FC Schalke 04 stürmen auf den Rasen und wollen mit ihrer Mannschaft die deutsche Fußball-Meisterschaft feiern. Sie alle wissen in dem Moment nicht, dass sie 4:38 Minuten später nicht mehr sein würden als „Meister der Herzen“.

Der 19. Mai 2001 geht als dramatischstes Finale in die Geschichte der Bundesliga ein. Schalke 04 spielt von Beginn an eine überraschend starke Saison. Das Team von Trainer Huub Stevens zeigt mit dem vom Reviernachbarn Borussia Dortmund geholten Regisseur Andreas Möller sowie dem torgefährlichen Angriffsduo Ebbe Sand und Emile Mpenza bezaubernden Offensivfußball.

Die Bayern-Bierduschen seit 2005

Am vierten Spieltag übernehmen die Königsblauen zum ersten Mal die Tabellenführung, und vor allem der 4:0-Erfolg beim Erzrivalen Borussia Dortmund am sechsten Spieltag lässt die Konkurrenz aufhorchen. Als Schalke zur Halbserie die inoffiziellen Herbstmeisterschaft holt, wagen die ersten Fans des Traditionsklubs vom ersten Titel seit 1958 zu träumen.

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Am Ende gab's für Bayern die Schale © Getty

Bis zum Saisonende bleibt es ein Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen Bayern München und seinem neuen Herausforderer. Als Schalke nach einer zwischenzeitlichen Schwächephase in der Rückrunde auf den sechsten Platz zurückfällt, scheint der Höhenflug der Königsblauen vorbei. Doch als Schalke am 29. Spieltag das direkte Duell bei den Bayern eindrucksvoll mit 3:1 für sich entscheidet, sind die Gelsenkirchener ein heißerer Meisterschaftskandidat denn je.

Doch der Jäger wird zum Gejagten und hält diesem Druck nicht stand. Ausgerechnet beim bereits abgestiegenen Reviernachbarn VfL Bochum lässt Schalke nach einem 1:1 wertvolle Punkte liegen.

Am vorletzten Spieltag versucht der Klassenprimus seinen hauchdünnen Vorsprung in der Tabelle vor den punktgleichen Bayern beim Spiel in Stuttgart mit einer feigen Mauertaktik zu verteidigen. Das geht in die Hose, nachdem Krassimir Balakow in der 89. Minute das 1:0 für den VfB gegen Schalke erzielt, gelingt Alexander Zickler der 2:1-Siegtreffer für München gegen Kaiserslautern. Bayern übernimmt die Pole Position mit drei Punkten vor dem „FC Hosenscheißer 04“, wie Schalke in der Boulevardpresse genannt wird.

Am letzten Spieltag glaubt niemand in Gelsenkirchen mehr an ein Wunder. Die mit der schlechteren Tordifferenz ausgestatteten Bayern benötigen nur noch einen Punkt in Hamburg, sodass auf Schalke die Stimmung beim Match gegen die vor dem Abstieg stehende Spielvereinigung Unterhaching anfangs eher gedrückt ist. Doch als der HSV gegen die Bayern mit 1:0 in Führung geht und die Schalker einen 1:3-Rückstand in einen 5:3-Sieg drehen, kehrt auf Schalke die Hoffnung auf eine Sensation zurück.

Zwei Minuten ist die letzte Partie im Parkstadion vor dem Umzug in die neue Arena bereits abgepfiffen, da meldet ein Mitarbeiter des Pay-TV-Senders Schalkes Manager Rudi Assauer, das Spiel in Hamburg sei beendet. Schalke versinkt im Chaos, nach 43 Jahren ist der Klub zum ersten Mal wieder deutscher Meister, alles erscheint so unwirklich. Vor allem, als plötzlich die Anzeigetafel im Parkstadion aufflackert und Szenen aus Hamburg zeigt.

Es ist keine Wiederholung, die Partie läuft noch, die Nachspielzeit ist fast vorüber, als die Bayern einen indirekten Freistoß zugesprochen bekommen. Tomas Ujfalusi hatte den Ball abgewehrt, er landete bei Torhüter Mathias Schober, der den Ball in die Hände nimmt. Schiedsrichter Markus Merk wertet die Szene irrigerweise als Rückpass und gibt indirekten Freistoß - den Patrik Andersson zum 1:1 verwertet. Merk pfeift sofort ab, Bayern ist Meister, ganz Schalke versinkt in einem Meer aus Tränen, und Rudi Assauer verliert den Glauben an den Fußball-Gott.

„Das war alles sehr emotional“, erinnert sich Stevens an die wohl schwersten Minuten seiner Trainerkarriere. „Als die Fans alle auf den Platz stürmten, sind wir schnell hoch in die Kabine. Da lief ein Fernseher und zeigte die Bilder aus Hamburg. Wir waren ganz nahe dran und hätten nach einer fantastischen Saison den Titel auch verdient gehabt, aber leider sollte es nicht sein“, sagte der Niederländer, der heute mit der verpassten Meisterschaft leben kann: „Wir hatten immerhin zum ersten Mal in der Vereinsgeschichte die Champions League erreicht, das war auch ein großer Erfolg.“

Nach Jahren im Mittelmaß der Bundesliga meldet sich der FC Schalke wieder in der Bundesligaspitze zurück, wird 2005, 2007 und 2009 noch dreimal Zweiter. Auf die achte Meisterschaft, die echte, nicht nur eine für 4:38 Minuten, muss der Klub aber weiter warten.

sid

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