"Was Luca macht, ist gewaltig"

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Oliver Kahn zog nach dem Spiel einsam seine Runden auf dem Rasen des Olympiastadion. Wie einst Franz Beckenbauer...

Berlin - Der Titan auf den Spuren des Kaisers. Nach dem Schlusspfiff im Olympiastadion lief Oliver Kahn gedankenversunken über den Endspiel-Rasen.

Saugte ein letztes Mal DFB-Pokal-Luft in seine Lungen. Nicht zuletzt Dank seiner Glanzparaden landeten die Bayern wieder auf der Siegerstraße. „Für ihn sprechen die Erfolge. Da kann ich noch viel lernen. Wenn ich nur halb so viele Titel gewinne wie er, dann habe ich noch eine große Karriere vor mir“, zollte Weltmeister Luca Toni dem Titan Respekt, der nach dem Schlusspfiff von seinen Teamkollegen fast erdrückt worden war. „Sie hatten“, sagt Ottnar Hitzfeld, „einfach das Gefühl, dass sie Oliver danken müssen.“ Das tz-Interview am Tag nach dem Finale:

Herr Kahn, wie fühlt es sich an, mit sechs Pokal-Titeln alleiniger Rekordhalter zu sein?

Kahn: Das ist mir nicht so wichtig. Viel schöner ist es, so etwas mit dem Verein noch mal erlebt haben zu dürfen. Das sind meine eigentlichen Gefühle. Rekord-Pokalsieger, das kommt irgendwann vielleicht in meinen Gedanken vor.

Wie fanden Sie das Spiel Ihrer Mannschaft?

Kahn: Es war genau das Finale, das ich erwartet hatte. Gegen eine Dortmunder Mannschaft, die um ihr Leben rennt. Typisch Finale eben. Auf das ganze Gequatsche im Vorfeld habe ich überhaupt keinen Wert gelegt. All diese Stimmen die nur nach der Höhe des Sieges gefragt haben.

Dachten Sie wirklich, dass es so knapp wird?

Kahn: Wir haben in dieser Saison den Sack nicht zugemacht. Aber wir haben soviel Qualität und Substanz… Letztlich haben wir verdient gewonnen.

Lukas Podolski sagt: „Deutschland wird Kahn vermissen.“ Wird diese Bühne auch Ihnen fehlen?

Kahn: Kann ich jetzt noch nicht sagen. Ich möchte nicht so viel Pathos reinbringen. Ich kann nur sagen, es ist ein wunderbarer Job, aber irgendwann reicht’s auch mal. Man erreicht ein Alter, in dem man andere Dinge machen sollte. Deshalb beschäftige ich mich nicht mit Wehmut. Ich bin einfach dem Verein dankbar und irgendwann ist Schluss.

Die Mannschaft rannte nach dem Schlusspfiff zu Ihnen. Tut das gut?

Kahn: Das war phantastisch. Mit dieser Mannschaft macht es momentan Riesen-Spaß. Das sind alles gute Jungs. Dieser ehrliche, unverfälschte, freie Jubel von einem Toni, Ribéry oder Klose. Alles Jungs, die im Verein noch nichts gewonnen haben. Das tut auch diesem erfolgsverwöhnten Verein gut. Das zieht einen selber mit, egal wie viel man gewonnen hat. Das ist toll, das braucht der FC Bayern.

Die Spieler gingen in die Kurve, Sie sah man gedankenverloren am Mittelkreis. Ähnlich, wie Franz Beckenbauer bei der WM 1990.

Kahn: Ich habe da einfach das schöne Gefühl des Sieges genossen. Ein tolles Finale mit phantastischem Ambiente. Das muss man einfach mal mitnehmen und die Gefühle auf sich wirken lassen. Das geht nicht im Trubel mit den Jungs. Diese schönen Momente wollte ich mitnehmen.

Wie hoch ist der Anteil von Ottmar Hitzfeld an dieser Saison?

Kahn: Riesig. Er hat das Gefühl für eine Topmannschaft. Er weiß immer, wie man mit den Spielern umgeht. Taktisch ist er perfekt, er hat alles erlebt. Er kennt die Gefahren. Von seiner ganzen Einstellung habe ich viel gelernt. Es ist aber auch wichtig, dass jemand mit mir umgehen kann. Hitzfeld hat auf eine gewisse Art aus mir das Letzte rausgeholt. Das hat er mit seiner psychologischen Art sehr clever gemacht.

Hätten Sie gedacht, dass Luca Toni so einschlägt?

Bayern München ist DFB-Pokalsieger

Bayern München ist DFB-Pokalsieger © dpa
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Kahn: Von der Anzahl der Tore, ist es schon gewaltig, was Luca da macht. Er hat gezeigt, dass er nicht nur ein Vorrunden-Spieler ist, sondern auch wichtige Tore schießt. Es ist unbezahlbar, wenn man solche Spieler in der Mannschaft hat.

Noch ein Wort zu Ihrem Nachfolger Michael Rensing. Wie kann er Ihre großen Fußstapfen ausfüllen?

Kahn: Das ist eine schwierige Aufgabe. Aber auch ich bin als junger Mann zu Bayern gekommen und musste das Erbe von Aumann antreten, der auch sehr beliebt war. Man muss ihm die Chance geben, auch bei Fehlern, ihn stützen und stabilisieren. Wenn er das mental bewältigt, dann wird er sehr stark.

So feierten die Bayern ihren Sieg

So feierten die Bayern ihren Sieg © dpa
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Der Kaiser fordert Verstärkungen

Er fieberte bereits beim Frauen-Finale auf der Ehrentribüne des Berliner Olympiastadions mit: Franz Beckenbauer gönnte sich neben Ex-DFB-Präsident Gerhard Mayer-Vorfelder am Samstag den extra langen Endspiel-Tag. Und zum Schluss durfte der Kaiser mal wieder jubeln. Die tz sprach mit dem Bayern-Präsidenten beim Fest-Bankett von Hauptsponsor Telekom über den Pokalsieg, Oliver Kahns Abschied und Michael Rensings schweres Erbe.

Der erste Titel der Saison ist perfekt. Aber mal ehrlich, Herr Beckenbauer: Hatten Sie es sich so schwer vorgestellt?

Beckenbauer: Nein. Ich hätte nicht gedacht, dass es so schwer wird und wir sogar in die Verlängerung müssen. Aber zum Schluss haben wir den Pokal – und das zählt.

Ist dieses Team nach einer Saison schon eine große Mannschaft?

Beckenbauer: Das werden wir sehen. Richtig wird das erst die Zukunft, speziell die nächste Saison, zeigen. Ich glaube schon, dass wir Verstärkungen oder zumindest Ergänzungen brauchen. Wenn man da welche findet sollte man auf alle Fälle zuschlagen. Das geht ja schon beim Torhüter los.

Oliver Kahn hinterlässt ein schweres Erbe…

Beckenbauer: Richtig. Man muss sich nur seine Erfolge anschauen. Es wird alles andere als einfach, ihn zu ersetzen.

Trauen Sie es Michael Rensing trotzdem zu?

Beckenbauer: Ich bin von ihm überzeugt, dass er es schaffen kann…

…und ebenso wie Kahn eine Ära prägt?

Beckenbauer: So weit würde ich jetzt noch nicht gehen. Oliver ist ja schon fast eine Legende. Solche Karrieren wie die von Kahn gibt es nur ein paar mal.

Auch Luca Toni wird langsam zur Legende. Zwei Tore im Finale, der vierte Doppelpack in Folge – finden Sie für Ihn noch Worte?

Beckenbauer: Er ist einfach immer da, wo er sein muss und macht die Tore. Wir alle sind mit ihm sehr zufrieden.

ta, mv

Quelle: tz

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